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Stormarner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 03:33 Uhr

Bargteheide : Endstation Bahnsteig

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Busse und Bahnen nehmen Behinderte in E-Scootern nicht mehr mit. Die Bahnsteige in Bargteheide sind nur sehr eingeschränkt mit der Rampe an Zügen kompatibel.

Am Bargteheider Bahnhof oder an der Bushaltestelle endet die Mobilität von Andreas Reigbert. Nach einer MS-Erkrankung ist er gehbehindert, und mit seinem Elektro-Scooter hat er kaum eine Chance, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Seit Jahren setzt er sich mit Verve für eine Verbesserung der Situation ein, die auch andere Behinderte betrifft. Es gibt viel Verständnis und gute Worte für ihn, aber geändert hat sich nichts. Im Gegenteil: Busse nehmen keine E-Scooter mehr mit.

Endlose Korrespondenzen mit Ministerien, Selbsthilfegruppen, Verkehrsbetrieben und Verwaltungen liegen hinter ihm. Reigbert ist am Ende seiner Geduld: „Die Situation in Bargteheide ist unerträglich. Ich möchte, dass hier endlich etwas passiert.“ Landesregierung und Politik müssten den Druck auf Bahn und Busunternehmen deutlich erhöhen.

Das Problem: Die Bahnsteige sind nicht zu schmal und zu niedrig. Die Bahn verweist auf den Ausbau der S  4. Vorherige Umbauten seien wirtschaftlich nicht vertretbar. Bis zur Realisierung der S  4 wird aber noch ein Jahrzehnt ins Land gehen. Das Ein- und Aussteigen am Bargteheider Bahnhof ist nur auf dem westlichen Bahnsteig am Gleis 1 eingeschränkt möglich. Dort kann eine Rampe ausgefahren werden, die an einem der Waggons angebracht ist. Reigbert. „Der Mittelbahnsteig ist nach Angaben der Bahn zu schmal.“

Er ist auf das Wohlwollen der Zugbegleiter angewiesen, zuweilen nehmen sie ihn mit. Aber auch an Gleis 1 kann die Rampe nicht richtig ausgefahren werden. „Die Schaffner haben Angst um ihre Rampe, und ich um meinen Scooter“, sagt Reigbert.

Die Bahn hat eine originelle Lösung für ihn parat. Er solle erstmal nach Bad Oldesloe fahren und dann zurück nach Bargteheide mit einem Zug, der an Gleis 1 hält. Oder mit dem Bus zum Bahnhof Ahrensburg. Doch das ist seit diesem Jahr auch nicht mehr möglich. „Es kam eine Anweisung der Betriebszentrale der Autokraft, dass Scooter nicht mehr mitgenommen werden“, so Reigbert. Unverständlich für ihn, da Elektro-Rollstühle weiterhin befördert werden: „Die sind genauso schwer wie mein Scooter“, sagt der Diplom-Politologe kopfschüttelnd.

Verkehrsminister, Kreisverkehrsausschuss und der ehemalige Bürgermeister haben Hilfe angeboten. „Dr. Görtz schrieb mir, er sei deshalb seit Jahren im Gespräch mit der Bahn. Er konnte aber bisher nichts ausrichten.“ Reigbert hofft nun auf das Landgericht Kiel , das am 4. Juli zu Kieler Verkehrsgesellschaft KVG verhandelt.

In erster Instanz hatte die KVG beim Mitnahmeverbot von E-Scootern in Bussen Recht bekommen. Das Urteil wurde vielfach kritisiert, und der „Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter“ klagte dagegen und bekam im Dezember Recht vom Oberlandesgericht Schleswig. Diese Entscheidung ist allerdings vorläufig, das Hauptverfahren wurde ans Landgericht Kiel zurückverwiesen.

Der Bargteheider hofft auf eine positive Entscheidung, die dann auch für Stormarn Gültigkeit hätte. Die Gegenseite argumentiert mit den Sicherheitsgefahren eines solchen Transports. Reigbert führt ein neueres Gutachten der der Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen an, die einen Transport von E-Mobilen unter bestimmten Bedingungen für ungefährlich hält.

Er hat auch eine kostengünstige Übergangslösung für den Bahnsteigs vorgeschlagen: „Man könnte ein Teilstück von sechs bis acht Metern Länge aufpflastern, um den Höhenunterschied auszugleichen.“ Die Antwort der Bahn lautet schlicht, der Bahnsteig sei eben zu schmal.

Für Reigbert, der sich in seiner Mobilität eingeschränkt und damit diskriminiert sieht, ein Skandal. „Meine Eltern und Verwandten leben in Hamburg, wie kann ich sie jetzt besuchen?“ Von der Teilnahme am sportlichen, gesellschaftlichen oder kulturellen Leben ganz zu schweigen.

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