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Stormarner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 17:47 Uhr

Reinfeld : Ein Engel auf Reisen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Für 6000 Euro aus Spendengeldern wird der historische Taufengel der Matthias-Claudius-Kirche restauriert und gereinigt. Restauratorin Catherina Staiger präpariert die Fehlstellen, damit sie beim Transport nicht abplatzen.

Für Marlies Stolp ist es die letzte Amtshandlung als Mitglied des Kirchengemeinderates der evangelischen Kirchengemeinde. Sie begleitete die Kirchensanierung 14 Jahre lang. Nun lässt sie sich nicht mehr als Kandidatin bei der Kirchenwahl im November aufstellen, bleibt der Gemeinde jedoch als tatkräftige Unterstützerin erhalten.

Nach der Kirchen-, Glocken- und Turmuhr-Sanierung, die sie und ihre Helfer mit zahlreichen Aktionen wie die „Talente rund um die Kirche“ mit Spenden unterstützten, ist die Restaurierung des Taufengels aus dem Jahre 1776 die letzte große Aktion. „Wir haben lange warten müssen, aber jetzt ist es endlich soweit: Der Engel geht auf Reisen“, freut sie sich, dass der stark angeschlagene Holzengel, der über dem Taufbecken ein Blickfang bei jedem Gottesdienst ist, bald wieder in neuem Glanz erstrahlen wird.

Der grelle Scheinwerfer zeigt es ganz deutlich: Der Taufengel ist arg in die Jahre gekommen. An vielen Stellen – wie an den Flügeln, am Oberschenkel und am Zeige- und Mittelfinger – blättert die Farbe ab. Restauratorin Britta Butt von der Lübecker Firma Butt nennt dies „Fehlstelle“. Gemeinsam mit Gemälde- und Skulpturenrestauratorin Catherina Staiger pinselt sie die Fehlstellen mit einer speziellen Schicht ein, auf der feines Japanpapier befestigt wird. So werden die defekten Stellen beim Transport geschützt und können nicht abplatzen“, erklärt Staiger. Der Holzengel ist außerdem stark verschmutzt und muss dringend in der Werkstatt mit kleinen Wattedrehern gereinigt werden. Für die neue Farbschicht werden Proben genommen, bevor die Farbe auf die Fehlstellen aufgetragen wird. Schließlich soll der Taufengel nach der Restaurierung im Aussehen der Originalfarbe, einem abgetönten Weiß, sehr nahe kommen.

Ganz wird das wahrscheinlich nicht gelingen, weil die Originalfarbschicht nach der Restaurierung im Jahre 1936 bereits erneuert wurde. „Bei der letzten Restaurierung 1981 fehlte sogar ein Arm, und mehrere Finger waren beschädigt“, so Butt. Ursprünglich hing der Taufengel am Altar, später in der Nähe der Orgel. Erst 1894 bekam die Matthias-Claudius Kirche einen Taufstein, über den der Engel dann seinen endgültigen Platz bekam.

„Mitte des 18. Jahrhunderts hatten Taufengel ihre Blütezeit, im 19. Jahrhundert war diese aber auch schon wieder vorbei“, erklärt die Restauratorin. 1936 ist der Engel wahrscheinlich auf dem Dachboden des Pastorats verschwunden und wurde erst 1981 wiederentdeckt und erneuert. Er ist ein Werk des Lübecker Bildhauers Diedrich Jürgen Boy, der auch die Lübecker Puppenbrücken-Figuren und den Taufengel in der Hamberger Kirche geschaffen hat.

Die Kosten der Instandsetzung belaufen sich auf rund 6000 Euro. „Das Geld dafür haben wir“, so Stolp. Finanziert wird die Sanierungsaktion durch Spenden wie die Einnahmen aus dem Talente-Fest im vergangenen Jahr, sowie einen Zuschuss des Kirchenkreises. Hinzu kommen noch die Einnahmen durch einen Basar am ersten Advent anlässlich der Kirchenwahl. Britta Butt verspricht: „Der Taufengel wird zum Weihnachtsfest auf jeden Fall wieder in Reinfeld sein.“ Sie rechnet sogar schon Ende November mit dem Abschluss der Arbeiten.

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erstellt am 26.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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