zur Navigation springen

Bargteheide : Krähenwald wird zum Dauerbrenner

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Demonstration vor und heftige Diskussion im Ausschuss um den Bebauungsplan.

Der umstrittene Bebauungsplan für den „Krähenwald“ in Bargteheide ist einen Schritt weiter. Die Mehrheit von CDU und SPD stimmte für eine Änderung und eine erneute Auslegung, FDP, Grüne und WfB dagegen. Dabei geht es um den Artenschutz, konkret um eine Umsiedlung der Krähen und Fledermäuse auf dem Grundstück an der Bahn. Hier könnten bis zu 100 Wohnungen gebaut werden, die Hälfte mit Sozialbindung. Außerdem ist ein Parkhaus in Bahnhofsnähe geplant.

Etwa 70 Bürger verfolgten die Sitzung des Planungsausschusses, die vorsorglich bereits ins Ganztagszentrum verlegt worden war. Viele von ihnen äußerten Kritik, denn viele alte Bäume müssten für das Projekt fallen. Dagegen demonstrierten sie schon vor der Sitzung im Ganztagszentrum. Es ging aber auch ganz generell darum, wie sich Bargteheide weiterentwickeln soll.

Ein Antrag der Grünen schlug ein teilweises und vorläufiges Ruhen der Bauleitplanung vor. „Wichtige Projekte wie der Neubau der Feuerwehrwache, Kitas oder Schulen könnten fortgeplant werden“, so Thomas Fischer. Die Stadtentwicklung müsse aber stärker gesteuert werden. Und dafür benötige Bargteheide zunächst Orientierung durch ein Planungskonzept. „Es gibt enormen Erklärungsbedarf, warum solche Entscheidungen fallen“, sagte der Grüne zum Thema „Krähenwald“. Auch die Entwicklung in der Jersbeker Straße sei problematisch. Fischers Antrag auf ein teilweises Moratorium in der B-Planung wurde von Renate Mascher (WfB) unterstützt. Die FDP enthielt sich. Mit sieben Stimmen lehnten CDU und SPD den Antrag ab.

„In Bargteheide leben heute bereits etwa 1000 Menschen pro Quadratkilometer“, so Karl Dziomba vom BUND. Das seien deutlich mehr als in den Nachbarstädten, die zudem über eine bessere Anbindung an den Nahverkehr verfügten. „Warum sind sie so erpicht darauf, immer dichter zu bauen und Bäume dafür platt zu machen?“, fragte er. Eine im Artenschutzgutachten vorgeschlagene Umsiedlung der Krähenkolonie sei theoretische Traumtänzerei. Auch andere Teilnehmer befürchteten ein Ausweichen der Vögel in die Innenstadt.

Heftige Kritik kam vom Architekten Detlev Heimann. „Es dauert 40 Jahre, bis eine Fläche zum Park mit hohen Bäumen wird.“ Er schlug vor, den B-Plan für längere Zeit ruhen zu lassen: „Sie schenken damit der nächsten Generation einen gewachsenen Park mitten in der Stadt und zeigen damit Mut.“ Das Grundstück sei für bezahlbare Wohnungen ungeeignet, das Parkhaus werde vor allem von den künftigen Mietern genutzt: „Denn die geplanten 0,7 Parkplätze pro Wohneinheit sind viel zu wenig.“ „Wegen der Parkanlage bin ich nach Bargteheide gezogen“, so Annika Osmenski, „es wäre ein wahnsinniger Verlust für Bargteheide, das tut mir in der Seele weh.“ Die Krähen würden sich überall in der Stadt verteilen, sagte ein anderer Besucher, „sie handeln sich damit großen Ärger in der Bevölkerung ein.“

SPD und CDU beharrten auf dem hier zu schaffenden Wohnraum, was ein Gutachten des Kreises unterstreiche. „Die Nachfrage nach Wohnraum hat sich dramatisch zugespitzt“, so Claus Christian Claussen (CDU), „das wirkt sich auf Mieten und Preise aus.“

Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht kündigte eine interfraktionelle Arbeitsgruppe an, die sich mit dem Thema ganzheitliche Stadtentwicklung beschäftigen wird. Niemand wolle das Projekt mit der Brechstange durchdrücken: „Mein Eindruck ist, dass wir alle nicht weit voneinander entfernt sind.“ Gorch Hannis la Baume (FDP) forderte ein Verkehrskonzept: „Bald werden 1000 Autos mehr hier fahren, schon jetzt gibt es Staus in der Bahnhofstraße und am Kreisel.“

„Die Politik muss entscheiden“, so Bauamtsleiter Jürgen Engfer. Und sie hat sich entschieden. Geplant ist nach jetzigem Stand eine Vergrämung oder Umsiedlung der Krähen auf ein kleines Baumareal weiter nördlich. Das sei grundsätzlich möglich, hatte ein Artenschutzgutachten ergeben, das inzwischen auch im Internet veröffentlicht ist. Die Pläne werden jetzt ausgelegt, Bürger können dazu Stellung nehmen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen