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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2016 | 11:06 Uhr

Bei Reinfeld : Gefangen im Regionalexpress

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Regionalexpress zwischen Lübeck und Hamburg bleibt liegen und dann geschieht lange Zeit nichts. Zugpassagiere üben Kritik an der Bahn.

Die Luft im mit 150 Personen besetzten Regionalexpress von Lübeck nach Hamburg war sowieso durch das schwüle Wetter nicht besonders gut, als der Zug zwischen Reinfeld und Bad Oldesloe aus noch unbekannter Ursache einen technischen Defekt erlitt und nicht weiterfahren konnte. Dazu ging auch noch die Klimaanlage aus.

Von technischen Schwierigkeiten und Verzögerungen sei zunächst die Rede gewesen, berichten Passagiere. So etwas käme ja öfter mal vor. Doch nach und nach sei den ersten Mitfahrenden mulmig geworden, als 30 Minuten vergingen, ohne das sichtbar etwas passierte. Die Türen zu öffnen, um Frischluft reinzulassen, sei durch das Bahnpersonal aus Sicherheitsgründen abgelehnt worden. Nach ungefähr einer Stunde ohne Bewegung und Frischluft klagten erste Mitfahrende über Kreislaufprobleme, bei anderen kam Nervosität und psychische Anspannung hinzu.

Aus dem Zug selbst und dann auch von der Bahn sollen daher Rettungskräfte alarmiert worden sein, um zwei kollabierte Personen zu versorgen und eine Evakuierung vornehmen zu können.

„Wir sind alarmiert worden, als der defekte Zug wohl ungefähr eine Stunde auf der Strecke stand, ist jetzt meine Info. Wir sind dann unverzüglich mit dem großen Besteck ausgerückt, wie es für solche Notlagen vorgesehen ist“, erklärte Feuerwehrsprecher Tom Reher vor Ort. Auch die Technische Einsatzleitung und der leitende Notarzt begaben sich unverzüglich zum Einsatzort nur einige hundert Meter vom Reinfelder Bahnhof entfernt.

Nach einer Erstversorgung der Passagiere im Zug, die über Kreislaufprobleme klagten, beschloss man den Zug mit einer Ersatzlok zurück in den Bahnhof zu ziehen und dort geordnet zu evakuieren. Vor Ort wurden die Reisenden von Bundespolizei, Bahn und Rettungsdienst in Augenschein genommen, der Arbeiter Samariter Bund hatte außerdem vor dem Bahnhofsgebäude eine Versorgungsstation aufgebaut.

Allerdings funktionierte die Kommunikation nicht sonderlich gut, was nicht an Feuerwehr oder ASB lag. Auf dem überfüllten Bahngleis, auf dem die Fahrgäste sich mit anderen Bahnkunden drängelten, die auf ausgefallene Züge warteten, wurden keine Durchsagen durch die Bahn getätigt, was viele Passagiere verärgerte, weil ihnen entscheidende Informationen fehlten. Wann der Ersatzzug kommt, wo man versorgt werden könnte, wo die versprochenen Getränke zu bekommen seien – das alles sei nur nach Nachfrage zu erfahren gewesen. „Feuerwehr und Rettungsdienst waren super hilfreich. Zur Bahn fällt mir nichts ein“, sagte eine junge Passagierin.

Weitere Reisende betonten, dass sie sich zwar nicht fit fühlten, aber den Ersatzzug unbedingt bekommen müssten. Bundespolizei und Bahn erklärten vor Ort hingegen, jedem Passagier sei Hilfe angeboten worden.

„Von unserer Seite aus, ist in der Koordination mit dem Rettungsdienst der Einsatz sehr gut verlaufen. Manche Passagiere konnten hier am Bahnhof ambulant behandelt werden. Zu den bemängelten Durchsagen auf dem Bahnsteig kann ich nichts sagen, das ist Aufgabe der Bahn und der Bundespolizei, das nach ihren Überzeugungen zu regeln“, so Reher.  

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erstellt am 09.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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