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Stormarner Tageblatt

27. September 2016 | 17:30 Uhr

Ein Zeichen gegen Rassismus

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Opfer des rechtsextremistischen NSU-Terrortrios im Mittelpunkt einer Ausstellung an der Anne-Frank-Schule

Sie waren ganz normale Menschen mit ihren Plänen und Träumen vom kleinen privaten Glück in Deutschland. Harmlose Mitbürger. Viele Opfer des rechtsextremistischen NSU-Terrortrios besaßen auch einen deutschen Pass. Sie stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung, die jetzt in der Bargteheider Anne-Frank-Schule gezeigt wird. Hier werden sie wieder in ein menschliches Licht gerückt.

Denn für die ermittelnden Behörden bestand lange Jahre der Verdacht, die Opfer seien in Rauschgiftgeschäfte oder Schutzgelderpressungen verwickelt. Für die Angehörigen war das wie ein zweiter Schlag. „Elf Jahre lang durften wir nicht einmal reinen Gewissens Opfer sein“, sagte Semiya Simsek, die Tochter des ersten Ermordeten. So lange habe sie als Tochter eines Drogendealers gegolten. Birgit Mair hat mit den Angehörigen gesprochen und aus den Informationen eine Ausstellung konzipiert. Dafür darf sie auch exklusiv private Fotos der Opfer und ihrer Familien verwenden. In Bargteheide führte Leonhard F. Seidl, Lektor des Begleitbands, die Schüler gestern in die Ausstellung ein. „Zwei Monate vor der Aufdeckung der NSU-Morde hat er in einem Roman bereits auf die Problematik der V-Männer hingewiesen“, so der stellvertretende Schulleiter Joachim Stolzenberg.

„Heute ist der zehnte Jahrestag, an dem Mehmet Turgut in Rostock erschossen wurde“, begann Seidl, „heute wird dort ein Denkmal für ihn eingeweiht.“ Ein Freund schilderte Turgut als den nettesten Menschen, den er je gekannt hatte. Doch die Polizei habe stets nur in Richtung organisierter Kriminalität ermittelt. Die rechte Gewalt geriet nicht in ihren Fokus. „Seit 1990 sind ihr 184 Menschen zum Opfer gefallen“, sagt Seidl. Er kritisiert auch die Verengung des Blickwinkels auf nur drei Einzeltäter: „Es gibt ein riesiges Unterstützernetzwerk.“

Auch die Rolle der V-Leute sei fragwürdig. „Sie sind zum größten Teil überzeugte Neonazis und erhalten Tausende von Euro für ihre Arbeit“, sagt Seidl. Das meiste Geld werde dann für den Aufbau rechtextremer Strukturen verwendet. Auch der Verfassungsschützer, der sich unmittelbar vor einem Mord im Internet-Café aufhielt, sei eine fragwürdige Figur: „In seiner Wohnung wurden abgetippte Auszüge aus Hitlers „Mein Kampf“ gefunden.“

Die Ausstellung wird noch bis morgen gezeigt. Schüler aus dem zwölften Jahrgang führen die achten bis zehnten Klassen, sie haben sich im WiPo-Kurs darauf vorbereitet. Wer sich informieren möchte, kann daran teilnehmen. Die Führungen werden heute bis 16 Uhr und morgen bis 13 Uhr organisiert. „Wir wollen damit ein Zeichen gegen Rassismus und Intoleranz setzen“, sagt Stolzenberg.

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erstellt am 25.Feb.2014 | 14:15 Uhr

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