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Stormarner Tageblatt

05. Dezember 2016 | 15:40 Uhr

Nienwohlder Moor : Management für schützenswerten Raum

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Landesamt für Landwirtschaft und Umwelt stellt richtungsweisendes Projekt Nienwohlder Moor vor. Angelika Bretschneider und Ines Winkelmann vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume geben Einführung.

Natura 2000 ist das größte Schutzgebietsnetz der Welt – 311 Gebiete gehören in Schleswig Holstein dazu. Eines dieser schützenwerten Lebensräume ist das Nienwohlder Moor, welches zum Kreis Segeberg und Stormarn gehört. Mit einer Bürgerbeteiligung sollen die Anwohner in den Prozess des Gebietmanagements einbezogen werden.

Bis vor wenigen Jahrzehnten waren die Moore wichtige Brennstofflieferanten. Auch im Nienwohlder Moor wurde regelmäßig Torf gestochen, ab 1951 maschinell und in großem Stil. Als der Torfabbau 1978 beendet wurde, blieb ein in großen Teilen verändertes oder zerstörtes Gebiet zurück, welches sich nur langsam erholt. Trotzdem gehört das Nienwohlder Moor zu den bedeutenden atlantischen Hochmooren in Schleswig Holstein. Hier leben seltene Tierarten wie der Moorfrosch und allein 20 Libellenarten, die fast alle auf der Roten Liste stehen. Auch schützenswerte Pflanzen wie die Moosbeere oder der Sonnentau sind zu finden und natürlich der Kranich, der hier mit Vorliebe brütet. Daher wurde das Moor 1982 unter Naturschutz gestellt.

Mittels verschiedener Renaturierungsmaßnahmen des europäischen Projektes Natura 2000 soll nun der Lebensraum wiederhergestellt und erhalten werden. Bislang wurden jedoch nur die Flächen ausgewählt und rechtlich abgesichert, die genaue Festlegung und Umsetzung der Maßnahmen folgt in den nächsten Jahren. Bis Ende 2017 muss nun als nächster Schritt der Managementplan für das Moor fertig sein.

Ein wichtiges Ziel ist die Vermeidung der Austrocknung einzelner Flächen. Kleine Dämme halten das Wasser im Boden und bringen nicht nur einen Nutzen für die Pflanzenwelt, sondern auch für den Klimaschutz der Erde, da CO² im intakten Moor gebunden wird. Zu kämpfen haben die Naturschützer jedoch mit dem Klimawandel, der bereits in der Tierwelt spürbar sein soll. Moorexpertin Angelika Breitschneider: „Das Wetter ist insgesamt unregelmäßiger geworden und hat längere Trockenzeiten im Sommer. Besonders schwierig ist es daher, baumfreie, zusammenhängende Flächen nass zu halten.“ Daher gehört zu dem Schutz der Moore auch der Erhalt der heimischen Gehölze dazu.

Mit in die Planung einbezogen werden soll auch die Nutzung des geschützten Raumes. Zurzeit ist extensive Beweidung und die Jagd erlaubt, wobei zweite jedoch nach Meinung der Verantwortlichen das Gebiet zu stark beansprucht. Auch die Naherholung ist ein Thema, welches aufgegriffen werden soll. Siegfried Rust aus Sülfeld war selber in den 50-ern als Torfstecher tätig. Seit das Gebiet unter Naturschutz gestellt wurde, war er allerdings nicht mehr dort. Er wünscht sich eine fachkundige Anleitung für Naturinteressierte und Bohlenwege durch das Gebiet.

Ein ähnliches Ziel verfolgt Torsten Förste vom Verein „Wir sind Nahe“: „Wir planen einen Naturlehrpfad und möchten Bänke und Tafeln aufstellen. Viele Menschen in der nahen Umgebung wissen nicht, was sie direkt vor Ort haben und nutzen den Wanderweg zu wenig.“

Der Verein reichte das Projekt bereits bei Shell zur Förderung ein und bekam 4000 Euro bewilligt, welches für den bereits vorhandenen Lundener Weg genutzt werden soll. Neue Pfade dürfen auch in der Zukunft kaum durch das Moor erschlossen werden. Vor allem im nördlichen Bereich ist das Gelände zu uneben und durch die Brutplätze des Kranichs nicht begehbar. Angelika Bretschneider: „Die Renaturierungsmaßnahmen haben jetzt erst einmal Vorrang. Wir brauchen fünf bis sechs Jahre bis wir alles durchgeführt haben, erst danach ist es möglich, weitere Wege in Betracht zu ziehen.“

Interessierte können bis zum 5. August Hinweise und Anregungen zum Managementplan per Mail oder Brief einreichen oder direkt anrufen.

>Der Managementplan ist abrufbar unter http://umwelt.landsh.server.de/, Name: Nienwohlder-Moor, Passwort: Moor-07 oder liegt in den Ämtern Itzstedt und Bargteheide Land aus.


>Kontaktdaten: Angelika Bretschneider, Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Flintbek, Hamburger Chaussee 25, 24220 Flintbek, Tel.: 04347/704345

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