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Stormarner Tageblatt

23. April 2017 | 07:36 Uhr

Reinfeld : Ein Kaleidoskop der Kneipen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Sonderausstellung im Reinfelder Heimatmuseum: Von Flossen-Fritz und Backen-Paul bis hin „Zum blutigen Knochen“.

Im Volksmund wurde die kleine Kneipe in der Nähe des Bahnhofs einfach nur „Frikadellen-Puff“ genannt. „Warum? Das bleibt wohl ein Geheimnis“, schmunzelt Museumsleiterin Anja Rademacher und wundert sich über den Einfallsreichtum der Karpfenstädter bei der Namensgebung für die Kneipen und Gaststätten der Karpfenstadt. Und davon gab es noch bis vor 20 Jahren jede Menge – oft mit wechselnden Besitzern und Namen. Wer kennt sie noch: Die Gaststätte „Zum blutigen Knochen“ oder die legendären Wirte „Flossen-Fritz“ vom Altdeutschen Hof an Bahnhof, der dort seine Gaststätte bis in die 1980er Jahre hinein betrieb, oder gar an „Backen-Paul“, der sich als Kneipenwirt in der ganzen Umgebung einen Namen machte?

„Zum blutigen Knochen“ wurde in den 50er und 60er Jahren das heutige Forsthaus Bolande – früher auch die Waldhalle „Zum alten Ziethen“ – genannt. Dort kam es wegen allzu gegensätzlicher Weltanschauungen unter den jungen Männern am Wochenende grundsätzlich zu heftigen Schlägereien. Wahrscheinlich hatten sie zu viel getrunken.

Die historische Sonderausstellung „Reinfelder Kneipen und Gaststätten“ lässt diese und viele andere Geschichten wieder lebendig werden. Zusammengetragen hat sie Museumsleiterin Anja Rademacher in mühevoller Arbeit binnen sieben Monaten. Auf die Idee brachte sie ein alter Schulfreund ihres Vaters. Heino Lübschow wanderte zwar in den 60er Jahren nach Skandinavien aus, besucht aber heute noch regelmäßig mehrmals im Jahr seine Heimatstadt Reinfeld und trug einiges zur Ausstellung bei.

Der Holsteinische Hof war das erste Haus am Platz. Wirt Siegfried Kirner konnte in seinem Gästebuch so illustre Gäste wie Roy Black, Günter Willumeit oder Starkoch Rainer Sass verzeichnen. Da, wo heute das über 100-jährige Rathaus steht, vergnügten sich die Reinfelder vor 1907 in der Kneipe „Zum Nordpol“. Die älteste Gaststätte ist wohl die „Alte Bierquelle“ direkt am Herrenteich.

In der legendären Milchbar, gegründet von Claus Witt und bis zum endgültigen Aus im Jahre 2014 von Ernst Witt und später von seinem Sohn Michael geführt, wurde nicht nur das Mönchshofer Landbier ausgeschenkt, vorzügliches Eis selbst hergestellt (und das heute noch), sondern auch fleißig im großen Saal Kino geguckt. Großvater Carl Witt führte zuvor die Lichtspiele Bebensee im ehemaligen Kurhotel – da wo heute das Rettungszentrum steht – bevor er die Milchbar und die Reinfelder Lichtspiele gründete. An der Tür zum großen Saal des Kurhotels prangte der Schriftzug „Schaue vorwärts, nicht zurück, neuer Mut ist Lebensglück“.

Anja Rademacher erinnert sich noch an die Gaststätte „Zum Hasenkrug“, die sich an der B 75 in Richtung Bad Oldesloe großer Beliebtheit erfreute. Wer kennt noch das „Loxodrome“ – eine Pinte, in der das legendäre Getränk „Hiddy Hiddy“ ausgeschenkt wurde. Eine gefährliche Mischung aus Jägermeister und Pernod? Die Ausstellung bietet ein Sammelsurium an alten Fotos, Erinnerungsstücken aus urigen Kneipen und lässt längst geschlossene Lokalitäten wie den Altdeutschen Hof, das Lokal „Zur gemütlichen Ecke“, das bekannte Hotel Stadt Hamburg wieder aufleben, vergisst aber nicht die Traditionshäuser Kalkgraben – gegründet im 18. Jahrhundert und immer noch fest in Familienhand, oder das Restaurant Rhodos, das sich seit über 30 Jahren großer Beliebtheit erfreut. „Mir haben alle Reinfelder Gasstätten sehr bei der Zusammenstellung geholfen“, betont Rademacher. Ein Kaleidoskop also aller Kneipen und Gasthäuser der Karpfenstadt. „Leider geht die Anzahl der Kneipen spätestens seit 2001 kontinuierlich zurück“, bedauert sie, „Der Bierkonsum ist rückläufig, die Leute haben weniger Geld, und vor allem junge Leute haben andere Interessen.“

>Die Ausstellung „Reinfelder Kneipen und Gaststätten“ im Heimatmuseum, Neuer Garten, wird am Sonntag, 23. April, um 10 Uhr von Bürgermeister Heiko Gerstmann bei einem Bier-Umtrunk und in Kneipen-Atmosphäre eröffnet. Sie ist bis zum 17. Dezember immer sonntags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Eintritt frei.

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erstellt am 18.Apr.2017 | 06:00 Uhr

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