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Stormarner Tageblatt

09. Dezember 2016 | 10:50 Uhr

Reinfeld : Geduldsprobe für Landwirte

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Nach einer unterdurchschnittlichen Ernte von Gerste und Winterraps rechnet Landwirt Klaas Röhr trotz der unbeständigen Wetterlage noch mit einer guten Weizenernte.

„Diese Saison ist wirklich eine Herausforderung“, sagt Landwirt Klaas Röhr (33) und schaut zum wiederholten Male an diesem Augusttag nicht nur zum Horizont, sondern auch auf den Wetterbericht auf seinem Smartphone. „Auf die Vorhersagen in diesem Sommer kann man sich leider nicht verlassen“, sagt er. Trotzdem müsse der Weizen jetzt geerntet werden, da führe kein Weg dran vorbei, denn die Zwischenfrucht aus einem Acht-Pflanzen-Mix müsse bis zum 15. August in der Erde sein, um den Boden auf die Aussaat der Zuckerrüben im März 2017 vorzubereiten. Gegen 10 Uhr haben Klaas Röhr, Erntehelfer Lutz Bauer und Mitarbeiter Sebastian Köhler mit dem Dreschen auf dem 20 Hektar großen Weizenfeld in Poggensee angefangen. Da war es noch trocken. Neun bis zehn Tonnen Weizen erntet Röhr pro Hektar. Das sei „gut bis sehr gut“. Nach rund einer halben Stunde ist der Umladewagen voll. Er muss an den Rand fahren und wird gegen einen zweiten Anhänger eingetauscht. Sofort geht es weiter.

„Man muss die trockene Periode ausnutzen“, so der Landwirt. Jeder Schauer bedeute Qualitätseinbußen. Normalerweise schaffe man 25 bis 40 Hektar pro Tag. Das sei bei den ewigen Regenschauern natürlich momentan nicht realisierbar. „Durchschnittlich schaffen wir jetzt nur zwölf Hektar pro Tag“, bedauert der engagierte Landwirt. Gegen Mittag werden sie von einem heftigen Regenschauer überrascht – von den Meteorologen nicht angekündigt und keine Seltenheit in diesem Sommer.

Die Nässe bedeutet Stillstand für den Mähdrescher und den Umladewagen. „Wenn die Maschinen nicht laufen, verdiene ich nichts“, sagt Röhr. Da müsse man einfach Geduld haben. Um 15 Uhr fährt er wieder zum Weizenfeld und prüft die Feuchtigkeit mit einem Spezialmessgerät. Das sei genauer als das im Cockpit des Hightech-Mähdreschers. Das Gerät misst einen Wert von 19,3. „Wir können noch nicht weiterdreschen“, entscheidet der Landwirt. Er hofft, dass der kräftige Wind das reife Korn bis zum Abend getrocknet hat. Dann will das Trio bis spät in die Nacht dreschen. Denn es sind noch weitere Weizenfelder am Steinhof, in Rehhorst und Heidekamp abzuernten.

Die Zeit drängt. Um der anhaltenden Nässe im Boden Herr zu werden, fährt der Mähdrescher mit weniger Reifendruck. „Das schont die Böden, und der Mähdrescher kann nicht einsacken“, sagt Röhr. Ganz trocken sei das Getreide am Ende jedoch nicht. Getrocknet wird es beim Landhandel, wo Klaas Röhr es einlagern lässt und erst dann vermarktet, wenn die Preise oben sind. Dazu beobachtet er die Getreidebörsen in Paris und Chicago. Der Preis sei zur Zeit noch im Keller. „Die Weizenernte ist trotz der unbeständigen Wetterlage gut“, so Röhr. Nach einer „unterdurchschnittlichen Ernte “ von Gerste und Winterraps sei dies nicht zu erwarten gewesen. Für seine Zuckerrüben im Oktober erhofft er sich ebenfalls ein gutes Resultat. „Es herrscht natürlich zur Erntezeit eine gewissen Grundnervosität“, gibt er zu. Das ganze Jahr habe man sich darauf vorbereitet, sich die größte Mühe gegeben, um die Böden perfekt vorzubereiten, die fünf verschiedenen Weizensorten mit individuellen Nährstoffen und Düngemitteln zu versorgen. Nun hoffe man auf den Lohn seiner Arbeit.

Am Abend kann das motivierte Team endlich weiterdreschen. Die Maschinen laufen bis 22 Uhr. Klaas Röhr:„ Trotz mancher Wetterkapriolen macht mir mein Beruf von Jahr zu Jahr mehr und mehr Freude.“

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erstellt am 10.Aug.2016 | 06:30 Uhr

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