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Stormarner Tageblatt

27. August 2016 | 17:07 Uhr

Hintergründe weiter unklar : Grabau: Asylbewerberheim wegen Rauchbombe geräumt

vom

War es ein übler Scherz oder ein Anschlag? Nach einem Zwischenfall mit einer Rauchpatrone in einem Asylbewerberheim in Grabau bei Bad Oldesloe rätselt die Polizei über die Hintergründe.

Grabau | Nach dem Wurf einer Rauchpatrone in ein Asylbewerberheim in Grabau bei Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) ermittelt die Polizei weiterhin die Hintergründe der Tat. Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat laut Polizei 5000 Euro Belohnung für Hinweise auf den oder die Täter ausgesetzt. Für einen fremdenfeindlichen Hintergrund gebe es jedoch bislang keine Anhaltspunkte, sagte der Leiter der Polizei Bad Oldesloe, Wolf Rüdiger Trasz, am Samstag.

Die Freiwilligen Feuerwehren aus Grabau, Neritz, Bargteheide und Bad Oldesloe waren im Einsatz.
Die Freiwilligen Feuerwehren aus Grabau, Neritz, Bargteheide und Bad Oldesloe waren im Einsatz. Foto: jbs
 

Am Freitagabend mussten sechs Bewohner des Flüchtlingsheims ihre Unterkunft wegen starker Rauchentwicklung verlassen, nachdem Unbekannte im Treppenhaus des Heims einen Nebeltopf gezündet hatten. Innenstaatssekretärin Manuela Sölle-Winkler sprach am Sonnabend von einem tragischen Vorfall, der Menschen widerfahren sei, die in Schleswig-Holstein Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen. Sie hatte zuvor gemeinsam mit Vertretern des Kreises Stormarn, der Polizei und der Feuerwehr das Haus besucht und mit den Flüchtlingen gesprochen. „Sie sollen wissen, dass wir Anteil an ihrem Schicksal nehmen“, sagte sie danach auf einer Pressekonferenz. „Sie alle haben versichert, dass sie sich in Grabau sicher und gut aufgehoben fühlen“, betonte Sölle-Winkler.

Die Flüchtlinge hatten am Freitagabend gegen 22.30 Uhr die qualmende Rauchpatrone selbst entdeckt und aus dem Haus gebracht. Er habe einen Knall gehört und gesehen, dass das Treppenhaus voller Rauch war, sagte einer der Männer am Sonnabend. Einer von ihnen habe das qualmende Ding aufgehoben und ins Freie gebracht, andere hätten Polizei und Feuerwehr gerufen, sagte er. „Als die Einsatzkräfte eintrafen, hatten alle Bewohner das Haus bereits selbsttätig verlassen“, berichtete Polizeileiter Trasz.

 

Die Beamten des Zentralen Kriminaldauerdienstes haben die Asylunterkunft beschlagnahmt. Die Bewohner sind derzeit anderweitig untergebracht.
Die Beamten des Zentralen Kriminaldauerdienstes haben die Asylunterkunft beschlagnahmt. Die Bewohner sind derzeit anderweitig untergebracht. Foto: jbs

Die Herkunft der Rauchpatrone ist noch unklar. Bekannt sei bislang nur, dass die Patrone nicht aus Militärbeständen stamme, sagte Trasz. Weiteres müsse die Untersuchung beim Landeskriminalamt ergeben, meinte er. Die Staatsanwalt Lübeck hat die Ermittlungen übernommen. Grabaus Bürgermeister Hans-Joachim Wendt betonte, in der Gemeinde habe es noch nie Probleme mit den Flüchtlingen gegeben. Die Nachbarn pflegten ein gutes Verhältnis zu ihnen und böten sogar Deutschkurse an. Auch die Flüchtlinge selbst lobten die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ihrer deutschen Nachbarn. „Wir fühlen uns hier sicher“, sagten sie.

 

Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner erklärte gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag: Noch kenne man weder Täter noch Motiv, aber es müsse alles getan werden, um die Schuldigen dieser auf das Schärfste zu verurteilenden Tat zu finden. Man „dürfe nicht abwarten, bis Schlimmeres passiert“. Gerade hier in Schleswig-Holstein habe man schlimme Erfahrungen gemacht. Stegner weiter: „Wer Ängste und Stimmung gegen Flüchtlinge schürt, macht sich mitschuldig.“ Die Gesellschaft müsse sich entschlossen gegen diese Stimmungsmache von Seiten Pegida oder AfD wehren. Auch bei Twitter machte er seinem Ärger Luft:

Die Staatsanwaltschaftl Lübeck hat für Hinweise, die zu einem Ermittlungserfolg führen, 5000 Euro zur Belohnung ausgesetzt.

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erstellt am 04.Jan.2015 | 18:10 Uhr

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