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Stormarner Wochenschau : Investoren und Künstler – nix wert

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Was haben Künstler und Investoren gemeinsam? Richtig, sie genießen nicht immer das allergrößte Vertrauen und finden manchmal nicht den nötigen Zuspruch.

Strippenzieher

Da wird doch tatsächlich so mancher vom Saulus zum Paulus. CDU und FBO wollen unbedingt dringend benötigten Wohnraum schaffen. Auf Teufel komm raus. Behaupten sie zumindest. Planungshoheit der Stadt, zukunftsweisende Stadtentwicklung – all das muss dahinter zurück stehen, Hauptsache es kann gebaut werden. Deshalb muss der Wettbewerb für das VHS-Gelände und die alte Brandruine auch dringend abgeschafft werden. Dann, und nur dann, wird endlich alles gut in Oldesloe. Da interessiert es wenig, dass die Verwaltung beteuert, es werde weder nennenswert Geld gespart noch beschleunige es das Verfahren. Aber es werden definitiv gute Ideen für dieses Sahnestück der Innenstadtentwicklung nie auf den Tisch kommen. Der gefasste Beschluss ist nicht nur inhaltlich ein Armutszeugnis, er hat die Verwaltung auch regelrecht enteiert und die städtische Verhandlungsposition für die Zukunft nachhaltig geschwächt.

Was haben wir denn bisher? Eine geskribbelte Skizze und das übliche Investoren-Sprech. Das muss am Ende nichts Schlechtes werden, aber belastbare Aussagen sind das noch nicht. Also, warum versteifen sich FBO und CDU so auf diesen einen Investor?

Es ist noch gar nicht so lange her, da wollte ein Investor ein großes Baugebiet an der Kampstraße erschließen. FBO und CDU waren noch eins, Matthias Rohde zu der Zeit Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten. Wohnraumprobleme hatte Oldesloe da auch schon. Aber was haben sie nicht alles, mit tatkräftiger Unterstützung des Bauamts, an Geschützen aufgefahren, um diese Baugebiet zu verhindern. „Wir wollen niemandem zumuten, dort zu wohnen“, sagte Rohde seinerzeit. Die Taktik hat funktioniert. Bis heute darf da nicht gebaut werden, wo schon längst 100 Wohneinheiten hätten stehen können. Was hat die CDU damals angetrieben? Ganz einfach: Die Sparkasse beziehungsweise ihre Erschließungsgesellschaft hatte sich Konkurrenz zum Steinfelder Redder vertraglich verbeten. Und was für Rohdes damaligen Arbeitgeber Sparkasse gut war, muss für Oldesloe ja nicht schlecht sein. Man erinnere sich nur an die Lobgesänge auf den Redder. Jetzt also Kirchberg und Königstraße – wer weiß, wer da an welchen Strippen hängt.

Orientierungslos

Der Vorstand hat St. Jürgen in die Grütze gefahren, da drohte Leerstand am Kirchberg. Aber Bad Oldesloe hat ja endlich mal einen Investor an der Hand, der bereit ist, dort sofort loszulegen. Und prompt werden ihm von bestimmten Politikern Knüppel zwischen die Beine geworfen. Es gibt Leute, die das so sehen werden. Kann man durchaus machen. Schaffen wir die also Politik ab und lassen Investoren schalten und walten wie sie wollen? Das wäre eine logische Alternative.

Das Problem ist ein ganz anderes: Oldesloe hat keine Visionen. Es gibt Leitlinien, die so allgemein sind, dass sie sich ohne viel Mühe hinbiegen lassen, um auch den größten Mist zu rechtfertigen. Es fehlt eine vorausschauende Planung. Stattdessen werden Politik und Verwaltung von Investoren vor sich hergetrieben. Es werden nur personelle Löcher gestopft, statt Wege vorzugeben. Das Wettbewerbsverfahren ist dafür leider ein gutes Beispiel. Wäre das schon abgeschlossen, hätte die Stadt eine klare Position und könnten auch entsprechend gestärkt mit Investoren verhandeln.

Visionär

Jetzt ist der Zug ja abgefahren, die Immobilien von St. Jürgen sind aus der Insolvenzmasse von einem Investor herausgekauft worden. Filetgrundstücke in bester Innenstadtlage sind auf dem Markt, da sollte man doch meinen, dass die Stadt da ernsthaft mitbietet, um sich städtebauliche Möglichkeiten zu sichern. Aber weit gefehlt. Die Verwaltung hat sich die Gebäude angeguckt und befunden: Im mittleren könnten wir ohne viel Aufwand Obdachlose unterbringen. Dafür bieten wir mal 30  000 Euro. Diese Summe hielt der Bürgermeister angesichts des Gebäudezustands und der Folgekosten für angemessen. Da sind wir doch froh, dass sich im Rathaus niemand wegen Visionen hat krank schreiben lassen.

Kunstvoll

In der Heimat gilt der Prophet nichts. Na gut, gilt ja auch nicht immer. In Großensee hatten sich vor mehr als 20 Jahren eine der wenigen Skulpturen restauriert, die der Maler Harald Duwe geschaffen hatte. Aber er hat dort ja auch mit seiner Familie gelebt. In Stapelfeld nicht. Dort soll weg, was in den 60 Jahren als „Kunst am Bau“ eine staatliche Förderung für Künstler waren, die es noch nie leicht hatten, ihren Lebensunterhalt mit Kunst zu verdienen. Auch wenn es Auftragsarbeiten waren, die Duwe selbst nie dokumentierte und die auch seine Kinder nur zum Teil kennen, sind seine Skulpturen keine einfach so hingeworfene Entwürfe, sondern Werke, sondern wohlüberlegte Werke. Das gilt auch für die Skulptur, die seit mehr als 50 Jahren im Schulteich in Stapelfeld, steht. Dort, nur wenige Kilometer von Großensee entfernt, will man davon aber nichts wissen. Das ist zwar Kunst, soll aber trotzdem weg. Der Schulverband will sie nicht mehr, weil man den Teich zuschütten möchte, und die Gemeinde hat auch kein Interesse. Mag angesichts der vermutlich nicht geringen Restaurierungskosten verständlich sein. In Stapelfeld will man aber gar nicht wissen, wie teuer eine Sanierung wäre. Und selbst für den Fall, dass jemand die Kosten übernehmen würde, winken Schulverband und Gemeinde vorsichtshalber ab. Irgendwie scheinen sie ihren Duwe dort nicht zu mögen.
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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 18.Mär.2017 | 08:00 Uhr

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