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Stormarner Tageblatt

02. Dezember 2016 | 23:27 Uhr

Ahrensburg : Drogen an Minderjährige – Bewährung für den Dealer

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein Oldesloer hatte Gras und Amphetamine an Jugendliche verkauft oder verschenkt. Dafür wurde er vom Ahrensburger Schöffengericht jetzt verurteilt.

Mit mindestens einem Jahr Haft hatte ein 31-jähriger Stockelsdorfer zu rechnen, weil er Drogen an Minderjährige verkauft hat. Sein Glück war, dass es nur geringe Mengen waren und sich die Zeugen in Widersprüche verwickelten. Die Strafe wurde vom Schöffengericht in Ahrensburg aber auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Die Vorwürfe der Anklage hatte der Dealer zu Beginn der Verhandlung eingeräumt.

Die jüngste „Kundin“ war erst 13 Jahre alt, als sie vom Angeklagten Amphetamin kaufte. „Zweimal war das“, sagte sie jetzt aus: „Ich habe jeweils 20 Euro bezahlt.“ Das geschah im Herbst vergangenen Jahres, als C. noch in Bad Oldesloe wohnte. Ja, sie habe mit C. auch über ihr Alter gesprochen. Was sie ihm dazu gesagt hatte, habe sie aber vergessen. Sie habe schon vorher Amphetamine konsumiert, gibt sie zu.

Der zweite Zeuge ist heute 15 Jahre alt, hat große Erinnerungslücken. Er habe kein Marihuana von C. gekauft. Das verwundert den Vorsitzenden Richter: „Lügt der Angeklagte dann? Er hat es doch zugegeben.“ Darauf räumt der Zeuge ein: „Er hat mir zweimal ein Gramm umsonst gegeben, das habe ich auch vor der Polizei ausgesagt.“ Der Richter blättert in den Vernehmungsakten.

Er sei auch nie in der Wohnung von C. gewesen, über sein Alter habe man nicht gesprochen, so der Zeuge. „Ich habe C. nur zwei bis dreimal getroffen.“ Warum der Angeklagte ihn dann als Kumpel bezeichnet habe, fragt der Richter. „Ich würde ja gern was dazu sagen, aber ich kann mich nicht erinnern“, lautet die Antwort. Die 14-Jährige bestätigt hingegen, dass sie den Zeugen mehrfach in der Wohnung von C. angetroffen habe.

„Ich denke, er wollte mir nicht schaden“, kommentiert C. diese Aussagen. Der Lagerist hat nur einige Geldstrafen wegen Schwarzfahrens in seinem Strafregister. Im vergangenen Jahr sei er arbeitslos gewesen, inzwischen habe er wieder einen Job. „Ich war süchtig nach Marihuana und Amphetamin“, gibt er zu. Konsumiert habe er aber nur am Wochenende: „Zehn Gramm Amphetamin und fünf Gramm Gras, ich wollte nicht abgleiten.“ Er sei dabei, den Konsum zu reduzieren, nur einmal monatlich nehme er jetzt Drogen. Von der Szene habe er sich durch seinen Umzug gelöst.

Wie er als Hartz 4-Bezieher denn solche Mengen finanziert habe, will der Richter wissen. Da sei eine logische Lücke. „Ich habe mit anderen zusammengeschmissen und so günstiger gekauft“, sagt C. Außerdem habe er sich Geld geliehen.

In Verdacht war er durch die Handy-Auswertung aus einem anderen Verfahren geraten. „Bei der Hausdurchsuchung war der Drogenspürhund etwas irritiert“, sagt eine Kripo-Beamtin, „denn die Wohnung war sehr unaufgeräumt und vermüllt.“ Auch C.s Handy wurde ausgewertet, es gab Hinweise auf Drogenhandel. Elf Anzeigen wegen Betäubungsmittelkonsum wurden so eingeleitet. „Die meisten erschienen nicht zur Vernehmung, was ja ihr gutes Recht ist“, sagt sie, „die Verfahren sind meist eingestellt.“

„Drei Fälle von Drogenhandel haben sich bestätigt, ein Gewinn daraus aber nicht“, sagt die Staatsanwältin. Die „Kunden“ hätten allesamt schon vorher Drogenerfahrungen gehabt. Sie plädiert deshalb auf einen minderschweren Fall. Ein Jahr Gefängnis sei die Mindeststrafe für die Abgabe an Minderjährige. „Der Gesetzgeber sieht das als besonders verwerflich an.“ Schwerwiegender als Cannabis sei aber das Amphetamin

Das Gericht folgt ihrem Plädoyer, verhängt dazu eine Geldstrafe von 300 Euro und die Weisung zu vier therapeutischen Gesprächen und an einen Bewährungshelfer „Damit haben wir ein deutliches Zeichen gesetzt“, sagt der Richter. Der Angeklagte habe seine altersbedingte Autorität gegenüber den Jugendlichen ausgenutzt. Anders als der Kauf sei die Abgabe an Jugendliche ein Verbrechen. „Jugendliche unter 18 Jahren sollen nicht zum Drogenkonsum verführt werden“

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