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Stormarner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 05:45 Uhr

Stormarn : Fähnchen-Aktion: Reicher Kreis – arme Kinder

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Jedes blaue Fähnchen am Ahrensburger Schloss soll auf ein armes Kind hinweisen.

Im reichen Kreis Stormarn leben rund 7000 Kinder in Armut, jedes sechste Kind – „mit dieser Situation können wir ganz und gar nicht zufrieden sein“, sagte Birgitt Zabel, die Vorsitzende des Kinderschutzbunds Stormarn bei der Fähnchen-Aktion am Ahrensburger Schloss. Jeweils am Weltkindertag macht der DKSB-Kreisverband Stormarn auf die Situation der Kinder aufmerksam: Jedes der kleinen blauen Fähnchen steht für ein Kind in Armut. Nicht eingerechnet sind Kinder aus Flüchtlingsfamilien.

„Wir haben keine genauen Zahlen“, sagte Kreisgeschäftsführer Ingo Loeding und schätzt, dass noch einmal eine dreistellige Zahl dazukommt. Loeding kritisiert besonders, dass arme Kinder in den Ferien nicht in den Urlaub fahren können: „Für diese Kinder stellen viele Städte ein Ferienprogramm zusammen, aber die meisten Angebote in Stormarn sind mit Kosten verbunden. In Ahrensburg zum Beispiel kosten 97 von 179 Veranstaltungen Geld, einige davon über 100 Euro.“

Bei den Politikern sei der Kinderschutzbund angesichts der Zahlen auf große Betroffenheit gestoßen, „verändert hat sich aber fast nichts“, machte Ingo Loeding noch auf ein anderes Problem aufmerksam: „Bei den Sozialleistungen für Kinder gibt es eine massive Unterversorgung. Jetzt plant das Bundesarbeitsministerium, bei den Hartz-IV-Leistungen Kinder bis sechs Jahre leer ausgehen zu lassen. Zudem soll der Betrag für Lebensmittel und Getränke abgesenkt werden, von 88,08 Euro auf 82,72 Euro im Monat – das sind pro Tag für Frühstück, Mittagessen und Abendessen plus Getränke noch 2,76 Euro.“

Zusammen mit Kreispräsident Hans-Werner Harmuth, Schirmherr der Stormarner Kindertage, fordern ingo Loeding und Birgitt Zabel unter anderem Hilfsfonds der Kommunen für arme Kinder und Familien, maximal ein Euro Kosten für Mahlzeiten in Schulen, Kindergärten und Horten, genügend kostenfreie Freizeit- und Ferienangebote in den Städten und Gemeinden sowie eine regelmäßige Armutsberichterstattung in den Städten und Kommunen.

In Bad Oldesloe leben 784 von 4413 Kindern in Bedarfsgemeinschaften – 17,7 Prozent. In Ahrensburg sind es 483 von 5438 und nur 8,8 Prozent. Die wenigsten Kinder in Bedarfsgemeinschafen wohnen in Brunsbek, fünf von 324 (1,5 Prozent).

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