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Stormarner Tageblatt

27. Juni 2016 | 04:21 Uhr

Bad Oldesloe : Die Mängelliste des Feuerwehrchefs

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bad Oldesloes Ortswehrführer Kai-Uwe Gatermann kritisiert Stadtverwaltung und Politik.

Da musste Kai-Uwe Gatermann doch mal etwas Luft ablassen und deutlicher werden. „Es nervt, ständig über Feuerwehrausrüstung reden zu müssen. ‚Müssen es wirklich 1500 Euro für die Schutzkleidung sein? Geht es nicht auch billiger?‘ Nein, es geht nicht billiger. Der tödliche Unfall eines Feuerwehrmanns in Marne hat doch deutlich gezeigt, wie wichtig die beste zugelassene Kleidung ist“, so der Ortswehrführer. Natürlich sei jedem klar, dass angesichts der Größe der Wehr nicht sofort alle gleichzeitig mit neuen Jacken ausgestattet werden könnten. Gatermanns Kritik richtet sich in dem Fall an die Politik. Die Aussagen seien allgemein. Aktuell gebe es kein Projekt, bei dem es hake.

Die Kritikliste des Feuerwehrchefs umfasst aber noch mehr Punkte. Beispielsweise die Zusatzversicherung für Feuerwehrleute. „Natürlich sind wir versichert“, stellt Gatermann klar: „Aber es geht noch besser.“ Wenn sich ein Feuerwehrmann im Dienst das Knie verletze, aber eine Vorschädigung hat, die sich im Alltag nicht bemerkbar mache, zahle die normale Versicherung nicht. „Es gibt Zusatzversicherungen, die eben alles abdecken“, erklärt der Hauptbrandmeister: „Jahrelang kann es gut gehen. Erst wenn was passiert, hast du die Probleme.“ Andere Kommunen seien da weiter.

Stichwort EDV. Die Feuerwehr ist zwar neu ausgestattet worden. „Leider funktioniert die Anlage bis heute nicht vollständig“, bemängelt Gatermann. „Ohne EDV sind wir tot!“, macht er die Brisanz deutlich. Ob es um die Prüfung der Atemschutzgeräte oder die automatisierte Statusmeldung eines Fahrzeugs gehe – ohne Computer läuft nichts.

Auch über die Informationspolitik der Stadt ließ sich der Wehrführer kritisch aus. „Ich habe den Eindruck, alle anderen wissen, wo die Stadt eine neue Flüchtlingsunterkunft errichtet, nur bei der Feuerwehr kommt es zuletzt an“, so Gatermann. Dabei sei die Information extrem wichtig. Gatermann: „Wenn eine Unterkunft mit 100 Flüchtlingen brennt, muss gleich eine zweite Drehleiter aus Bargteheide alarmiert werden, die Wehr in Reinfeld und ein Großeinsatz für den Rettungsdienst. Das kann ich aber nur bei der Leitstelle hinterlegen, wenn ich es weiß. Sowas braucht Vorlauf, das geht nicht auf Zuruf.“

Der amtierende Bürgermeister Horst Möller ist von der Kritik aus der Feuerwehr überrascht. „Wenn Politik nicht mehr nachfragen und diskutieren darf, läuft etwas falsch“, nimmt er die Abgeordneten-Kollegen in Schutz: „Wir reden in den Ausschüssen manchmal über sehr viel kleinere Summen.“ Die Forderungen aus der Wehr seien in der Regel nicht unfair oder überzogen, „aber das Recht nachzufragen, muss Politik einfach haben.“ Das Versicherungsproblem sei sofort geklärt worden. „Hier haben alle genug mit den Flüchtlingen zu tun. Dann bleibt sowas mal zwei oder drei Wochen liegen. Das ist zwar Mist, lässt sich aber doch lösen“, so Möller. Er macht eine klare Ansage: „Die Mängelliste wird abgearbeitet. Aber es lohnt nicht, deswegen jetzt einen Krieg anzuzetteln, wer woran Schuld hat.“

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 28.Jan.2016 | 06:00 Uhr

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