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Stormarner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 16:43 Uhr

Ahrensburg : „Ich bin stolz auf alle Beteiligten“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Flüchtlinge und Freundeskreis wollten nach den Festnahmen „zeigen, dass wir zusammenstehen.“

Mit einer auf die Wange gemalten Deutschlandfahne und Rosen in der Hand stand ein Flüchtlingsjunge in Ahrensburg auf der Großen Straße. Er war Teil einer kleinen Kundgebung , mit der Flüchtlinge sich bei den Ahrensburgern dafür bedanken wollten, dass sie so gut aufgenommen wurde. Der Junge verteilte Blumen und sagte Passanten, dass er Deutschland liebe, dass er hier bleiben wolle.

Rund 200 Personen war zu der Kundgebung gekommen, sehr viele davon Flüchtlinge, die in der Schlossstadt oder umliegenden Gemeinden leben. Dazu gesellten sich Mitglieder und Paten der Flüchtlingsinitiative. Anlass war die Festnahme von Terrorverdächtigen in drei Stormarner Flüchtlungsunterkünften. Einer war in der Schlossstadt festgenommen worden.

„Es ist kein schöner Anlass. Man wusste immer, dass so etwas passieren kann. Aber natürlich glaubt man nicht daran, dass es die eigene Stadt betrifft“, so Bürgermeister Michael Sarach. „Die Reaktion aber, die ist toll und großartig. Ich freue mich, wie viele Menschen gekommen sind. Wir zeigen hier und heute, dass wir zusammenstehen. Nach den Festnahmen habe es in Ahrensburg und Großhansdorf durchaus andere Stimmen gegeben, das wolle er nicht verschweigen. Menschen, die die Sicherheit gefährdet sehen, die allgemein etwas gegen Flüchtlinge haben oder die ihn in der Verantwortung dafür sahen, dass ein Terrorverdächtiger in Ahrensburg unterschlüpfen konnte. „Auch diese Menschen gibt es. Das ist ja nicht neu. Auch das gehört zur Meinungsfreiheit“, so Sarach achselzuckend.

Viel zu schön war die Stimmung bei der Kundgebung, um sich die Laune von solchen Gedanken verderben zu lassen. „Ahrensburg ist eine bunte Stadt. Sehr viele Menschen bringen sich hier haupt- und ehrenamtlich für Flüchtlinge ein. Das war so, das ist so und das wird auch so bleiben“, so Sarach.

Auch die Mitarbeiter der Flüchtlingsinitiative wollen sich auf keinen Fall von ihrem Kurs abbringen lassen. Vielleicht sei man durch diesen Vorfall sogar noch näher zusammengerückt. „Natürlich gab es Gedanken und auch mal Nachfragen, ob es nun so weitergehen könne. Aber die Antwort war klar: Wir machen weiter wie bisher. Erschüttert sind wir menschlich. Wir hätten das nicht erwartet. Der betroffene junge Mann hat Deutschkurse besucht, schien sich gut integrieren zu wollen“, sagt Axel Fricke, Vorsitzender des Freundeskreises. „Misstrauen bringt nichts. Wir können nicht die verdächtigen, die sich besonders gut integrieren wollen. Dass Menschen dabei sind, die sich das offensichtlich so gut tarnen können, das kann vorkommen. Das sind aber Einzelfälle. Was wir gelernt haben, ist, dass man es halt nicht unbedingt merkt“, so Fricke. Positiv sei festzuhalten, dass die Sicherheitsmechanismen gegriffen haben, so Sarach: „Wenn ich sehe, wie wir hier heute gemeinsam stehen, dann bin ich stolz auf die Stadt und alle Beteiligten.“

 

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erstellt am 26.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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