zur Navigation springen

Stormarner Tageblatt

09. Dezember 2016 | 08:55 Uhr

Bad Oldesloe : Geheimnis der Kanne ist gelüftet

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Spenderin des Abendmahlsgefäßes von 1684 ist identifiziert. Die Kanne hat eine wechselvolle Geschichte.

Burkhard von Hennigs hat endlich Licht ins Dunkel der wechselvollen Geschichte einer wunderschönen silbernen Kanne gebracht, die zum so genannten Kirchensilber der Peter-Paul-Kirche gehört. Alles fing damit an, dass der pensionierte Denkmalpfleger des Kreises Stormarn im 2015 einen Anruf von Bettina Gräfin Kerssenbrock erhielt. Die Tralauerin ist langjähriges Mitglied des Kirchengemeinderats und wollte wissen, was sich hinter den beiden auffälligen Wappen auf der alten Abendmahlskanne verbirgt, die in der Peter-Paul-Kirche bei besonderen Gottesdiensten Verwendung findet. „Sie vermutete, dass die Kanne wegen eines Siegels der Familie Rantzau möglicherweise aus Tralau stammen könnte“, erzählt Burkhard von Hennigs (71). Denn das Gut Tralau befand sich einst im Besitz der adeligen Familie Rantzau, die zahlreiche Güter und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein besaß.

Pastor Diethelm Schark, Vorsitzender des Kirchengemeinderates, stimmte einer genaueren Untersuchung der Kanne und der Anfertigung von Fotos zu. Und so machte sich Burkhard von Hennigs an die Arbeit, nahm die Kanne in der Kirche genau unter die Lupe, fertigte Zeichnungen an, holte sich Infos aus dem Web und bat einen Freund um Hilfe, der ihm die Kopie einer Seite aus dem Familienbuch der Rantzaus zuschickte. So kam er der Geschichte dieser Familie schnell auf die Schliche und konnte das Geheimnis der Kanne in akribischer Detektivarbeit nach dreimonatiger Arbeit lüften.

Die Wappen der Familien Plessen und Rantzau auf dem Bauch der rund 34 Zentimeter hohen Silberkanne sind von einem Kranz aus Rosmarinzweigen eingefasst – ein altes Symbol für Liebe und Treue. Dank dieser Gravuren konnte geklärt werden, dass die Kanne aus dem Haushalt von Gut Schulenburg stammt. Dort war sie wohl ursprünglich ein Hochzeitsgeschenk und im Haushalt des Gutes in alltäglichem Gebrauch. Siegfried von Plessen, damals Oberstwachtmeister in dänischen Diensten, hatte um 1639 zunächst die Erbin von Schulenburg, Hedwig von Brockdorff, geheiratet und sich nach dem Tod seiner 1. Frau 1671 mit Magdalena Sophie Rantzau verheiratet, einer Tochter aus dem Gut Noer im dänischen Wohld. Das Ehepaar wohnte auf Gut Schulenburg, das damals wie heute mit rund 20 Dörfern und Gütern zur großen Kirchengemeinde Oldesloe gehört.

Die Kanne wurde dann 1684 von Magdalena nach dem Tod ihres Mannes Siegfried von Plessen der Oldesloer Kirchengemeinde gestiftet. Die Stifterin starb sieben Jahre später und wurde wohl auf dem Oldesloer Kirchhof begraben. Die Abendmahlskanne ist ein bemerkenswertes Stück des Oldesloer Kirchensilbers, wie man in der „Kunst-Topographie“ für Schleswig-Holstein nachlesen kann. Burkhard von Hennigs entdeckte neben dem Griff der Kanne auch einen kleinen doppelköpfigen Adler, das Bauschauzeichen einer ehemaligen Lübecker Goldschmiede. „Unsere Kirchengemeinde profitiert sehr von solcher ehrenamtlichen Arbeit“, betont Pastor Felix Grimbo.



>Ein ausführlicher Bericht über die Silberkanne und ihre Herkunft soll als Aufsatz im nächsten Jahrbuch des Stormarner Heimatbundes im November erscheinen.






zur Startseite

von
erstellt am 29.Apr.2016 | 11:36 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen