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Stormarner Tageblatt

09. Dezember 2016 | 20:28 Uhr

Bad Oldesloe : Erste Schritte eines langen Weges

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zwischen Euphorie & Erschöpfung: Gespräch mit Kub-Managerin Inken Kautter über die Startphase des Kultur- und Bildungszentrums.

Seit knapp über einem Monat läuft das Programm im Oldesloer Kultur und Bildungszentrum (Kub). Tageblatt-Mitarbeiter Patrick Niemeier sprach mit Kub-Managerin Inken Kautter über die Startphase.

Wie ist Ihre erste Bilanz, wenn man auf den Start zurückschaut?
Das Erste was mir positiv aufgefallen ist – wenn man jetzt chronologisch zurückschaut – war der Tag nach dem Trubel des Eröffnungswochenendes. Draußen standen schon Schüler der Volkshochschule und der Musikschule. Die Oldesloer Bühne war aktiv und die Musiker von Klngstdt. Das Kub war vom ersten Moment an wirklich lebendig.

Es war bei der Eröffnung geradezu Euphorie zu spüren. Ließ sich dieses Gefühl in die ersten Wochen hineintragen?
Insgesamt ist es ein Zustand zwischen Euphorie und Erschöpfung. Die Veranstaltungen sorgen teilweise für Glücksgefühle. Wie toll es einfach ist, das erste Theaterstück zu sehen, das erste Konzert, das erste Musical, den ersten Film oder das erste Kindertheater – und du weißt bei jeder Sache, dass es ein allererstes Mal ist. Auf der anderen Seite hat die Inbetriebnahme aber beim ganzen Team Spuren hinterlassen. Die Erschöpfung lässt sich nicht leugnen. Die Technik, der Kartenverkauf, die Öffentlichkeitsarbeit – auch das ist alles ein erstes Mal. Wir können auf keine Erfahrungswerte zurückgreifen, müssen neue Wege gehen und schauen wie die Dinge funktionieren.

Gibt es unter den bisherigen Veranstaltungen Dinge, bei denen Sie sagen, dass es sie ohne das Kub nicht gegeben hätte?
Ich weiß, dass es zum Beispiel ernste Theaterstücke wie „Der Weg zum Glück“ oder „A wie Aufklärung“ zuvor in dieser Form nicht gegeben hat. Aber auch das Kindertheater des Monats mit 160 Kindern im Saal ist neu. Dazu kommen Reihen, die es eben an anderen Orten in Bad Oldesloe so nicht gegeben hat.

Gab es in den ersten Wochen Veranstaltungen, bei denen Sie jetzt sagen würde, dass die im Kub nicht funktionieren?
Es ist bisher nichts gewesen, wo ich sagen würde, dass das auch in zehn Jahren hier generell nicht funktioniert. Aber es gibt Veranstaltungen, die die vorhandene Ausstattung deutlich über ihre Grenzen bringen. Man merkt dann, dass so viel Technik dazugemietet werden muss, dass es ein Problem ist. Es gibt Segmente wie Musical oder größere Konzerte, allgemein größere Produktionen, die mit der bisher verbauten Technik nicht ohne viel Zusatzaufwand umzusetzen sind.

Wie ist das Feedback der Künstler, die bisher aufgetreten sind?
Die meisten sind erstmal gerührt, wenn sie erfahren, dass sie zu den Ersten gehören, die hier auftreten. Die Euphorie ist vor allem beim ersten Ankommen immer sehr groß.

Es gab im Vorwege in Bad Oldesloe viele kritische Stimmen, vor allem mit Blick auf die Kosten, die das Kub verursacht hat. Hat sich das relativiert?
Ich weiß, dass sie nicht verstummt sind. Und natürlich ist es so, dass der Betrieb im Kub und das kulturelle Leben, was hier einzieht, noch wächst. Gerade auch für die nachwachsenden Oldesloer wird es sich als Ort bewähren müssen und zeigen, was es kann. Langfristig halte ich es für möglich, dass die meisten Kritiker verstummen, wenn wir das richtige Angebot schaffen.

Es gibt ja hier im Haus ein Zusammenspiel aus hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern sowie externen Veranstaltern, wie gut funktioniert das?
Das läuft immer besser. Bei einigen hat man zu Beginn noch das Abwarten bemerkt. Die Anfragen für das Jahr 2017 sind nun auch von Externen und aus dem Umland mehr geworden. Das Interesse am Gebäude und den Möglichkeiten wächst stetig.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Hauptnutzern?
Die Kooperationen mit den Hauptnutzern laufen großartig an. Wir haben schon direkte Kooperationen mit der VHS, der Musikschule und Klngstdt. Mit der Bühne greifen wir uns mustergültig unter die Arme bei technischer Ausstattung.


Was ist anders eingetreten, als Sie es vor dem Umzug erwartet haben?
Das Zusammenleben mit den anderen Nutzern inklusive des Cafés, das ich positiv hervorheben möchte, ist viel schöner und harmonischer, als es abzusehen war. Negativ ist, dass ich mir das mit dem Abschließen der letzten Arbeiten im Haus einfacher vorgestellt habe. Die Bauphase ist einfach nicht zu 100 Prozent abgeschlossen.


Es finden hier qualitativ hochwertige Veranstaltungen statt, die in anderen Städten in derselben Besetzung deutlich mehr Zuschauer anziehen. Ist das Kub zu unbekannt oder fehlt das kulturinteressierte Publikum?

Den Oldesloern ist teils nicht bekannt, was hier passiert. Die sehen das Gebäude, aber es ist nicht im Bewusstsein, was hier stattfindet. Wir müssen es gemeinsam hinbekommen, dass es selbstverständlicher ist, dass man ins Kub-Programm schaut, wenn man überlegt, was man unternehmen könnte.

Der Leuchtturmeffekt – der im Vorwege zum Teil schon überstrapaziert wurde – funktioniert der oder gibt es ihn überhaupt?
Die Strahlkraft ins Umland ist der zweite Schritt. Wir haben es immerhin geschafft, dass in den ersten vier Wochen über 1000 Oldesloer die Veranstaltungen im Saal besucht haben. Das Umland kommt später.

Was ist denn der Reiz am Job der Kulturmanagerin im Kub?
Einen neuen kulturellen Ort aufzubauen, bedeutet sehr viel. Es ist etwas ganz anderes, als eines von 40  000 Theatern in einer Großstadt zu leiten. Hier ist Pionierarbeit gefragt und dieses große Gebäude soll belebt werden. Es macht wahnsinnig Spaß, etwas bewegen zu können und mit den Bürgern hier vor Ort zu arbeiten.

Was soll die Schlagzeile in unserer Zeitung sein, wenn das Kub seinen ersten Geburtstag feiert?
„Das Kub ist angekommen.“

 

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erstellt am 23.Okt.2016 | 17:31 Uhr

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