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Stormarner Tageblatt

04. Dezember 2016 | 15:25 Uhr

Stormarner Wochenschau : Ist das denn alles noch wahr?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kummer mit Bahn, der Post & Co. und auch sonst noch Bemerkenswertes und Bewegendwes

Zeiten ändern sich

: Was war das damals alles klar strukturiert – in der Steinzeit. Brauchte man was zu essen oder neue Kleidung, wurde gejagt und erlegt. Wollte man jemanden besuchen, brachten einen die eigenen Maschierhölzer auch an weit entfernte Ziele. Und wollte man Dinge über weitere Strecken kundtun, wurde auf irgendwas getrommelt und auf den Busch geklopft. Mann und Frauen waren steinstarke Allroundtalente. Und heute? Ja, heute ist die Neuzeit. Da findet man Essen und Kleidung an jeder Ecke, fährt gemütlich Bahn und hat sogar einen Post-Bringdienst bis vor die Haustür. Solange es klappt, ist alles in Butter. Aber gerade da liegt der Hase im Pfeffer. Es klappt immer weniger, da immer mehr Beschäftigte krankheitsbedingt ausfallen. Ist das ein Wunder? Nein! Das Problem ist hausgemacht, wird aber von den Chefetagen nur müde belächelt. Wenn immer weniger, immer mehr machen müssen, ist klar, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann – dass Zugausfälle an der Tagesordnung sind, dass die Briefzustellung vielerorts auf Eis liegt, dass Krankenschwestern am Tropf hängen sowie Polizisten und viele andere auf dem Zahnfleisch gehen. Politik, Wirtschaft und Co. müssten dringend gegensteuern. Aber das passiert bis auf wenige Ausnahmen nicht. Der Profit heiligt die Mittel. Aber wie lange noch? Merke: Der Krug geht so lange zum Wasser, bis er bricht. Das kann nicht mehr lange dauern. Risse hat er bereits genug. Aber vielleicht brauchen wir auch einfach wieder nur mehr Allroundtalente, wie in der Steinzeit. Unser Karikaturist hat dazu seine Gedanken mit spitzer Feder zu Papier gebracht. Dann klappt’s auch wieder mit der Bahn, der Post & Co.

Umsteuern

: Die ganz große Keule schwingen Reiterinnen aus Tangstedt in ihrem Kampf gegen die geplante Pferdesteuer. Neben berechtigten Fragen nach Sinn, Aufwand und tatsächlichen Folgen so einer Steuer wird die grundgesetzlich garantierte Gleichberechtigung von Mann und Frau bemüht. Würden statt junger Mädchen vor allem Jungen reiten, würde niemand über eine Pferdesteuer reden, weil es dann Männersport wäre, behaupten die Unterzeichnerinnen des offenen Briefes, der an SPD-Landeschef Ralf Stegner gerichtet ist. Dem empfehlen die Damen, sich vorzustellen, dass er statt dreier Söhne drei reitende Töchter hätte, dann würde ihm die Diskriminierung sicher schnell klar werden.

Ich empfehle den Briefe schreibenden Müttern junger Mädchen, sich vorzustellen, dass sie Söhne hätten, die ein technisches Fach studieren, bei dem 80 bis 90 Prozent der Studenten männlich sind. Und denen man bei der Jobsuche mitteilt, dass man eine Quote von 50 Prozent Frauen anstrebe. Natürlich aus Gründen der Gerechtigkeit. Diese Verkehrung von Gleichberechtigung in Ungleichbehandlung wird auch Ralf Stegner sicher eher nachvollziehen können als Mädchen-Diskriminierung durch Pferdesteuer. Handeln wird die Politik deshalb aber noch lange nicht danach.

Realität

: Das Alter fordert irgendwie doch seinen Tribut. So groß die Begeisterung der Nachwuchs-Programmierer beim Basler-Hackathon auch war, scheint Augmented Reality doch eher junge Leute zu faszinieren. Kein Zweifel, die Verbindung von echter und virtueller Welt wird die Arbeitswelt und wohl auch den Alltag jedes einzelnen radikal verändern. Aber hoffentlich nicht zu schnell. ABS ist wichtig, Navigationsgerät hilfreich, und ein Notbremssystem wohl auch sinnvoll. Aber selbstfahrende Autos? Die einem, weil man dann ja woanders hingucken kann, auf die Scheibe projizieren, wo ich gerade bin, welche Restaurants und Geschäfte es da gibt und welche Sonderangebote die gerade haben. Vermutlich sabbeln die Autocomputer auch noch. Ich schalte schon das Navi stumm, weil ich das Gequake, dass ich an der nächsten Abbiegung wenden soll, schon nicht ertrage. Schließlich fährt nur einer den Wagen – und das bin ich.
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erstellt am 23.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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