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Stormarner Tageblatt

04. Dezember 2016 | 11:15 Uhr

Kreispräsident: Kiel holen!

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zur Fluglärmschutzkommission vor Ort in Bargteheide kein Landesvertreter dabei – enttäuschend

Das erste Mal hatte die Fluglärmschutzkommission für den Hamburger Flughafen nach Stormarn eingeladen. Weil die Zahl der Beschwerden rasant gestiegen war und man mit den Betroffenen in einen Dialog kommen will, war die FLSK nach Bargteheide gekommen. Die Schleswig-Holsteiner Vertreter, die für den vermehrten Lärm über Stormarn mitverantwortlich sind, waren aber nicht gekommen. Ihre Stühle im Ganztagszentrum blieben leer. Nicht nur Kreispräsident Hans-Werner Harmuth zeigte sich „enttäuscht, dass niemand aus Kiel hier ist.“ Denn als die Kommission empfahl, den Anflug auf den Flughafen von vier auf sieben nautische Meilen zu verlängern, war Stormarn noch nicht in dem Gremium vertreten. Und von den Vertretern des Umwelt- und des Verkehrsministeriums hätte man gerne erfahren, warum sie dafür stimmten, ohne auch nur ansatzweise Rücksprache mit dem Kreis oder betroffenen Kommunen zu halten.

Der verlängerte Anflug sorgte für mehr Fluglärm, Proteste, die Gründung einer Bürgerinitiative für Elmenhorst und Jersbek und für einen Sitz Stormarn in der Kommission, was die FLSK zwei Jahre zuvor noch abgelehnt hatte. Eine weitere Verlängerung auf – international übliche – zehn nautische Meilen lehnte die FLSK zwar ab, ein Zurück auf vier Meilen, wie es Ahrensburgs Bürgermeister als Vertreter für Stormarn beantragte, allerdings auch.

Denn die sieben nautischen Meilen seien ein „guter Kompromiss“, wie die Hamburger Fluglärmschutzbeauftragte Dr. Gudrun Pieroh-Joußen mehrfach betonte. Dr. Uwe Schacht räumte allerdings ein, dass man so eine Verschiebung des Lärms nicht erwartet hätte: „Wir haben gedacht, dass es niemand merkt, weil es kaum eine Verschlechterung geben sollte“, da die Flugzeuge relativ hoch seien und im Sinkflug den geringsten Lärm verursachten.

Dass die „umfangreichen Lärmberechnungen“ und sogar die Messergebnisse von den Wahrgenommenen abweichen, mag an dem „Delta“ liegen, das Dr. René Schwartz von der BAW (Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein) beschrieben hatte: Die Lärm-Grundbelastung ist in Stormarn gering, so dass eine Zunahme um den selben dB-Wert hier wesentlich stärker empfunden wird als in Hamburg.

Hinzu kamen im vergangenen Jahr extreme Windverhältnisse, so dass die Zahl der Starts und Landungen auf der für Stormarn relevanten Bahn 23 stark zunahmen. „Wie viel von der Lärmzunahme auf die sieben nautischen Meilen und wie viel auf die Windverhältnisse zurückzuführen ist, lässt sich ganz schwer sagen“, erläutert Gudrun Pieroh-Joußen.

Wie stark äußere Einflüsse und subjektive Empfindungen mitspielen, zeigte sich auch in der Aussage, dass es im Frühjahr besser geworden wäre. Tatsächlich hatte es im April fast 4000 Landungen über die Bahn 23 gegeben, ein Spitzenwert. Bei den Beschwerden aus Jersbek und Elmenhorst ging es allerdings um zu viel Lärm, vor allen an Wochenenden und nachts. Teil des Kompromisses ist auch, dass die Flugzeuge über Ahrensburg 1000 Fuß hoch fliegen sollen und frühmorgens sowie ab 22 Uhr bei zehn nautischen Meilen auf den Leitstrahl eindrehen.

Ob es in Elmenhorst und Jersbek leiser werden werde, wenn die Flugzeuge über Ahrensburg wieder etwas tiefer fliegen würden, diese Frage von Barbara Gosch von der Elmenhorster Initiative blieb unbeantwortet. Für die Piloten sei es aber durchaus ambitioniert, auf einem kurzem Abschnitt die 700 Meter für den Leitstrahl zu erreichen.

Als Wünsche aus Stormarn nahm FLSK-Vorsitzender Harald Rösler nicht nur die Rückkehr zu vier Meilen mit, sondern auch Forderungen nach einem Nachflugverbot ab 22 Uhr und mehr Anflügen über die Hansestadt mit. Über diese Fragen will Kreispräsident Harmuth auch mit den Hamburger Fraktionsvorsitzenden von SPD und Grünen sprechen. Die werden seiner Einladung folgen. In den beiden Ministerien in Kiel hatte man keinen Bedarf für Gespräche mit Stormarn gesehen.

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erstellt am 03.Jun.2016 | 16:16 Uhr

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