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Stormarner Tageblatt

30. September 2016 | 03:32 Uhr

Bad Oldesloe : Eklatant mehr Einbrüche: Wie machtlos ist die Polizei?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Dreimal so viele Einbrüche im Dezember in der Metropolregion. Wegen der „Gefährdungslage“ bleibt es deshalb bei den Kontrollen.

Die Anfrage der Piraten im Landtag brachte es ans Licht: Die Zahl der Einbrüche in der Metropolregion ist stark gestiegen. In Stormarn waren im Jahresvergleich bis einschließlich November 25 Prozent mehr Taten. Im Dezember explodierte die Einbruchskriminalität: 315 Delikte sind gut dreimal so viele wie im Dezember 2014 (103). Im Kreis Herzogtum Lauenburg gab es im Dezember ebenfalls eine knappe Verdreifachung – von 51 auf 146 Fälle.

Im gesamten Jahr 2015 waren es in Stormarn 1281 Wohnungseinbrüche und Versuche. Das sind fast 50 Prozent mehr als 2014 – und ebenso viele wie im gesamten Bundesland Thüringen. Hauptsächlich betroffen sind die Hamburg nahen Städte und Gemeinden von Ahrensburg bis Reinbek. Innenminister Stefan Studt (SPD) sprach Mitte Januar von „räuberischen Zügen“ organisierter Banden, die vorwiegend vom Balkan kämen und vor allem im Hamburger Speckgürtel ihr Unwesen trieben.

„Unsere Festnahmen bestätigen diese Einschätzung“, sagt Holger Meier, Sprecher der Polizeidirektion Ratzeburg. Aufgrund der Vielzahl der Einbrüche ist die „Gefährdungslage“ in der Metropolregion mittlerweile auch gerichtlich festgestellt. Die juristische Einschätzung der Lage ist Voraussetzung für die Fortsetzung der Anhalte- und Sichtkontrollen.

Den Piraten sind diese „Gefahrengebiete“ ein Dorn im Auge. „Die verdachtslosen Kontrollen taugen weder zur Verhinderung noch zur Aufdeckung von Einbrüchen“, so der Abgeordnete Patrick Breyer. Dafür seien sie auch gar nicht gedacht, sagt Meier: „Es ist nicht der Sinn, Täter auf frischer Tat zu erwischen, sondern Rechtssicherheit für die Beamten auf der Straße zu haben.“ Und mit den Hamburger Gefahrengebieten habe die schleswig-holsteinische Regelung nichts zu tun. Meier: „Wir brauchen für jeden Schritt eine Begründung. Wenn jemand angehalten wird und nicht ins Raster passt, dürfen wir nicht mal die Personalien feststellen.“

Für die polizeiliche Arbeit seien die Kontrollen aber „absolut relevant“, so der Direktionssprecher: „Informationen sind das A und O aller Ermittlungen.“ Die sind bei der Einbruchskriminalität auf eine Sondereinheit mit Sitz in Reinbek konzentriert. „Die Zahl der ermittelten Täter liegt um ein Vielfaches höher als in den letzten Jahren“, sagt Meier. Genaue Zahlen darf er noch nicht nennen. Erklärungen für die immense Steigerung der Taten hat er nicht, „aber es sind viele Versuche dabei. Die Bürger sorgen langsam dafür, dass ihre Eigenheime besser gesichert sind.“

Die Forderung der Piraten, dass die Kontrollen abgeschafft und „besser in gezielte Maßnahmen investiert werde“, hält er für absurd. „Gezielte Maßnahmen – das ist doch genau das, was wir machen“, sagt Meier. Und Ressourcen würden ebenfalls nicht verschwendet, „weil die Regelung für Kollegen im täglichen Dienst einfach nur Rechtssicherheit bedeutet.“

An der trotz Kontrollen und Sonderermittlungsgruppe gestiegenen Zahl von Einbrüchen ändert das allerdings nichts. Und die hohe Zahl ist nichts, was die Polizei gerne nach draußen gibt. 461 Einbrüche und Versuche weist die Statistik für Dezember in Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg aus. In den Pressemitteilungen der Direktion kommt nur ein Einbruch vor, bei dem es eine Festnahme gab.

Die hohe Zahl von Wohnungseinbrüchen war auch Thema beim Besuch des Stormarner SPD-Landtagsabgeordnete Tobias von Pein bei der Zentralstation Ahrensburg, wo er mit dem Leiter Norbert Patzker, Kripo-Chef Ralf Lorenzen und Direktionsleiter Michael Wilksen sprach. Die Kripo leiste eine hervorragende Arbeit, so von Pein: „Die Polizei hat die Einbrecher im Visier, auch wenn die steigende Zahl von Vorfällen alle Beteiligten große Herausforderungen stellt.“

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erstellt am 23.Feb.2016 | 06:00 Uhr

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