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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2016 | 14:51 Uhr

Stormarner Wochenschau : Gedroht – geöffnet – geschlängelt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Was in dieser Woche in Stormarns uns ins Auge fiel ...

Kriminell

Morgens kurz vor 7 ist die Welt noch in Ordnung. Aber dann ...: Stellen Sie sich vor. Sie schlummern sanft gebettet, dann klingelt’s und die Polizei steht vor der Tür – fordert Sie auf, schnell die Wohnung oder das Haus zu verlassen: Passiert am vergangenen Sonntag in Bad Oldesloe. Nach einer Bombendrohung gegen eine Tankstelle wurden diese und weitere Wohnhäuser vorsorglich evakuiert. Und der- oder diejenige kauerte vielleicht noch hinterm Busch und lachte sich einen Ast. Unglaublich! Da hört der Spaß auf. Das ist weder ein Dummer-Jungen-Streich noch ein Kavaliersdelikt. Das ist kurzum kriminell. Mal abgesehen von dem ganzen Aufwand: Polizei, Feuerwehr und Co. könnten sich bestimmt einen schöneren Sonntagmorgen vorstellen. Wenn man solche Telefon-Terroristen mal erwischen würde, müssten die ruckzuck zu 100 Sozialstunden bei den Rettungskräften verdonnert werden, um zu sehen und hautnah zu spüren, was die Ehrenamtler für das Gemeinwohl leisten.

Originell

Da muss doch ein Nest sein. Zwei Pythons innerhalb weniger Tage in Reinfeld. Was geht denn da ab? Der Python schlängelt dem Fisch so langsam den Rang ab. Wenn 2,50 Meter lange Würgeschlangen nun regelmäßig auf offener Straße anzutreffen sind, muss am Ende gar das Wahrzeichen der Karpfenstadt ausgetauscht werden. Und statt Karpfen- heißt es dann Schlangenfest. Aber so etwas gibt es ja schon in Italien.

Bei weiteren Begegnungen der schlängelnden Art wäre zu überlegen, einen hauptamtlichen Schlangenbeschwörer einzustellen, der per Flötentöne die Oberschenkel dicken Reptilien schwuppdiwupp ins Körbchen bugsiert. Allerdings hätte der bei dem von unserem Karikaturisten skizzierten Ungetüm im Herrenteich auch so seine Probleme. Loch Ness lässt grüßen.

Kulturell

Wissen Sie was ein „Elevator Pitch“ ist? Dank Internet ist die Bedeutung des englischen Begriffs schnell gefunden. Es geht darum, jemanden in 60 Sekunden, während einer Fahrstuhl-Fahrt für etwas zu begeistern. Die Oldesloer Volkshochschule bietet das als einen Punkt bei der Eröffnung des Kultur- und Bildungszentrums an. Gäbe es im KuB einen Fahrstuhl, wäre es eine schöne Aufgabe gewesen, die Besucher in den paar Sekunden für das KuB zu begeistern. Denn die Planung der Eröffnung mit dem vorgeschalteten Festakt für „besondere“ Gäste am Freitag und den Führungen gegen Gebühr am Sonntag ist nicht besonders geeignet, den Oldesloern ihren zwölf Millionen Euro teuren Kulturtempel nahe zu bringen.

Immerhin hat Kultur-Managerin Inken Kautter klargestellt, dass das KuB am Sonntag nicht verschlossen ist und es auch keine 3,50 Euro kostet, das Gebäude zu betreten. Das Wort „Eintritt“ für die Führungen wurde durch eine Erläuterung ersetzt, im gedruckten Programmheft ließ es sich natürlich nicht mehr ändern.

Nicht nur die Kultur-Managerin der Kreisstadt, auch die Nutzer des KuB hoffen, dass die lange Vorlaufphase voller „Irritationen“ mit der Eröffnung (die insgesamt knapp 40  000 Euro vor allem für Essen und Trinken kostet) zu Ende ist und das KuB so wahrgenommen wird, wie es gedacht war: Als Kultur- und Bildungszentrum. Schaun mer mal.

Finanziell I

Manchmal gibt Politik gerne Geld aus. 216  000 Euro stehen im Kreishaushalt für das Hüttendorf, das am Jugendgästehaus des KJR in Lütjensee gebaut werden soll. Es ist aber nur ein kleiner Anteil. Die 18 halboffenen und barrierefreien Hütten kosten rund 800  000 Euro. Entsprechend groß war die Aufregung, als Ende Juni bekannt wurde, dass die zugesagten 600  000 Euro Fördergelder erstmal doch nicht kommen, weil der Schulverband Wesselburen, dessen Projekt nicht bezuschusst wird, Widerspruch gegen die Bewilligungen einlegte und damit alle und alles blockierte. Zum Glück hat das Ministerium dann eine Lösung gefunden, wie das Geld doch ausgezahlt werden kann. Ende gut, alles gut. Nicht ganz: Das Verhalten des Schulverbands sollte in der kommunalen Familie noch mal diskutiert werden. Familienfreundlich war das nämlich nicht.

Finanziell II

Gerne gibt die Politik auch Geld, wenn man damit den Eindruck erweckt, das Richtige zu tun und Probleme zu lösen. 5000 Euro je Platz lassen sich Arbeitsministerium und Arbeitsagentur den „Begleiteten Übergang für Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung“ kosten. 1600 Plätze gibt es in Schleswig-Holstein, 160 in Stormarn. Macht zusammen vier Millionen Euro im Jahr. Dafür sei nirgendwo anders gekürzt worden, betonten Minister und Agenturchefin in Bad Oldesloe. Sollte das ein Trost sein? Stammt das Geld etwa nicht aus Steuern und Arbeitslosenversicherung? Bei ersterem kann man immer über Mittelverwendung streiten, beim zweiten stellt sich zusätzlich die Frage, warum wieder nur eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe zur Kasse gebeten wird. Beamte und Selbstständige zahlen keinen Cent in die Arbeitslosenversicherung.
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von
erstellt am 28.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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