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Stormarner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 17:47 Uhr

Bypass-OP statt Geburtstagsfeier : Die Rückkehr ins Leben

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Karl-Heinz Föste hat mehrere Herzinfarkte überstanden und gibt jetzt seine Erfahrungen anderen weiter.

Alles begann nach einem stressigen Termin: Auf der Rückfahrt von einer Besprechung bekam Karl-Heinz Föste (57) Herzrasen, ein Druckgefühl in der Brust : „Es presste mich direkt in den Autositz.“ Erst nach vier Jahren voll mit Arztterminen beim Hausarzt, Orthopäden und schließlich Kardiologen stellte sich heraus: Das war sein erster Herzinfarkt.

Da die Symptome nach Ende der Fahrt abklangen, ging Föste nicht gleich zum Arzt. Erst viel später als Herzrhythmusstörungen auftraten und er sich sehr schlecht fühlte, wurde er im Kernspin untersucht, bekam erst Stents und schließlich einen Bypass. Seine Erlebnisse hat er in seinem Buch „Wenn das Herz nicht mehr Schritt hält“ aufgearbeitet. Das Besondere: Das Buch ist mit medizinischen Informationen eines Kardiologen und eines Psychologen ergänzt und bietet somit neben dem authentischen Bericht eines Betroffenen fachliche Informationen rund um die Krankheit.

Fölste beschreibt, wie es zum Herzinfarkt kam, wie er die einzelnen Stationen seiner Krankheit erlebte und wie er nach der Reha zurück in den Alltag fand. Die Voraussetzungen für einen Herzinfarkt waren die Üblichen: Stress im Job, dazu ein Ehrenamt, Familie, Kinder. Ein hoher Blutdruck und Blutfettwerte waren die Folge. „Ich versuchte, mit Fahrradfahren dagegen zu steuern, aber das allein reichte nicht“, so Föste.

Seinen 50. Geburtstag behält er wohl für immer in Erinnerung: Eigentlich sollte gefeiert werden, aber es ging ihm so schlecht, dass er zum Arzt ging, der ihn sofort in die Uniklinik nach Hamburg zur Bypass-OP einwies. „Es war kurz vor einem nächsten Infarkt“, weiß er heute. Es folgte die Reha: Schmerzen, Anstrengung: „Man denkt, man wird nicht wieder.“ Stückweise geht es nach drei Monaten zurück in den Beruf. Zwei weitere kleinere, zunächst unbemerkte Infarkte folgten noch. Stress versucht Föste heutzutage in Grenzen zu halten, was nicht immer gelingt: „Was ich mache, möchte ich ordentlich machen.“ Zum Ausgleich geht er viel spazieren, in der Natur fühlt er sich gut aufgehoben. „Ich gehe buchstäblich dagegen an und zwar zu Fuß“, scherzt er. Durch Reize kann der Körper neue Gefäße bilden, hat er gelernt und diesen Effekt bei sich im Katheterlabor auch schon gesehen. „Das gibt Hoffnung, man kann selbst was tun.“

Überfordern darf sich Karl-Heinz Föste jedoch nicht. Er merkt bis heute schnell, wo seine Grenzen liegen: „Bei Treppen und längeren Strecken bekomme ich manchmal Brustenge und Atemnot, bin schnell erschöpft“, sagt der 57-Jährige. Zum Ausgleich schreibt Föste Geschichten und Gedichte, siegte neulich beim ersten Poetry Slam im Kulturzentrum Kotten am Sieker Berg.



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