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Stormarner Tageblatt

09. Dezember 2016 | 20:25 Uhr

Ammersbek : Frührentner sind der „Nachwuchs“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Ammersbeker Bürgerverein feiert sein 25-jähriges Bestehen. Sorgen bereitet die Altersstruktur. Immer weniger junge Menschen können sich zeitlich engagieren.

Seifenkistenrennen, Nordic Walking, Erzählcafe, Streuobstwiese, Reisen, Wandern – in bunten Buchstaben zählt ein Plakat im Pferdestall das umfangreiche Programm des Bürgervereins auf.

Vor 25 Jahren wurde der Ammersbeker Bürgerverein gegründet und aus anfänglich 26 interessierten Mitbürgern wurden schnell knapp 500. Ein Vierteljahrhundert nach den ersten Ideen sind es aktuell immer noch 480. Dieser Erfolg wurde mit einer Art Messe im Pferdestall gefeiert. Doch diese diente nicht dazu, sich nochmal kräftig auf die Schultern zu klopfen, sondern hatte vor allem auch das Ziel, dringend benötigten Nachwuchs zu werben.

„Die beiden ältesten Mitglieder sind 94. Mit 70 Jahren gehört man aktuell hier zu der jüngeren Generation“, erzählt der Vorsitzende Jan Ploog. Das sei in der heutigen Zeit eine natürlich Entwicklung und auch kein Vorwurf an junge Menschen. Natürlich müsse man sich aber trotzdem überlegen, wie es weitergehen soll. „Wir hoffen, dass wir weitere Ammersbeker begeistern können“, sagt Ploog. Denn eigentlich hat der Verein ein Pfund mit dem er Wuchern könne: „Es macht wirklich Spaß und ist vielfältig.“

Von den 480 Mitgliedern seien 22 sehr aktiv, bei Veranstaltungen seien es dann bis zu 50, berichtet Thorsten Schmidt, der für das Infoheft des Vereins verantwortlich ist. „Es gibt ungefähr 20 unterschiedliche Gruppen in denen man sich einbringen kann“, erklärt seine Mitstreiterin Adelgund Schreiber. Besonderer Reiz sei der Zusammenhalt untereinander und das Gemeinschaftsgefühl.

Das sei es auch bei der Vereinsgründung gewesen, was man habe erreichen wollen. „Ammersbek hat unterschiedliche Ortsteile für die wir gemeinsame Aktivitäten anbieten wollten“, erklärt Ploog. Ein Vorhaben, das offenbar erstklassig in die Tat umgesetzt wurde. Da spricht die Mitgliederzahl eine deutliche Sprache. Angefangen hatte alles mit dem Weihnachtsmarkt mit Märchenwald, der noch heute für Begeisterung sorgt und gleich von mehreren der Besucher als einer der Höhepunkte im Jahr angeführt wird. Doch auch Projekte wie die Streuobstwiese, Bienenkörbe oder die Pflanzung von 1000 Bäumen waren neben den regelmäßigen Aktivitäten einige der besonderen Tätigkeiten des Vereins, dem am Anfang auch Skepsis entgegenschlug, die sich aber auch gerade durch solche Aktionen schnell verflüchtigten. Stolz ist man darauf, dass man keine Fördergelder von der Gemeinde kassiere, im Gegenteil. Durch die Gewinne aus unterschiedlichen Veranstaltungen ist es möglich, regelmäßig Spenden zu überreichen. So wurde für die Ausstattung des Saals im Pferdestall gesammelt oder der Jugendtreff unterstützt.

„Zu Beginn kostete die Mitgliedschaft im Jahr 25 Mark, jetzt sind es 12,50 Euro. Das ist stabil geblieben“, erklärt Schreiber. Sie hoffe, dass sich noch mehr Mitbürger motivieren lassen, wieder aktiv mitzumachen. Für Viele ist die Teilnahme an einer Veranstaltung oder einer Aktivität der erste Schritt. Über das Bridge-Spiel seien manche Mitglieder dazugekommen. Andere kämen zum Walken oder Wandern. Seifenkistenrennen, Märchenwald oder auch Kinderfasching sorgen für Unterhaltung bei den Familien.

„Es gibt durchaus auch Helfer, denen wir sehr dankbar sind, die dann nur für bestimmte Veranstaltungen da sind. Allgemein ist es aber – wie überall sonst auch – schwieriger geworden, die Menschen vom Sofa zu bekommen“, sagt Hildegard Müller aus dem Vorstand. „Die Jugend hat heute andere Interessen. Das ist nicht so einfach“, sagt Müller. Mehrere Mitglieder wiesen darauf hin, dass sie glauben, dass die Skat- oder Bridge-Gruppen eines Tages wortwörtlich aussterben werden. Doch man wolle den Kopf nicht in den Sand stecken, denn dafür mache es einfach zu viel Spaß und bringe im Hier und Heute immer wieder tolle Erlebnisse mit sich. Es gebe absolut keinen Anlass , Trübsal zu blasen. „Frührentner oder Rentner, die plötzlich auf dem Sofa sitzen und nicht wissen, was sie machen sollen, das sind für uns ‚junge Mitglieder‘“, stellt Ploog mit einem Lachen klar. „Die Schul- und Berufswelt hat sich so verändert, dass die jüngeren Generationen die Zeit leider neben Familie und Arbeit oft nicht mehr haben. Das lässt sich nicht wegdiskutieren“, erklärt er.

Viele – durchaus auch jüngere – Besucher der kleinen Geburtstagsmesse zeigten sich begeistert vom Angebot, dessen Vielfalt im gesamten Umfang sichtbar wurde. Einige Gäste unterschrieben auch Beitrittserklärungen. „Die Anforderungen und die Gesellschaft haben sich in den vergangenen 25 Jahren verändert. Es sind einfach neue Herausforderungen, aber auch die werden wir meistern“, ist Ploog optimistisch, dass auch der 50. Geburtstag des Bürgervereins noch gefeiert werden wird.


Wer Interesse hat, als Helfer tätig zu werden kann sich unter www.ammersbeker-bürgerverein.de informiere.

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erstellt am 31.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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