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Mordfall Bargteheide : Dramatische Minuten – Zeugen berichten

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zweiter Verhandlungstag im Mordprozess gegen Sven S. (35). Der Angeklagter will sich nun doch nicht äußern.

Zweiter Tag am Schwurgericht Lübeck im Prozess gegen Sven S. (35). Die Verhandlung beginnt mit der Frage des vorsitzenden Richters Christian Singelmann, ob der Angeklagte sich heute, wie angekündigt, zum Tathergang äußern wolle. Der 35-Jährige verneint und fordert Prozessunterbrechung. Er ist mit seinem Pflichtverteidiger nicht einverstanden. Der Richter weist den Angeklagten in die Schranken: „Sie haben hier gar nichts abzubrechen!“, die Verhandlung geht weiter.

Sven S. – Bodybuilder, grüner Jogginganzug, Kopf kahlgeschoren, an beiden Armen tätowiert – wird sodann mit dem von ihm am Tattag abgesetzten Notruf konfrontiert, in dem er mitteilt, seine Freundin getötet zu haben.

Dem mehrfach wegen häuslicher Gewalt und anderer Delikte vorbestraften 35-Jährigen wird vorgeworfen, seine ehemalige Freundin Svea T. ermordet zu haben. Staatsanwalt Niels-Broder Greve wirft ihm Heimtücke und Handeln aus niederen Beweggründen vor – beides Kriterien für Mord. Die Tat, die am 12. August 2016 in der Wohnung des Angeklagten in einem Mehrfamilienhaus an der Alten Landstraße in Bargteheide begangen wurde, hatte öffentliches Aufsehen und große Anteilnahme erregt. Das 28-jährige Opfer, das im Restaurant des Erdbeerhofes Glantz arbeite, war beliebt.

Warum Sven S. seine ehemalige Freundin, der er auch nach der Trennung nachstellte, so dass sie eine einstweilige Verfügung gegen ihn erwirkt hatte, unter Vortäuschung falscher Tatsachen in seine Wohnung lockte und mit drei Schüssen niederstreckte, dann den Notruf wählte und flüchtete, muss das Gericht jetzt klären.

Als erste Zeugin sagte eine Bargteheider Polizeibeamtin aus, die mit dem SEK die Wohnung des Angeklagten stürmte. Man habe angenommen, dass der mögliche Täter sich noch in der Wohnung befinde, habe ihn aber nicht vorgefunden, stattdessen direkt hinter der Haustür die Leiche von Svea T. gefunden. Ihr Kollege habe die Frau erkannt, weil er mehrmals wegen häuslicher Gewalt gerufen worden war.

Eine Nachbarin, die über Sven S. wohnte, sagt aus, dass aus der Wohnung unter ihr dauernd Streitereien und laute Schreie zu hören gewesen seien. Da das Haus hellhörig sei, habe sie am Tattag mitbekommen, dass eine Person die Treppen hinaufgestiegen sei. Vorher sei die Wohnung eine Woche leer gewesen, weil sie in dieser Zeit keinerlei Geräusche gehört habe. Die Haustür sei aufgeschlossen worden, gleich darauf sei ein lang anhaltender Schrei einer Frau erklungen. Danach folgte laut der Mitbewohnerin eine „Totenstille“, bevor es zwei bis drei Mal laut knallte. Die Zeugin sagt, sie habe die Geräusche nicht als Schüsse identifizieren können. Sie sei ins Treppenhaus getreten und habe direkt hinter der Haustür ein Stöhnen und immer leiser werdendes Röcheln gehört – nach ihrer Schätzung wohl eine halbe Stunde lang.

Daraufhin habe sie die Polizei drei Mal angerufen und dabei festgestellt, dass das Mietshaus bereits von Einsatzkräften umstellt gewesen sei. Aus dem Küchenfenster habe sie den Angeklagten schnellen Schrittes weggehen sehen und sich gefragt, warum die Polizei immer noch nicht das Haus betreten habe, obwohl sie bereits den Türöffner gedrückt habe. Heute mache sie sich Vorwürfe, dass sie nicht schon viel eher die Polizei gerufen habe.

>Der Prozess wird fortgesetzt am 9. März um 9 Uhr.

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erstellt am 06.Mär.2017 | 06:00 Uhr

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