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Stormarner Tageblatt

09. Dezember 2016 | 20:30 Uhr

Die Highlander von Sattenfelde : Einfach zum Knuddeln

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Kalb sieht ja so flauschig aus wie ein Teddybär – echt süß. Die Highlander von Sattenfelde haben Nachwuchs bekommen. Weitere Knuddel-Babys werden noch folgen.

„Das Striegeln baut eine persönliche Bindung zu den Tieren auf“, sagt Regina Lange und bürstet Morag sanft über ihr rötlich-zotteliges Fell. Morag ist schottisch und passt daher perfekt zu seiner Namensträgerin – einem Highland Cattle.

Morag lässt ihr Kalb während des Striegelns trinken und scheint Vertrauen zu seiner Besitzerin zu haben. Diese bürstet ganze Wollbüschel aus dem Fell heraus: „Sie verlieren jetzt ihr Winterfell.“ Auf die langen Hörner der Kühe müsse man schon ein wenig aufpassen, so Regina Lange, aber ansonsten seien die Highlander durchaus friedlich und eine ruhige, behäbige Rasse. Vielleicht nicht immer, ergänzt Züchter Rüdiger Lange, denn bei Gefahr könnten die Highlands durchaus 40 km/h spurten – wenn auch nicht auf längere Distanzen: „Da kann kein Mensch mithalten.“

Ein Teil seiner Highlander stehen auf einer 4,5 Hektar großen Weide in Sattenfelde – viel Platz in idyllischer Landschaft. „Man rechnet 1,5 Tiere auf einem Hektar“, erklärt Rüdiger Lange. Es ist die erste Weide, die sich der Züchter vor zwei Jahren gekauft hat. Inzwischen sind weitere 15 Hektar in der Umgebung hinzugekommen, denn die Herde wuchs kontinuierlich von ursprünglich sechs auf heute 24 Tiere – davon drei Kälber vom April dieses Jahres.

„Es ist schwer, Weideland zu finden“, sagt er. Angefangen hatte seine Zucht als Hobby, denn Rüdiger Lange hatte immer mal wieder erwähnt, dass er als Rentner gerne Rinder züchten wollte. Sein Freund Volker Hahn nahm ihn beim Wort und fand schon bald eine passende Weide. „Da konnte ich nicht mehr zurück und habe es bis heute nicht bereut“, erinnert er sich. Sein Hobby sei längst Leidenschaft geworden und die ganze Familie mache mit.

Auch sein Freund Volker Hahn ist mit seiner Familie mit in das Projekt eingestiegen. 2014 kamen die ersten Kälber, in diesem Jahr sind noch fünf Kühe trächtig. „Unser erstes Kalb in diesem Jahr kam in der Nacht zum 6. April und lief am Morgen schon auf der Weide. Nur zwei Stunden später gebar die zweite Kuh“, erinnert sich Regina Lange. Das Gebären gehe bei den Highlandern schnell und unkompliziert. Nur in den seltensten Fällen sei Geburtshilfe nötig. „Die Kälber sind relativ leicht, wiegen zwischen 23 bis 28 Kilogramm und haben kurze Beine. „Das macht die Geburt einfacher“, so ihr Ehemann. Im Vergleich: Ein Kalb einer Schwarzbunten wiegt um die 50 Kilogramm.

Ausgewachsen sind die Highlander allerdings nicht mehr ganz so leicht. Eine Kuh wiegt dann zwischen 550 und 650 Kilogramm, ein großer Bulle bis zu 1000 Kilogramm. Innerhalb von zwei Tagen nach der Geburt bekommen die Kälber ihre Ohrmarken: „Danach kann man sie nicht mehr einfangen.“ Alle Tiere sind registriert, ihre Namen werden in ein Herdbuch eingetragen.

Klar tragen die Highlander schottische Namen wie Maisie, Morag oder Moira. Nicht zu vergessen Zuchtbulle Ferquhard, der direkt aus Schottland, der Heimat der Highlander, stammt. Die rötlich gefärbten Tiere stammen von den weit abgelegenen Hybriden, sind robuste Fleischrinder, die das ganze Jahr über – von einem Unterstand abgesehen – draußen bleiben. Weibliche Tiere tragen den Anfangsbuchstaben der Mutter, männliche den des Vaters. Ein dazu gekauftes Tier heißt allerdings Stine. „Die ist besonders zutraulich“, so Regina Lange.

Stine trottet auf ihren kurzen Beinen ganz nah heran. Ihre Mähne hängt weit über die Augen. Die werde auch nicht geschnitten, die Highlander könnten aber trotzdem hindurchgucken, sagt Rüdiger Lange. Er hofft, dass bei der Zucht irgendwann einmal ein ganz besonderes Tier dazwischen ist. Im vergangenen Herbst hat die Familie Zuchtschauen besucht, um sich ein Bild davon zu machen, welche Kriterien – wie Skelettbau, Bemuskelung und Typ – vorrangig bei Zuchterfolgen sind.

Mit zweieinhalb Jahren werden die Highlander das erste Mal gedeckt – relativ spät also, denn hier geht es nicht um Milchproduktion, sondern um Zucht und gutes Fleisch. Acht Monate laufen sie bei der Mutter. „Das nennt man Muttertierhaltung“, so Lange. Um den Rhythmus einzuhalten, werden die Kühe Ende Mai  /  Anfang Juni gedeckt. So kommen die Kälber im März bis in den Mai zur Welt und nicht über das ganze Jahr verteilt. Die Kuh trägt – fast wie der Mensch – 285 Tage und ist nach der Geburt bereits nach 30 bis 45 Tagen wieder aufnahmebereit.

„Wenn die Kälber im Frühjahr geboren werden, ist die Gefahr von Nabelinfektionen durch Fliegen im Sommer gebannt“, meint Lange. Nur ganz selten werde beim Decken eingefrorener Samen benutzt. Ansonsten lasse man der Natur halt freien Lauf.

Rüdiger Langes Ziel ist es, eine Herde mit zehn bis zwölf Muttertiere n zu halten. Das sei noch überschaubar und würde die Arbeitskraft der beiden Familien nicht übersteigen. Beim Verkauf der Tiere käme schon die eine oder andere Emotion auf, denn man habe doch eine persönliche Bindung aufgebaut. Aber da müsse man durch, sonst dürfe man nicht züchten. Schließlich sei es noch schlimmer, wenn man ein altes Tier zum Abdecker bringen müsse. Rüdiger Lange hat sich mit der Highlander-Zucht einen Lebenstraum erfüllt.

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erstellt am 07.Mai.2016 | 06:00 Uhr

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