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Stormarner Tageblatt

06. Dezember 2016 | 17:05 Uhr

Bad Oldesloe : Kleine Motorräder ganz groß

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Tollkühne Männer und Steppkes auf heißen Mini-Kisten: Auf dem Oldesloer Travering treffen sich die norddeutschen Pocketbiker. Das erste regionale Rennen ist am 3. und 4. September geplant.

Haltung ist nicht alles. Wie sonst könnte man sich auf ein Pocketbike setzen, wo zwischen Asphalt und Ohren kaum genug Platz für die Knie bleiben? „Es macht einfach riesigen Spaß“, erklärt es Rune Strauch, „und so lange ich meine Füße auf die Rasten bekomme, fahre ich.“ Auf dem Oldesloer Trave-Ring drehen die „echten norddeutschen Pocketbiker“ regelmäßig ihre Runden. Die „Taschenmotorräder“ sehen zwar niedlich aus, sind aber alles andere als ein Kinderspielzeug. „Das unterschätzen die meisten“, sagt Matthias Winkler.

  Der Stapelfelder hatte vor zwei Jahren das Pocketbike Team Travering initiiert und ist immer dabei, auch wenn er selbst nicht mehr fährt. „Ich kann es mir nicht leisten, zwei Wochen auszufallen“, sagt der Betriebsleiter. Dabei ist das Unfallrisiko mit den kleinen Flitzern auf zwei Rädern nicht besonders hoch, zumal natürlich alle mit Schutzkleidung fahren. Und auf dem abgesteckten Kurs auf dem Travering gibt es weder Unebenheiten noch Kantsteine oder andere Überraschungen. Und auch keinen Gegenverkehr.

 Bis vor gut zwei Jahren hatten sich die Pocketbiker noch auf dem Parkplatz von Möbel Höffner in Barsbüttel getroffen. „Ich habe dann beim AMC Stormarn angerufen, wo wir sofort willkommen waren. Und die Strecke ist ideal“, sagt Wilken, der als Spartenleiter fungiert. Etwa alle zwei Wochen treffen sich die rund 15 Aktiven zum Training. Daneben werden sie zu Events auf Kartbahnen, dem Dekra-Motorradtag in Lübeck oder zu den Hamburger Motorrad-Tagen eingeladen. „Die HMT sind das Highlight des Jahres. Es
ist ein Erlebnis, sich vor einem so großen Publikum zu präsentieren“, sagt Winkler, „die meisten lächeln über die Minibikes – und sind baff erstaunt, wenn sie uns fahren sehen.“ Auch wenn die Körperhaltung anders als auf echten Motorrädern ist, Pocketbikes sind die einfachste und preisgünstige Möglichkeit, in den Motorradrennsport einzusteigen. „Man kann schon mit ein paar 100 Euro anfangen“, sagt Holger Wleklo. Dafür gibt es allerdings nur ein Pocketbike aus chinesischer Produktion und keine tschechische Blata oder italienische GRC wie sie der 49-Jährige fährt. Allen Taschenmotorräder gemeinsam sind die Höchstmaße von 1,10 Metern Länge und 0,5 Metern Höhe. Aus 39 bis 49 Kubikzentimeter holen die Zweitaktmotoren bei bis zu 15  000 Umdrehungen um die 15 PS heraus. Eine Federung gibt es ebenso wenig wie ein Getriebe, und die Kraft wird durch eine Fliehkraft-Kupplung übertragen. Gebremst wird vorne und hinten mit Handhebeln.

Bis zu 100 km/h sind die kleinen Bikes schnell, je nach Übersetzung: „Die passt man der Strecke an, je nachdem ob es ein enger oder ein Kurs mit langen Geraden ist“, erklärt Holger Wleklo.  Für den Nachwuchs werden die Motoren natürlich gedrosselt, aber auch 3,5 PS wollen erstmal beherrscht sein. Rune Strauchs Sohn Kilian ist mit fünf Jahren der Jüngste im Team. Devin Urban ist nur zwei Jahre älter, hat aber schon viel Erfahrung: „Ich habe mit zweieinhalb Jahren angefangen“, sagt der Sohn von Andy Urban aus Pölitz, der bei den deutschen Meisterschaften auf dem Sachsenring 2015 vorne mitfuhr.

 „Die Kinder lernen auf den Pocketbikes Motorradfahren“, sagt Matthias Winkler, „und sie kommen vom Computer weg und machen sich auch mal die Hände schmutzig.“ Schließlich brauchen die Hochleistungsgeräte auch Pflege. Die Technik ist einfach, zu schrauben und zu verbessern gibt es aber immer etwas. „Über das Jahr gesehen bastelt man mehr als man fährt“, sagt Rune Strauch (49). Aber auf diese Art kann man auch im Winter seinem Hobby nachgehen und sich schon mal auf die Saison freuen.

In Deutschland ist die Szene klein, aber fein. „Das ist eine Super-Gemeinschaft, bei der jeder jedem hilft“, sagt der 49–Jährige. Am 3. und 4. September organisieren die AMC-Pocketbiker erstmals ein Rennen auf dem Travering, den 3. Lauf für „Das Blaue Band des Nordens“. Das Startgeld beträgt 15 Euro für Mitglieder, 25 für Gäste. Anmeldung: pocketbike-travering.de.tl.

 An Trainingstagen kann jeder zu Travering kommen, der die kleinen Bikes mal ausprobieren möchte. Mitmachen können Kinder ab fünf Jahren, für die Pocketbikes ursprünglich mal konzipiert waren, bevor sich Erwachsene drauf setzten und Spaß hatten. Interessenten können sich bei Matthias Winkler unter (0172) 9419  379 melden.

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erstellt am 21.Aug.2016 | 14:15 Uhr

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