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Stormarner Tageblatt

08. Dezember 2016 | 13:00 Uhr

SHMF in Bargteheide : Hochbegabte und Klischees

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

„Bidla Buh“ aus Hamburg gastieren im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festival im Kleinen Theater Bargteheide.

Comedy ist ein dünnes Eis, weil die Linie zwischen gekonnter Unterhaltung und Klamauk schnell über- oder unterschritten ist. Das zeigte sich auch beim gefeierten Auftritt des Hamburger Trios „Bidla Buh“ im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals.

Die drei Ausnahmemusiker aus der nahen Hansestadt bewiesen über die gesamte Dauer des Auftritts, dass sie rein vom Können her über jeden Zweifel erhaben sind. Die Multiinstrumentalisten wechselten immer wieder die Instrumente und blieben dabei fast immer virtuos in der Bedienung des jeweils gewählten Instrumentariums. Vor allem Frontmann Hans-Torge Bollert spielte sich nicht nur durch ein ganzes Portfolio unterschiedlichster Blechblasinstrumente, sondern war auch an Akkordeon oder Mini-Flügel aktiv. Jan-Frederick Behrend und Olaf Klindtwort verließen ihre Hauptinstrumente Gitarre und Schlagzeug ebenfalls mehrfach. Und das wichtigste Indiz für einen gelungenen Auftritt gab es mehrfach an diesem Abend in Bargteheides bekanntester Kulturspielstätte: ein tobendes, jubelndes Publikum, das die Musiker nicht ohne Zugaben gehen ließ.

Insgesamt könnte man nun also sagen: alles sehr gut. Doch das stimmt nicht ganz. Ein wenig stellte sich zwischenzeitlich nämlich der „Helge Schneider Effekt“ ein. Auch Schneider ist ein hervorragender Musiker und auch er versteckt sein Können oft ein wenig zu sehr hinter Klamauk. Nun ist der Humor der drei Hamburger von Bidla-Buh ein anderer als der ihres Jazz-Kollegen Schneider, doch der Effekt ist ähnlich. Denn besonders gut und unterhaltsam waren die Musiker, wenn sie musikalisch Stilrichtung karikierten oder ihr erstaunlich flexibles Können mit etwas mehr Ernsthaftigkeit präsentierten.

Manche rein lustigen Elemente hingegen wirkten ein wenig überholt oder bemüht. Herbert Grönemeyer oder Udo Lindenberg werden von jedem zweiten Musikentertainer karikiert und in 20 von 50 Fällen – wie zum Beispiel bei Helge Schneider – gelingt das besser. Die Westernhagen-Parodie hingegen zum Abschluss war gelungen.

Die Idee „Mein kleiner grüner Kaktus“ in jamaikanischen und russischen Versionen sozusagen live zu remixen, ist unterhaltsam. Dass dann aber der jamaikanische Frontmann mit einem riesigen Kaktusjoint auf die Bühne kommt und die russische Variante Wodka trinkend mit Fellmütze ist dann doch zu viel der Stereotypen. Das galt auch für den „Busen-Blues“ rund um männliche Vorlieben für weibliche Geschlechtsmerkmale. Das durchaus vorhandene Comedytalent der Musiker hielt in solchen Schenkelklopfer-Momenten fürs Bierzelt mit ihrem hohen musikalischen Können einfach nicht mit.

Dass sie es besser können, bewiesen sie immer wieder über den gesamten Abend verteilt. Das Trompetenmedley, in dem unterschiedliche Musikstile und Trompetenarten aufs Korn genommen wurden, entschädigte für schwache Momente. Ebenso das gepfiffene Klassikmedley, der A-cappella-Chor rund um einen Hai, der ein Mädchen frisst, als fiesestes Kinder-Einschlaflied aller Zeiten oder alle Querverweise in die 1920er Jahre zu den Comedian Harmonists. 

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erstellt am 22.Aug.2016 | 16:14 Uhr

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