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Stormarner Tageblatt

28. Mai 2016 | 04:03 Uhr

Bad Oldesloe : Die schwere Suche nach dem Kino-Retter

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kulturschaffende und Filmfans sind sich einig: Das Kino darf nicht sterben. Aber wie soll das geschehen?

Die Kreisstadt hat eine stolze Kinogeschichte. Drei Lichtspielhäuser hatte Bad Oldesloe einst zu bieten: das Hansakino, das Thalia und den Saal im alten Hotel „Zur Krone“. Zuletzt waren es nur noch drei Leinwände im von Heinz Wittern geführten Oho-Kino. Doch auch die sind nun seit August 2015 dunkel. Mittlerweile ist Wittern im Kampf um das Kino nicht mehr allein. Das zeigte sich am Freitag, als rund 70 Mitbürger auf dem Marktplatz für den Erhalt des Oho-Kinos demonstrierten (wir berichteten). Dazu aufgerufen hatte Walter Albrecht, der dankbar war, über die die gekommen waren, um „ein klares Zeichen zu setzen“.

Die Frage, die im Raum stehen blieb, war: Wie geht es weiter? Albrecht betont, dass es primär um die kulturelle Einrichtung gehe, nicht um Einzelpersonen. Wobei aber trotzdem nicht vergessen werde dürfe, was Heinz Wittern alles auf den Weg gebracht habe von seiner Mitgliedschaft in der Gemeinschaft Oldesloer Kaufleute bis hin zu Marktplatz- und Kurpark-Kino. „Jetzt können wir ihm helfen“, so Albrecht unter dem Applaus der Demo-Teilnehmer.

All das waren schöne Gesten und Solidaritätsbekundungen, aber Lösungen gab es auch Freitag nicht. „Oldesloe hat schon zu viele Einrichtungen verloren. Wir müssen dagegen angehen“, betont Albrecht. Das Problem ist aber , dass es sich bei dem Kino um einen privatwirtschaftlichen Betrieb handelt, dessen Betreiber Insolvenz anmelden musste. In Bargteheide konnte mit Hilfe der Stadt das insolvente „Kleine Theater“ gerettet werden. Ein Beispiel, das auch Albrecht anführt. Doch der Unterschied zum Oho-Kino ist, dass sich das Bargteheider Kino-Gebäude in städtischem Besitz befindet und an die Kulturschaffenden verpachtet wird. Würde die Stadt das Kino von Wittern – beziehungsweise via Insolvenzverwalter – aufkaufen, wäre die Situation ähnlich. Doch dieser von vielen Kinofreunden präferierten Möglichkeit hat Bürgermeister Tassilo von Bary bereits eine Absage erteilt. Die Stadt werde nicht als Kinobetreiber in Erscheinung treten. Bad Oldesloes Kulturmanagerin Inken Kautter, die an der Demonstration teilgenommen hatte, sieht das ähnlich: „Die ganzen Rahmenbedingungen müssen geklärt sein. Das ist der erste Schritt. Noch sind da viele Fragezeichen. Über die Wichtigkeit als kulturelles Angebot müssen wir aber nicht diskutieren“, so Kautter, deren Eltern sich in Bad Schwartau in einem kommunalen Kino engagieren. Die Stadtverwaltung hatte bereits deutlich gemacht, dass für ein jahrelang erfolgreich, kommerziell betriebenes Kino, eine Kulturförderung eigentlich nicht in Frage kommt.

Demo-Initiator Walter Albrecht fände es trotzdem gerechtfertigt, dass die Stadt sich jetzt finanziell engagiert, egal wie diese Förderung betitelt wäre. „Wir leisten uns das KuB, das Travebad oder den Kunstrasenplatz. Dinge, die ich auch fürsehr wichtig für die Stadt halte. Dann sollten wir uns auch ein Kino leisten“, sagt er.

Kinobetreiber Wittern selbst hatte unter anderem darauf gesetzt, dass der Verein „Wir für Bad Oldesloe“ einen „Runden Tisch“ einrichtet. Der stellvertretende Wir-Vorsitzende, Armin Andres, sagte am Rande der Kundgebung jetzt, dass sich der Verein nach ersten Gesprächen zunächst nicht weiter einbringen könne. Andres: „Es ist erstmal ein privatwirtschaftliches Problem. Bevor man über weitere Konzepte nachdenken kann, muss ganz klar sein, wie überhaupt die ganze Situation ist, welche Optionen es gibt.“

In den sozialen Netzwerken des Internets wird kontrovers über die Zukunft des geschlossenen Kinos diskutiert. Das Spektrum reicht von Programmkino über Veranstaltungszentrum bis hin zu Familienkino mit Fördervereein.

Wittern selbst lud nach der Marktplatz-Kundgebung Interessierte zu Popcorn in die Räume seines Kinos ein. Unter anderem wurde dort über die Summe gesprochen, die benötigt wird, um den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Ein Unterstützerkreis ist in Gründung. „Die Homepage dazu ist noch nicht ganz fertig geworden“, sagt Wittern, der weiter auf der Suche nach Sponsoren oder Mitbürgern ist, die Ideen haben, wie man an das notwendige Geld kommen könne. Erst wenn die finanzielle Zukunft oder die Rolle eines Investors geklärt ist, lohnen sich Konzepte wie Kino-Club, ein Förderverein oder andere Aktivitäten langfristig. Wittern: „Ich bin kein großer Redner, aber ich danke allen, die auf den Marktplatz gekommen sind und allen, die mit um den Erhalt des Oldesloer Kinos kämpfen.“

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erstellt am 29.Feb.2016 | 06:00 Uhr

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