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Stormarner Tageblatt

06. Dezember 2016 | 15:10 Uhr

Einfach „kuhl“!

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kunst auf der Kuhweide: Bildhauer Yves Rasch installiert die unendliche Form als Ausdruck des Lebens. Die „Atmung“ (großes Foto) gehört ebenso zu den vielen Kunstwerken des Machers.

Die Werke des Künstlers Yves Rasch stehen in renommierten Galerien in Hamburg, München und Ascona in der Schweiz. Für ein aktuelles Projekt gewann er jetzt tierische Helfer der besonderen Art – eine Herde Kühe, die sich künftig an der Holzskulptur kratzen und sie dadurch entscheidend prägen.

Der Schauplatz ist eine – fast – normale Weide bei Bargfeld-Stegen, wo die Kühe noch in der Sonne grasen. Seit Anfang des Jahres erlangte dieser Boden mit der Installation des Bildhauers Yves Rasch kulturelle Bedeutung. Mit einem Radlader wurde ein Baumstamm etwa 80 Zentimeter tief im Boden verankert. Er stellt eine geschwungene Acht dar, die die Unendlichkeit widerspiegelt und in den Arbeiten des Künstlers wiederholt zu finden ist. „Im Gegensatz zu anderen Formen, die ich nur einmal darstelle, gibt es für die Unendlichkeit keine Beschränkungen“, erklärt der 36-Jährige. „Sie ist wie eine Blume oder ein Grashalm, die immer wieder kommen und trotzdem nicht an Schönheit verlieren.“

Bereits zu seiner Einschulung bekam der begabte Hamburger ein Schnitzmesser geschenkt. Anfänglich ging der Künstler seiner Leidenschaft für Holz und Formen nur als Hobby und parallel zu seinem Magisterstudium der Kulturanthropologie und Erziehungswissenschaften nach. Mit großem Erfolg – mittlerweile kann er von dem Verkauf seiner Werke und dem Angebot eigener Kurse leben.

„Ich erarbeite Formen und Linien, die miteinander in Beziehung stehen. Dabei lasse ich alles Unwesentliche weg, bis die pure, einfache Form übrig bleibt.“ Dies sei eine lesbare Art der Kunst, die bei vielen Menschen auf Gegenliebe stoße. Er empfinde es als pures Glück, von seinem anfänglichen Hobby leben und den gesamten Entstehungsprozess von der Ideenskizze bis hin zum fertigen Objekt verfolgen zu können. Das Atelier in Hamburg-Moorburg befindet sich in direkter Nähe zur Industrie, dem Hafen und der Autobahn, wo niemanden das Geräusch der Motorsäge stört – aber auch neben dem Alten Land.

Rasch: „Wenn ich meine Ohren verschließe, stehe ich direkt auf dem Acker in einer unglaublichen Idylle. Erst bei genauem Hin-




sehen kann man auch das raue Leben hinter meinem Atelier erkennen.“ Die Installation auf der Kuhweide ist das erste Projekt dieser Art. Der Vegetarier war schon immer von der Kraft der massigen Tiere beeindruckt, deren Geruch ihn an seine Kindheit auf dem Dorf erinnert.

Auch von der Weide am Rande von Bargfeld-Stegen war er sofort überzeugt, da das Kunstwerk hier besonders gut zur Geltung komme und sich je nach Betrachtungswinkel verändere. In den nächsten Monaten soll die raue Oberfläche nun von den Kühen durch das Kratzen und Scheuern abgenutzt werden. Dadurch zeige sich das Leben, welches sich ebenfalls durch Einflüsse von außen verändert und mit der Reibung entwickelt, der man es aussetzt.

„Ich bin positiv davon überrascht, wie gut die Kühe den Stamm annehmen“, so der Künstler. „Sie stehen und liegen hier oft ganz nah bei der Figur. Durch diese Freiwilligkeit wird das Ergebnis besonders schön. Dies kann auch auf die Arbeit der Menschen übertragen werden. Wenn wir tun, was wir lieben, dann gelingt es auch.“ In zwei Jahren soll die Skulptur abgeschnitten und in einer Galerie ausgestellt werden: Von einer menschgemachten Form in der Natur zu einem Stück Natur in einem sonst weißen Raum.



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