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Stormarner Tageblatt

08. Dezember 2016 | 12:54 Uhr

Stormarner Wochenschau : Hier geht es um die K-Fragen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Immer mehr Personal, immer mehr Vorschriften ... aber Kirchen können abgerissen werden.

Versuch

Bei Neuen kann man es ja mal probieren. Dieser Eindruck drängt sich bei den Anträgen für neue Stellen zum Kreishaushalt auf. Allein in der Kernverwaltung sind es 16, bei den Einrichtungen elf. Landrat Klaus Plöger hatte immer mit einer schlanken Kreisverwaltung geworben, geht es unter seinem Nachfolger Dr. Henning Görtz nun in die andere Richtung? Zunächst muss man abwarten, wie viele der Anmeldungen tatsächlich in den Stellenplan kommen. Einige Stellen sind zudem durch das Land oder bei der Leitstelle durch die Krankenkassen finanziert. Was dann noch auf Kreiskosten dazukommt, ist meist nicht auf Stormarner Mist gewachsen, sondern den Gesetzgebern auf allen Ebenen zu verdanken, die permanent von Bürokratieabbau reden, aber genau das Gegenteil beschließen, natürlich am liebsten auf Kosten von Kreis und Kommunen. Das hat nicht erst unter Görtz angefangen, sondern war auch bei Plöger schon so. Seit 2009 wuchs die Zahl der Stellen in Verwaltung und Einrichtungen um fast 28 Prozent auf 575,84 – wenn alles genehmigt wird, worüber die Kreispolitiker in diesen Tagen diskutieren. Auch wenn steigende Beihilfen und Pensionsrückstellungen die Personalkosten zusätzlich in die Höhe treiben, sind sie nur der zweitgrößte Posten im Kreishaushalt. Fast zwei Drittel der Ausgaben von rund 138 Millionen sind „Transferaufwendungen“. Die Kosten im Sozial- und Jugendhilfebereich steigen permanent, der Asylbereich kommt noch hinzu. Aber auch das ist ja alles nicht in Stormarn hausgemacht.

Brief und Siegel

Minister denken sich die vielen Vorschriften zwar nicht aus, sie kommen aber auch nur selten mit den Auswüchsen der Bürokratie in Berührung. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer bekam bei seinem Besuch bei Lantz in Trittau Kritik zu hören, wie Vorschriften, die vielleicht mal gut gemeint waren, den Arbeitsalltag ohne jeden praktischen Nutzen verkomplizieren und verteuern. Der Spruch ist Jahrzehnte alt, aber er scheint immer wahrer zu werden: In Deutschland kommt es nicht darauf an, ob jemand etwas weiß und kann, sondern ob er Brief und Siegel dafür hat. Das gilt mittlerweile sogar schon für den Gebrauch einer Trittleiter.

Fehl-Denken

Wo viel ist, ist auch viel zu holen, scheint eine Denkweise zu sein, die sich überall durchgesetzt hat. Dass sie sogar für die Krankenstatistik taugt, ist aber neu. In Stormarn ist die Zahl der Krankentage entgegen dem Bundes- und dem Landestrend nicht gestiegen, sondern konstant geblieben. Und erklärt wird das auch mit der geringen Arbeitslosigkeit. Zunächst würde man ja denken, dass die Menschen, dort, wo der Arbeitsmarkt schlecht ist, mehr Angst um ihren Job haben und sich deshalb weniger krank melden. Könnte auch stimmen, weil nur Neumünster mit einer Arbeitslosenquote von 9,3 Prozent weniger Fehltage aufweist als Stormarn. Aber anderes scheint es auch zu stimmen. Die Erklärung dafür: Weil Fachkräfte schwer zu bekommen sind, bemühen sich Arbeitgeber mehr um ihre Angestellten, sei es mit Fitness-Angeboten oder Teilzeit-Arbeit. Ob das eine oder das andere oder beides der Wahrheit entspricht oder ob die dazwischen oder ganz woanders liegt, weiß man nicht. Wie immer bei Statistiken. Die werfen nur Zahlen aus. Die können stimmen, müssen deshalb aber noch lange nichts beweisen. Insofern sind die Interpretationen auch nicht viel mehr als Spekulationen.

Kirche im Dorf

Arm – wie eine Kirchenmaus – ist die evangelische Kirche freilich nicht. Dennoch muss auch sie – in schwierigen Zeiten – mit den „Mäusen“ gut Haus halten. Das klappt nicht immer und überall. Mancherorts müssen Kirchenschiffe vermietet oder geschlossen werden. Letzteres ist auch für das Gotteshaus in Todendorf vom Kirchengemeinderat angedacht. Da Unterhaltung und Sanierung der Kapelle in den nächsten Jahren die Rücklagen aufbrauchen würden, so die KirchenvorstandsChefin Karin Kreutzfeldt, stehen die Zeichen auf Entwidmung. Da ist derzeit guter Rat teuer – oder auch nicht: Denn Bürgermeister Dwenger schwebt der Bau der neuen Feuerwache genau auf dem Gelände der Kapelle vor. Und zwar so groß, dass sie auch von der Kirche genutzt werden könnte. Der Glockenturm würde überdies stehen bleiben. Das hätte doch was und wäre ein Novum weit über Stormarns Grenzen hinweg. Und statt Sirenen-Alarm gäbe es Orgelmusik – wie unser Karikaturist zu Papier gebracht hat. Vielleicht liegt der Plan ja auch schon fertig in der Schublade. Damit würden auf jeden Fall zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Herr, was will man mehr!
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erstellt am 29.Okt.2016 | 08:00 Uhr

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