zur Navigation springen

Stormarner Tageblatt

04. Dezember 2016 | 15:26 Uhr

Siek : Großprojekte auf der Kippe

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Für einen Kindergarten gibt es jetzt gar keinen Standort mehr – und die Feuerwehr lehnt einen Neubau neben Edeka ab.

Die Situation ist verfahren. CDU und SPD sind zerstrittener denn je und eine Lösung für einen Kindergarten-Neubau ist in weite Ferne gerückt. Das ist das Ergebnis einer außerordentlichen Sitzung der Sieker Gemeindevertretung mit dem unscheinbaren Tagesordnungspunkt „Bauangelegenheiten“. Dahinter verbargen sich die seit Jahren diskutierten Projekte Kindergarten sowie Bauhof und Feuerwehr.

Für die beiden letzteren sollten neben dem Edeka-Markt Neubauten entstehen. Das Grundstück gehört der Gemeinde, der B-Plan ist fertig, der Architekt beauftragt. Beim Kindergarten ist man nicht annähernd so weit. Die 60 Elementar- und 30 Krippenplätze reichen schon länger nicht mehr aus. Vor mehr als einem Jahr suchte die Gemeinde deshalb nach einem neuen Standort und wurde in der Straße Dohm fündig. Die ist nicht nur Anliegerstraße und Sackgasse, auch ein Spielplatz hätte – zumindest teilweise – für einen Kitabau weichen müssen. Deshalb gab es von Anfang an Proteste. Und die Anwohner taten sich zusammen.

Sie immerhin können aufatmen: Dohm ist als Kindergarten-Standort vom Tisch. Für diesen Antrag der CDU gab es in der Sondersitzung eine Mehrheit. Mit ihrem eigentlichen Antrag, sowohl den Kindergarten als auch Feuerwache und Bauhof auf dem jetzigen Acker an der Alten Landstraße/Hinterm Dorf zu errichten, kam die CDU dagegen nicht durch. Die Christdemokraten stellen ebenso wie die SPD sechs Gemeindevertreter, den 13. Sitz hat der fraktionslose und ehemalige FDPler Bernd-Jürgen Ehrich.

Grundsätzlich hatte der CDU-Vorschlag für das Alternativgrundstück durchaus Zuspruch gefunden, so dass Gespräche und Vorverhandlungen mit dem Eigentümer der Fläche geführt wurden, an denen beide Fraktionen beteiligt waren. Ende Juni habe man sich auf einen „angemessenen Kaufpreis“ einigen können, so Andreas Bitzer, stellv. Fraktionssprecher und stellv. Bürgermeister.

Die Fläche bei der Sporthalle sei optimal, während der Standort neben Edeka von Anfang an wenig geeignet für ein Gerätehaus gewesen sei. Auf die Probleme bei An- und Abfahrt durch die oft zugeparkte Hauptstraße und die regelmäßigen Staus zwischen Kreisel, Umgehungsstraße und Autobahnauffahrt hatte auch die Feuerwehr hingewiesen, mündlich sowie schriftlich.

Die Fläche Hintern Dorf sei wesentlich besser geeignet. Dort könnte ein „kleines Ortszentrum mit Mehrzweckhalle, Haus der Vereine, Jugendtreff, Kita, Feuerwehr und Bauhof entstehen“, so die CDU. Einziger Nachteil: Der Zeitfaktor. Bis auf dem Acker gebaut werden kann, dürften nach Schätzung der Amtsverwaltung bis zu zwei Jahre vergehen. „Wir sind überzeugt, dass in Anbetracht der vielen Vorteile der zusätzliche Zeitbedarf akzeptabel ist. Wir wollen etwas schaffen, dass für mehrere Jahrzehnte den Ansprüchen unserer Gemeinde genügt“, sagt Andreas Bitzer.

Die SPD beurteilt die Zeitfrage gänzlich anders. Die berufsgenossenschaftlichen und versicherungsrechtlichen Anforderungen duldeten keinen Aufschub mehr, heißt es in der Mitteilung der SPD Siek. Mit einem Kita-Neubau auf dem Grundstück bei der Sporthalle wären die Sozialdemokraten einverstanden gewesen. Sie wollten auf dem ein Hektar großen Gelände zusätzlich eine Seniorenwohnanlage bauen. Dafür gab es aber ebenfalls keine Mehrheit, so dass Siek nun ohne konkreten Plan für einen Kita-Neubau dasteht.

„Es gibt keine stichhaltigen Gründe dafür, dass man nur dann auf den Kauf des Grundstücks an der Alten Landstraße besteht, um Feuerwehr, Bauhof und Kita zusammen dort zu bauen“, argumentiert die SPD. „Es gibt nun weder ein Grundstück, eine Idee eines Grundstücks und schon gar nicht die Spur einer Idee, bis wann ein solcher Neubau errichtet werden kann“, so Fraktionsvorsitzende Gerlinde Görmer in der Mitteilung.

Das Fazit der CDU sieht völlig anders aus. Bitzer: „Wir haben einen Beschluss, ein Feuerwehrhaus und einen Bauhof an einer ungeeigneten Stelle zu bauen, und keinen Beschluss für einen Kita-Standort.“ Nicht nur die Christdemokraten, auch die Feuerwehrleute können die Argumentation der SPD nicht nachvollziehen. Man sei als Feuerwehr nicht mal offiziell darüber informiert worden, dass es eine deutlich geeignetere Alternative gibt, so die Wehrführung.

Das SPD-Argument für den schlechteren Standort sei zudem nicht zutreffend. Gemeindewehrführer Holger Wollmer, der auch stellv. CDU-Ortsvorsitzender ist, hat beim Versicherungsträger nachgefragt. Die Antwort: Man würde einen Aufschub des Neubaus um bis zu zwei Jahre durchaus tolerieren, wenn dadurch eine wesentlich bessere Lösung geschaffen werde als am Standort bei Edeka.

„Wir hoffen nun sehr, dass alle Gemeindevertreter diese wichtige Frage erneut überdenken und nicht gegen die Empfehlung des Versicherungsträgers und der Feuerwehr votieren“, heißt es von Vorstand und Mitgliedern der Sieker Feuerwehr.

Wie geht es weiter? „Ich weiß es nicht,“ sagt Bürgermeister Arnold Trenner (SPD), der am liebsten überhaupt keine öffentliche Diskussion hätte. „Wir haben nicht-öffentlich beraten“, so Trenner, „wir haben einen gültigen Beschluss für einen Standort von Bauhof und Feuerwehr, müssen beim Standort für den Kindergarten aber wieder von vorne anfangen.“ Und nach den Ferien sollen fünf Container für Kinderbetreuung aufgestellt werden. „Wir wissen aber noch nicht wo.“

zur Startseite

von
erstellt am 04.Aug.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen