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Stormarner Tageblatt

08. Dezember 2016 | 19:16 Uhr

Reinfeld : Hala und Ziead im Deutschkurs

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Stormarner Tageblatt begleitet Hala Ismaiel und Ziead Zankello aus Syrien. Das Ehepaar konnte endlich einen Integrationskurs in Bad Oldesloe beginnen.

Viele Menschen sind aus Syrien geflohen, um den Wirren des Krieges in ihrem Heimatland zu entkommen. Sie haben gefährliche Fluchtwege in Kauf genommen, um hier Asyl zu beantragen und in Frieden zu leben können. Dazu gehört in Stormarn das Ehepaar Hala Ismaiel (27) und Ziead Zankello (28) aus Aleppo. Beide sind vor einem halben Jahr hier angekommen und versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen. Das Stormarner Tageblatt hat die jungen Syrer – beide studierten an der University of Fine Arts in Aleppo – nach den Beweggründen für ihre Flucht, ihrem Alltag in fremder Umgebung und ihren Zukunftsplänen befragt und begleitet ihren Werdegang.

In 6. Teil erzählen Hala und Ziead von neuen Perspektiven für ihr Leben und dem lang ersehnten Platz in einem Integrationskurs in Bad Oldesloe: „Guten Tag“, „Mein Name ist Hala. Ich komme aus Syrien“, „Wie geht es Ihnen?“ und „Wie viel Uhr ist es?“ - das syrische Ehepaar Hala und Ziead lernt jetzt die ersten Sätze auf Deutsch. Endlich, denn die Wartezeit auf den heiß begehrten Integrationskurs wurde doch allzu lang. Beide hatten erst im August auf zwei freie Plätze an der Volkshochschule Bad Oldesloe gehofft, doch dann ging alles doch ein wenig schneller. „Ein Glück, unser Tag ist jetzt ausgefüllt“, strahlt Hala, als sie gemeinsam mit Ziead aus der Tür des VHS-Gebäudes tritt - mit ihnen weitere 18 Flüchtlinge aus Syrien, dem Iran und Afghanistan. „Der erste Tag war sehr anstrengend“, erinnert sich Hala. Denn der Lehrer habe doch sehr schnell gesprochen. Obwohl das Ehepaar bereits in Büdelsdorf kurz nach seiner Flucht einen Deutschkurs begonnen hatte, konnte es nicht ganz folgen. Am zweiten Tag sei es aber mit einer anderen Lehrerin schon viel besser gelaufen, sagt Ziead. Viele Wörter hätten sie bereits im ersten Deutschkurs gehört, andere wiederum waren völlig neu. „Die Lehrerin spricht langsam und erklärt alles sehr verständlich“, so Hala. Erklärungen auf Englisch gebe es nicht, im Unterricht würde nur Deutsch gesprochen. Aber das trainiere ungemein, denn schließlich wolle man ja schnell integriert werden und in Deutschland weiterkommen. „Der Deutschkurs umfasst neun Monate mit insgesamt 660 Stunden. Wir lernen auch vieles über Deutschlands Geschichte, Politik und Kultur“, so Hala. Ein volles Programm also, was die Beiden gern auf sich nehmen. „Jetzt kaufen wir uns erst mal das Deutschbuch, damit wir auch die Hausaufgaben erledigen können“, sagt Hala und lacht. Man merkt ihr an, dass sie sich freut, endlich ein Stück voranzukommen. In den letzten Wochen musste das Ehepaar einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Zieads Vater verstarb in der Türkei, wo seine Eltern nach der Flucht leben. „Das war ein schwerer Abschied für Ziead“, erinnert sich Hala. In dieser Zeit mussten sie sich um die Familie kümmern - auch aus der Ferne. Die Lage in der Türkei sei für seine Verwandten sehr schwierig. Die Familienzusammenführung habe auch für Halas Mutter immer noch nicht geklappt. „Im November war sie bei der Botschaft in Aleppo, seitdem hat sich nichts getan“, bedauert Hala. Ihr Bruder lebt wie Hala und Ziead bei „Ziehvater“ Jan Kühl in der alten Schule in Stubbendorf, ihr Vater in Gettorf. Durch die traurigen Umstände hätten sie leider in letzter Zeit nicht allzu viele neue Comics und Bilder zeichnen können. „Das wird jetzt aber wieder anders“, schaut Ziead positiv in die Zukunft. Eine Freundin, die auch die Ausstellung ihres Comic-Magazins „Fashal“ in der Galerie „Spotty“ im Oktober in Berlin in die Wege geleitet hat, konnte Hala und Ziead jetzt als Lehrer in einem Comic-Workshop vermitteln. „Das ist unglaublich. Wir freuen uns sehr darauf“, so Hala. Ab August beginnt der erste Workshop in Trappenkamp, weitere werden folgen, so dass das syrische Paar für ein Jahr engagiert ist. „Das ist eine ganz neue Erfahrung für uns. Wir können unser Wissen über Comic Painting an Interessierte weitergeben. Das ist toll“, freut sich die junge Syrerin auf ihre neue Aufgabe. Für die Ausstellung ihres Comic-Magazins in Berlin bereiten die Beiden jetzt große Plakate vor, um ihre Zeichnungen gut zu präsentieren. Ziead: „Wir sind auf der Suche nach einem günstigen Copyshop. Jan Kühl hilft uns dabei.“ Der Verdienst aus dem Workshop fließe direkt in die Realisierung ihrer ersten Ausstellung. Es wird sicher gar nicht mehr lange dauern, bis Hala und Ziead Einkäufe anstatt auf Englisch auf Deutsch erledigen und auch schneller in Kontakt mit Menschen in ihrer neuen Heimat kommen können.

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erstellt am 08.Jul.2016 | 19:04 Uhr

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