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Stormarner Tageblatt

09. Dezember 2016 | 22:27 Uhr

Siek : „Flieger, grüß mir die Sonne!“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Mit dem Motorschirm in die Luft: Diese Form des Fliegens ist die große Leidenschaft von Andreas Bitzer. Was das Hobby kostet, was man braucht und worauf es ankommt, erzählt der 43-Jährige aus Siek.

„Auf einer Feuerwehrleiter habe ich Höhenangst“, sagt Andreas Bitzer, „Fliegen ist etwas völlig anderes.“ Seit zehn Jahren geht der 43-jährige Sieker mit dem Motorschirm in die Lüfte, bis zu 1400 Meter hoch – in einem Stahlgestell mit drei Rädern, einem Sitz und einem 200- Kubik-Motor. Und das ist schon die Luxus-Variante der Motorfliegerei.

„Angefangen haben wir als Rucksackflieger“, sagt Bitzer. Dann trägt man das 30 Kilogramm schwere Stahlgestell mit Motor und Propeller auf dem Rücken, hinten hängt der Schirm und man muss schnell genug laufen, um abheben zu können. „Nach zwei Fehlstarts ist man fertig, einen dritten schafft man dann nicht mehr“, so Bitzer.

Genau so haben er und sein Schwager vor gut zehn Jahren den Motorfliegerschein gemacht, im Ballenstedt im Ostharz. Ohne so ein Patent geht in Deutschland nichts, erst recht nicht in der Fliegerei, die es Bitzer schon immer angetan hatte. „Mit 19 habe ich den Pilotenschein für eine Cessna gemacht. Ich habe das aber auslaufen lassen, weil man für die Verlängerung eine bestimmt Zahl von Starts braucht. Das ist sehr aufwändig und teuer“, erklärt Bitzer.

Motorfliegen ist auch nicht gerade umsonst, „aber mit 10  000 Euro inklusive Flugschein kann es loslegen.“ Wer nicht laufen will, muss noch mal 3000 Euro für ein Trike drauflegen, dann steht dem Vergnügen fast nichts mehr im Wege. Denn den Startplatz – dafür reicht eine Wiese – muss man sich ebenfalls von der Luftfahrtbehörde genehmigen lassen.

Die Erlaubnis ist zudem befristet und wird nur verlängert, wenn sich die Flieger nichts zu schulden kommen lassen. Dazu gehört nicht nur, dass man die Luftverkehrsregeln einhält, auch Anwohner und Natur sollen möglichst nicht beeinträchtigt werden. „Unser Sport lebt davon, dass man tolerant ist und gegenseitig Rücksicht nimmt.“

Auf der Wiese zwischen Hoisdorf und Siek starten neben Bitzer und seinem Schwager noch zwei andere Piloten. „Meistens fliegen wir zu zweit. Das macht mehr Spaß, als alleine unterwegs zu seien“, sagt Bitzer. So ein Motorflieger ist 40 bis 45 km/h schnell, mit Wind entsprechend mehr, gegen den Wind entsprechend langsamer und die 15 Liter Sprit reichen für zwei Stunden. „Bei 25 Stundenkilometer Gegenwind müssen wir nicht mehr in die Luft gehen.“ Regen ist auch so ein Hinderungsgrund für die Leichtfliegerei. „Man ist sehr wetterabhängig und muss Geduld lernen.“ Andererseits ist das Fluggerät schnell aus der Garage geholt, auf den Anhänger verladen und startbereit zu bekommen. Und das zu jeder Jahreszeit. Bei Kälte ist es zudem viel leichter, Höhe zu gewinnen. „Man muss sich aber warm anziehen bei unter Null Grad“, sagt Bitzer, der auch beheizbare Socken und Handschuhe hat.

Vorgeschrieben sind nur das Tragen eines Helms und das Mitführen eines Notfallschirms, der im Fall der Fälle nicht nur den Piloten, sondern ihn samt dem 65 Kilo schweren Fluggerät zur Erde bringen soll. Ein spezielles Navi mit Höhenmesser und Windanzeige ist an Bord, die Routen planen die Piloten aber vorab anhand von Landkarten. Beim Fliegen dienen dann Autobahnen, Flüsse, Schienenstrecken und größere Städte als Orientierung.

Ahrensburg ist allerdings genau wie Hamburg Sperrgebiet für die Flieger, weil es zum Einzugsbereich des Hamburger Flughafens gehört. Nach Neumünster, wo Bitzer Leiter einer Beruflichen Schule ist, könnte er fliegen. Aber über die A  1 und die A  21 ist er mit dem Auto deutlich schneller als mit dem Fluggerät.

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erstellt am 26.Aug.2016 | 15:22 Uhr

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