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Stormarner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 03:33 Uhr

Bargteheide : Eine Tafel erinnert an Siegfried Lenz

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der berühmte, jüngst verstorbene Autor lebte in jungen Jahren in Bargteheide – in einer Dachkammer.

Bisher wussten nur wenige alte Bargteheider, dass einer der berühmtesten Erzähler der deutschen Literatur des vorigen Jahrhunderts in der Stadt gewohnt hat. Vom 23. Mai 1946 bis zum 6. April 1949 lebte Siegfried Lenz im Tremsbütteler Weg 7. Er bezog eine Dachkammer im Haus der Familie Schulz und studierte damals in Hamburg Philosophie, Anglistik und deutsche Literatur. Von der Literaturgeschichte wird er nach dem Zweiten Weltkrieg bisher zumeist gleich in Hamburg verortet.

Das soll sich ändern. Deshalb hat der Verschönerungsverein jetzt eine Tafel im Vorgarten des Schulzschen Hauses aufgestellt. Sie zeigt eine Ansicht des Gebäudes aus der Nachkriegszeit und informiert über den Lebensweg des Schriftstellers, der im vergangenen Jahr gestorben ist.

Der war typisch für viele seiner Generation. Geboren in Ostpreußen wurde er zur Marine eingezogen. Kurz vor Kriegsende desertierte er von einem Hilfskreuzer in Dänemark und geriet in Schleswig-Holstein in britische Kriegsgefangenschaft. Dort arbeitete er dann als Dolmetscher einer Entlassungskommission. Mit seiner Einheit kam er auch nach Bargteheide. „Wir suchten eine Gelegenheit, unsere Wäsche zu waschen“, sagte er in einem Interview, „die Familie Schulz half mir auf liebenswerte Weise.“

Als er sein Studium begann, fand er in Hamburg keine Wohnung. „Die Stadt war zu 60 bis 70 Prozent kaputt. Da erinnerte ich mich an die Liebenswürdigkeit der Familie Schulz und bekam dort ein Zimmerchen unter dem Dach.“ Dieses Zimmer existiert nicht mehr, die Dachgaube verschwand bei einem Umbau des Hauses 1964. Geblieben sind keine Zeugnisse von ihm. „Es gab noch ein vom Holzwurm zerfressenes Bett“, erinnert sich Ingrid Schüler, die Enkelin von Wilhelm und Marie Schulz. Sie hat ihn auch als Erzähler kennengelernt: „Er saß mit der Pfeife auf unserem Sofa.“

In Bargteheide begann er, die Grundlagen für seine Karriere zu schaffen. Neben dem Studium volontierte er bei der „Welt“ und wurde Feuilleton-Redakteur. Er freundete sich mit dem gleichaltrigen Sohn Fritz Schulz an und wurde im Sportverein aktiv. „Er war Außenläufer in der Handballmannschaft“, erinnert sich Klaus Andresen. Schon damals soll er erwartet haben, ein namhafter Schriftsteller zu werden. Er hielt lange Kontakt nach Bargteheide. 1968 kam er für eine Lesung für den Kulturring, außerdem wurde er Pate von Rolf-Dieter Schulz, dem Enkel seiner Gastgeber.

In zwei Werken nimmt er Bezug auf Bargteheide. In der Novelle „Landesbühne beschreibt er das damalige Dorf als „verheißungsvollen Ort“. Etwas ausführlicher beschreibt er in einem Text von 1969, wie er in einem Wald zwischen Bargteheide und Tremsbüttel eine Hütte baute. Angeregt dazu hatte ihn das Buch „Walden“ von Henry David Thoreau, das einen alternativen und kärglichen Lebensstil beschreibt.

Allerdings wurde sein 1951 entstandener zweiter Roman „Der Überläufer“ erst postum in diesem Jahr veröffentlicht. Der Verlag lehnte das Werk damals ab. „Es gibt Gerüchte, der damalige Lektor sei ein ehemaliger SS-Mann gewesen“, sagt Stadtarchivarin Hannelies Ettrich. Sie hat sich mit Historiker Günther Bock ausführlich mit Lenz befasst. Die Anregung für die Tafel kam von der Deutschlehrerin Japke van Tuinen, die am Bargteheider Eckhorst Gymnasium unterrichtet hat. Sie trug den Wunsch an den Bürgermeister heran. In Zusammenarbeit mit dem Verschönerungsverein und dem Stadtarchiv wurde er jetzt verwirklicht.






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