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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2016 | 01:29 Uhr

Nach Festnahme von Terror-Verdächtigem : Großhansdorf lässt sich nicht irritieren: „Wir hatten ihn alle ins Herz geschlossen“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Wie macht man weiter, wenn mitten in der Gemeinde ein mutmaßlicher Terror-Helfer lebte?

Großhansdorf | Ein mutmaßlicher Terrorist, der mitten unter ihnen lebte, dem sie die deutsche Sprache beibrachten, dem sie halfen – es herrscht weiterhin ein wenig Fassungslosigkeit unter den engagierten Flüchtlingshelfern in Großhansdorf. Und auch Bürgermeister Jan-Hinnerk Voss und Birgit Karlsson, Leiterin der Flüchtlingsamts, können sich an den Gedanken nur langsam gewöhnen. Doch eines ist allen Beteiligten wichtig: „Wir stehen nicht unter Schock, unsere Gemeinde lebt nicht in Angst. Das ist kompletter Blödsinn, was da in einigen Medien aufgebauscht wird“, ärgert sich Bürgermeister Voss.

„Es gibt auch keine Sprüche wie: Jetzt erst recht! Das ist schon zu viel Pathos. Es ist passiert, was passiert ist. Das hätte überall sein können. Wir lassen uns in unserer Arbeit davon nicht irritieren. Ich hatte nie einen Gedanken, dass sich jetzt etwas ändert. Die Sicherheitslage in Großhansdorf ist unverändert“, so Sebastian Hellwig. Der 47-Jährige ist selbst Pate für mehrere Flüchtlinge.

„Ich erzähle den Flüchtlingen immer, dass sie Glück haben in so einem tollen Ort wie Großhansdorf zu sein. Die Menschen hier sind sehr offen, sehr freundlich, hilfsbereit – davon war auch der verhaftete junge Mann sehr beeindruckt. Das hatte er nicht erwartet. Ich kann mir vorstellen, selbst wenn er vorher etwas geplant hatte, hätte er es vielleicht nicht ausgeführt. Wir hatten ihn alle ins Herz geschlossen. Vielleicht wurde er nur zu etwas verleitet. Der IS setzt Menschen unter Druck“, sagt Bahir Larfa. Die 36-Jährige kam vor elf Jahren aus Marokko nach Deutschland und engagiert sich für die Flüchtlinge vor Ort.

Die Polizeiwache nebenan (links im Bild) störte den Terrorverdächtigen Ibrahim M. nicht. Er wohnte seit dem Winter 2015 mit 24 anderen Flüchtlingen in den Wohncontainern von Großhansdorf.
Die Polizeiwache nebenan (links im Bild) störte den Terrorverdächtigen Ibrahim M. nicht. Er wohnte seit dem Winter 2015 mit 24 anderen Flüchtlingen in den Wohncontainern von Großhansdorf. Foto: peter wüst / rtn
 

„Das was passiert ist, dass man seine Menschenkenntnis hinterfragt. Der junge Mann war sehr neugierig, sehr wissbegierig und ehrgeizig. Man wäre nicht auf solche Ideen gekommen“, so Deutschlehrerin Dorothee Magnussen.

„Natürlich gab es auch andere Stimmen im Ort, die nun am liebsten alle Flüchtlinge in andere Orte verlegen lassen würden oder meinen Rücktritt fordern. Das ist aber eine kleine Minderheit, wie man sie überall finden würde. Das beeindruckt uns nicht. Wir stehen zusammen“, so Voss.  

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erstellt am 16.Sep.2016 | 14:34 Uhr

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