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Stormarner Tageblatt

04. Dezember 2016 | 21:32 Uhr

Interview : „Mein Papa hat ’ne Schnapsbrennerei“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Gesa Dreckmann wurde mit Dorf-Comedy bekannt, schreibt in „La Dorfe Vita“ vom Leben in Hamfelde und ist jetzt auf dem Theaterschiff zu erleben.

Gegen die Bezeichnung „norddeutsche Karibik-Perle“ hat Gesa Dreckmann nichts. 1997 in Hamburg als Tochter eines Landwirts und einer Haitianerin geboren, wuchs sie in Hamfelde/Lauenburg auf. 1997, nach dem Abitur am Gymnasium in Trittau, ging sie für ein Jahr nach Amerika. Zurück in Deutschland machte sie eine Schauspielausbildung in Hamburg. Sie spielte bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg die Häuptlingstochter „Hi-La-Di“. Bekannt wurde Gesa Dreckmann als Comedian mit Dorf-Migration.

In ihrem Buch „La Dorfe Vita – die unersättliche Leichtigkeit des Schweins“, das Ende 2015 erschien, plaudert sie aus dem Dorfleben mit all seinen „bizarren ... amüsanten ... eigenwilligen ... ungewöhnlichen ... jedenfalls spezielle Charakteren.“ Sie erzählt, wie ihre Mutter Régine über Amerika nach Lüneburg kam, wo sie Timmi aus Hamfelde traf, und wie das Leben mit zwei älteren Geschwistern auf dem Dorf verlief. Wobei die Besonderheit der Familie Dreckmann nicht erst mit einer Ehefrau aus Haiti beginnt, sondern viel früher.

Das Vorwort hat Atze Schröder geschrieben. Den hatte sie einst in einer Kölner Kneipe getroffen und mit den Worten begrüßt: „Ich heiße Gesa Dreckmann, komm vom Dorf, und du kannst mich nicht untern Tisch trinken, weil mein Papa hat ’ne Schnapsbrennerei.“ Was natürlich stimmt, ihre Tante Meike Brönneke brennt und mixt den „Hamfelder Oberförster“ und andere spezielle Schnäpse und Liköre. Über das Leben im Dorf, ihr Buch, ihre Comedy-Karriere und ihre weiteren Pläne sprach Stormarner Tageblatt-Redakteur Rolf Blase mit Gesa Dreckmann.

Sie mögen das Dorf?

Gesa Dreckmann: Ich bin ein Teil des Dorfes, das auch immer ein Teil von mir ist. Ich freue mich heute noch, wenn ich Richtung Heimat fahre und auf den letzten Kilometern bin. Bei meinem ersten Programm ‚Café Latte im Heu‘ hatte ich immer das ‚I love Dorf T-Shirt‘ an. Ich hatte an die ‚I love New York‘ und so T-Shirts gedacht und fand es witzig. Aus dieser Idee ist mein Thema geboren. Ich hatte erst Bedenken, dass die Menschen mich vielleicht nicht überall verstehen, weil ich thematisch eher norddeutsch verortet bin. Aber Dorf gibt es überall auf der Welt, auch auf Haiti oder in Bayern und der Schweiz. Die Leute verstehen und mögen den Humor, und das Leben schreibt sowieso die besten Geschichten.“

Sie hatten zunächst eine Schauspielerkarriere im Blick. Wie ging das los mit Comedy?

Nach kleinen Auftritten auf offenen Bühnen bin ich 2011 beim RTL Comedy Grand Prix gelandet. Plötzlich stand ich da beim Casting und war sehr aufgeregt, aber Cindy aus Marzahn hat gelacht. Außerdem habe ich beim Comedy Grand Prix viele tolle Freunde gefunden. Mit Freddy Farzadi und Markus Krebs trete ich seitdem, sofern es unsere Termine zulassen, als ‚Die vier geilen 3‘ auf, auch schon in Trittau. Ende 2012 habe ich dann im Trittauer Bahnhof angefangen – ich wollte Comedy ins Dorf holen. Die Shows haben Spaß gemacht, und ich komme immer wieder gerne hierhin. Ende März war ich für eine Lesung im Alten Bahnhof und freue mich schon jetzt wahnsinnig auf meinen Auftritt im nächsten Jahr in der Wassermühle.“

Und präsentieren dort was?

„La Dorfe Vita – live“ heißt mein Programm. Es ist eine Mischung aus Stand-up-Comedy und Lesung aus meinem Buch. Damit bin ich unterwegs, war gerade auf Langeoog. Es ist egal, ob ich vor zehn, hundert oder noch mehr Leuten auftrete, wenn die, die da sind Spaß haben und den Alltag für ein bis zwei Stunden vergessen. Ich sage immer, dass ich einen tollen Beruf habe, weil ich gerne in lachende Gesichter gucke.“

Demnächst kann man Sie auch auf dem Hamburger Theaterschiff in dem Drei-Personen-Stück „Glück ist was für starke Nerven“ erleben...

„Ja, das ist auch deshalb spannend, weil es eine Co-Produktion mit dem Kabarett-Theater Distel aus Berlin ist, wo wir ebenfalls spielen werden. Ich hatte schon mal bei der Distel vorgesprochen, konnte das Angebot aber nicht annehmen, weil ich zu der Zeit mit meinen Eltern auf Haiti war. Dort sind die Menschen zwar arm, haben aber eine positive Lebenseinstellung. Außerdem bin ich jemand, der immer friert, und dort scheint fast immer die Sonne.“

Ab wann kann man sie im Theaterschiff sehen?

„Premiere ist am 6. Oktober. Ich freue mich auf diese Herausforderung, sonst bei ich ja meistens alleine unterwegs.“

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erstellt am 05.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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