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Stormarner Tageblatt

04. Dezember 2016 | 13:20 Uhr

Bad Oldesloe : „Diese Arbeit wird sehr geschätzt“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Nach der offiziellen Amtseinführung als Krankenhaus-Seelsorger steht Pastor Wolfgang Stahnke im Interview Rede und Antwort

Er ist für Patienten, Angehörige und Mitarbeiter in der Asklepios-Klinik Bad Oldesloe da: der Krankenhaus-Seelsorger. Im Gottesdienst im Foyer der Klinik hat Erich Faehling, Propst im Kirchenkreis Plön-Segeberg, Pastor Wolfgang Stahnke offiziell in sein Amt eingeführt. „Ich wünsche Ihnen, ihren Lieben und allen, mit denen Sie zusammenarbeiten, Gottes Segen“, so Faehling, „wir gehen hier an die Grenzflächen des Lebens und versuchen, gemeinsam mit den Menschen Krisen auszuhalten und nach Möglichkeit zu bewältigen“, betonte der Propst die Bedeutung der Stelle.

Als Krankenhaus-Seelsorger ist Stahnke Ansprechpartner mit Zeit. Oft vermitteln Mitarbeiter den Kontakt zu Patienten, er ist aber auch direkt ansprechbar. Jeweils am letzten Sonntag im Monat feiert Stahnke mit seiner Klinik-Gemeinde im Foyer einen Gottesdienst. Bei seiner Einführung berichtete er von viel positiver Rückmeldung: „Die Arbeit wird im Krankenhaus sehr geschätzt – auch von den Mitarbeitern und der Klinik-Leitung.“

Stahnke, der in Göttingen, Heidelberg und Hamburg Theologie studierte, hatte zurvor die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises geleitet. Davor war er in der Kirchengemeinde Bargfeld-Stegen tätig. Der 54-Jährige ist schon seit einigen Monaten in der Asklepios-Klinik tätig und wurde jetzt offiziell eingeführt. Er ist auch beauftragt, den Beitrag des Kirchenkreises zu Notfallseelsorge in den Kreisen Segeberg und Stormarn zu organisieren. Außerdem ist er weiterhin Pastor für Vertretungsdienste in der Propstei Segeberg – er hilft also dort in Kirchengemeinden aus, wo Stellen unbesetzt oder Pastoren länger erkrankt sind. Stahnke ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach der Einführung stand der Klinik-Seelsorger im Interview Rede und Antwort.

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Pastor Stahnke, wie sieht für Sie der Alltag als Krankenhaus-Seelsorger aus?
Krankenhaus-Seelsorger zu sein, das heißt in erster Linie über die Stationen zu gehen und die Menschen aufzusuchen. Ich begegne Mitarbeitern als jemand, der nicht im Zeit-Diktat ist, der einfach fragt, wie es geht, der sich dann erzählen lässt, was bei ihnen anliegt. Dann frage ich auch die Mitarbeiter, ob sie Kranke wissen, die traurig sind oder bei denen sie denken, dass ich da mal vorbei schauen könnte.

Welche Sorgen haben Menschen im Krankenhaus, mit denen Sie sprechen?
Es gibt bei ihnen einerseits das Gefühl von Ohnmacht. Die Menschen sind in einer Situation, die sie nicht in der Hand haben. Sie wissen manchmal nicht, was auf sie zukommt, auch wenn Ärzte Auskunft geben, so gut sie können. Das Leben liegt aber eben nicht nur in unserer Hand. Das ist besonders zu spüren, wenn man krank ist.


Was sagen Sie Leuten, die todkrank sind?
Ich sage dazu zunächst einmal gar nichts, sondern versuche zuzuhören. Ich frage die Menschen nach ihrem Befinden. Manchmal erzählen sie, was sie haben. Dann entwickelt sich ein Gespräch über das Leben und die Endlichkeit. Aber meistens ist der Wunsch zu leben ganz stark. Viele Sterbende wollen über das Leben reden.

Sind Sie als Pastor in der Klinik erkennbar?
Ich trage ein kleines Namensschild, bin aber sonst nicht pastoral angezogen – also ohne Schlips und Kragen. Die Menschen, mit denen ich rede, liegen oft im Flügelhemd vor mir. Zwischen uns wäre eine unerträgliche Distanz.


Gibt es Rückmeldung zu Ihrer Arbeit?
Ja, ich kann sagen, dass diese Arbeit im Krankenhaus sehr geschätzt wird – auch von den eigenen Mitarbeitern. Ich bin manchmal auch so etwas wie ein Stellvertreter der Pflegekräfte, die gerne auch so intensive Gespräche führen würden, aber dafür halt keine Zeit haben. Auch die Klinik-Leitung unterstützt die Arbeit.

Herr Stahnke, Sie sind Beauftragter für die Notfallseelsorge in der Propstei Segeberg des Kirchenkreises Plön-Segeberg. Was ist Ihre Aufgabe?
Mein Auftrag ist es vor allem, den Beitrag des Kirchenkreises zur Notfallseelsorge in den Kreisen Segeberg und Stormarn zu organisieren. Das bereite ich im Moment vor. Wir werden Stück für Stück vorgehen. Wir müssen uns dafür mit den Leitstellen vernetzen. Zunächst wollen wir im Kreis Segeberg beginnen. Wir stimmen uns gerade mit den anderen beiden Kirchenkreisen, der katholischen Kirche und den Hilfsorganisationen ab, die schon jetzt in der Notfallseelsorge aktiv sind.



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erstellt am 27.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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