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Stormarner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 17:39 Uhr

Stormarner Wochenschau : Erzähl’ mir doch nix vom Storch

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Den einen soll der Kindergartenplatz weggenommen werden, während andere Probleme haben, überhaupt eine Geburtsurkunde zu bekommen. So hat jeder sein Päcklein zu tragen.

Kinderfreundlich

Auch wenn die Geburtenzahl aktuell grade mal wieder leicht ansteigt, der Trend ist eindeutig: Es sterben weit mehr Deutsche, als es Nachwuchs gibt. Da sollte man doch meinen, dass jedes Baby mit offenen Armen empfangen wird. Die Eltern des kleinen Jan Jonas können davon ein Lied singen. Aber es wird kaum eine Lobeshymne.

Das Baby der Bargteheider kam im Rettungswagen zur Welt. Tja, wenn es in Oldesloe noch eine Entbindungsstation gäbe, hätten sie es vielleicht noch rechtzeitig in die Klinik geschafft. Auch so eine Kinderfreundlichkeits-Geschichte. Aber das Team im Rettungswagen hat sein bestes gegeben und so konnte der 47 Zentimeter große und 2850 Gramm schwere neue Erdenbürger gesund entbunden werden. Mutter und Kind sind wohl auf. Glückwunsch an alle Beteiligten!

Aber was dann passierte, ist mit dem aufs heftigste wiehernden deutschen Amtsschimmel noch viel zu positiv beschrieben. Bei einer stationären Entbindung ist in der Regel alles ganz eindeutig: Das Baby kommt zur Welt, die Nabelschnur wird durchtrennt, die Nachgeburt kommt – also ist auch das Standesamt dieses Ortes für die Geburtsurkunde zuständig. Bei einer Entbindung im Rettungswagen ist die Lage nicht ganz so eindeutig. Unzuständigkeit gepaart mit Falschauskünften führten dazu, dass die Eltern von Jan Jonas eine wahre Odyssee hinter sich bringen mussten, um an eine Geburtsurkunde zu kommen.

Zunächst hieß es, die Geburtsurkunde von Jan Jonas müsse dort beantragt werden, wo die Nachgeburt war ... kurz vorm Krankenhaus Barmbek also Hamburg. Mit der Begründung, ne, Hamburg nicht, gab es die Unterlagen im Krankenhaus zurück. Der Ort der Nabelschnurdurchtrennung sei maßgeblich ... also müsste Norderstedt zuständig sei. Auf dem dortigen Standesamt wollte man das aber nicht so einfach glauben und schmiss erst mal den Computer an, um bei Google-Earth zu recherchieren. Ergebnis: Die Bushaltestelle, an der der Rettungswagen für die Entbindung stoppte, liege eindeutig auf Tangstedter Gebiet. Damit wäre das Standesamt Itzstedt zuständig. Die wollten aber auch nicht, denn entscheidend sei angeblich der Ort, an dem das Baby den Rettungswagen das erste Mal verlasse. Also doch wieder Hamburg? Am Ende, nachdem auch noch die Polizei den vermeintlichen „Tatort“ inspiziert hatte, stellte sich raus: Tangstedt ist der entscheidende Ort und damit musste Itzstedt die Geburtsurkunde ausstellen. So viel zum Thema Kinderfreundliche Verwaltung.

Kinderfreundlich II

Die CDU will den Oldesloer Waldorfkindergarten lieber heute als morgen schließen. Angeblich sei die Einrichtung lebensgefährlich. Dagegen sei St. Jürgen ja ein Klacks gewesen. Ah ja. Wir erinnern uns: St. Jürgen, das war mal ein Altenheim am Kirchberg. Dort gab es eine Brandschau mit eindeutigen Auflagen. Die wurden aber über Jahre von der Stiftung mit Horst Möller und Rainer Fehrmann an der Spitze, nicht umgesetzt. Dazu fehlte schlicht das Geld. In der Folge haben die Behörden kürzlich die Notbremse gezogen und die Evakuierung des Heims angeordnet.

Dass Uwe Rädisch (CDU) eine Qualifikation als Brandschutzsachverständiger hat, darf bezweifelt werden. Trotzdem ist für ihn und den Rest der Fraktion klar: Über Sanierung müsse man gar nicht erst nachdenken, schließen, abreißen, neu bauen. Das ist eine Haltung, die eine gewisse Tradition hat. Mit der CDU-Mehrheit wurde seinerzeit der Kindergarten aus den Plänen für den Steinfelder Redder gestrichen. Sanierung der Kita Luftballon? Tut nicht nötig. Inzwischen haben wir beides, einen neuen Luftballon und eine Kita am Redder.

Statt irgendwelche Schreckgespenster an die Wand zu werfen, sollte die CDU mal lieber die Frage aufwerfen: Wie kann es sein, dass mal wieder eine städtische Immobilie dermaßen in den Fokus rückt? Warum hat die Stadt nicht schon längst in den Erhalt ihres Gebäudes investiert? Mit der energetischen Sanierung des Kindergartens (und in dem Zug hätte auch gleich eine Krippe gebaut werden können) sollte eigentlich ein Leuchtturmprojekt in der Vogel-Baum-Siedlung entstehen – als kläglicher Überrest des Quartierskonzepts. Den Eigentümern dort sollte gezeigt werden: Das ist was Gutes, das lohnt sich. Stattdessen kommt das Signal: Bringt alles nix, da hilft nur abreißen. Super.

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 08.Okt.2016 | 08:00 Uhr

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