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Stormarner Tageblatt

04. Dezember 2016 | 21:25 Uhr

Die harte Schule auf vier Pfoten

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Vier Stormarner Jäger und fünf Jägerinnen bringen derzeit ihre vierbeinigen Jagdgenossen zur Meisterschaft. Im Oktober werden unter anderem ein Flat Coated Retriever, ein Ungarisch Drahthaar, mehrere Labradore und Weimaraner in 36 Fächern in Wald, Flur und Wasser geprüft. Hier hat Hündin Dalmar ihre Scheu vor dem Fuchs überwunden. Auch angeschossene Füchse müssen appertiert werden. Ein Gebot des Tierschutzes ist es, dem Wild unnötige Qualen zu ersparen.

Die Jäger im Kreis Stormarn stellen ihre Arbeit im Stormarner Tageblatt und im Markt vor. Teil 4 der Serie zu Jagd und Wild beschäftigt sich mit der Jagdhund-Ausbildung.

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Es ist eine harte Prüfung“, weiß Torsten Seehaase. Der Todendorfer ist Jagdhundausbilder der Stormarner Kreisjägerschaft. Seine zwei- und vierbeinige Gruppe im Todendorfer Forst begleitet er schon seit der Welpenschulung und der Jugendsuche. In einem Alter zwischen einem halben und einem knappen Jahr legen die künftigen Jagdhunde ihre Anlagenprüfung ab. Auch die Herbstzucht- beziehungsweise Brauchbarkeitsprüfung hat der Ausbildungsgang schon gemeinsam absolviert.

  Drei Jahre dauert das Training – so lange, wie eine Meisterausbildung. Auch andere Stormarner Jäger bereiten sich derzeit darauf vor. „Bei der Prüfung wird den Hunden eine Spitzenleistung abverlangt“, weiß Seehaase. Zwei Tage lang sind Hund und Hundeführer dann im Einsatz. Das ist für beide auch körperlich sehr anspruchsvoll.

 „Die Jagd ist ein Handwerk und kein Hobby“, betont Bettina Merl. Seit vielen Jahren geht sie zur Jagd und ist im Verband der Stormarner Jäger sehr engagiert. Ihr Ungarisch Drahthaar Dalmar ist ihre dritte Hündin, die sie zur Jagd ausbildet. Sie wurde extra aus einem bekannten Budapester Zwinger geholt.

 Hartwig Witter, der mit Hennessy seinen ersten Hund zur Jagd ausbildet, räumt ein: „Das hätte ich mir nicht so vorgestellt.“ Die Ausbildung im Team ist einmal die Woche, gearbeitet wird aber jeden Tag an Gehorsam und jagdlichen Aufgaben. Aber Spaß mache es dem Ahrensburger, keine Frage, er komme aus einer jagdlichen Familie. Hennessy verdankt seinen Namen einzig seiner Farbe und nicht einer Vorliebe seines Herrchens für Cognac.

 Grit Grien-Krey geht dem Ausbilder an diesem Übungstag zur Hand. Die Hundeführerin legt mit einem toten Hasen eine Fährte ins Unterholz. Dabei hat sie das Tier an einem Band und lässt es von Zeit zu Zeit über den Boden streichen. Das ist alles, was der Hund zur Orientierung bekommt. Wie Hasen schlägt sie Haken, der die Hunde „mit tiefer Nase“ folgen sollen. Die Nase dicht am Waldboden zeigt, dass der Hund der Spur nachgeht und nicht einer Routine. Schweißhunde – Schweiß meint in der Fachsprache der Jäger das Blut der angeschossenen oder angefahrenen Wildtiere – werden oft nach Verkehrsunfällen mit Wildschaden angefordert, um ein schwer verletztes Tier waidmännisch zu erlösen.

 Die nächste Aufgabe ist „Fuchs über Hindernis“. Torsten Seehaase verwendet für die Apportierübung zum einen echte Füchse, zum anderen so genannte Apportel, Dummys, die an einen schicken Pelzkragen erinnern, aber gefüllt sind bis zum Lebendgewicht eines Fuchses. Das können vier Kilo sein. Geübt im Apportieren zeigt sich dennoch bei mehreren Jagdhunden ein Unwille, den Fuchs in die Schnauze zu nehmen. Frauchen hat bei der Arbeit mit dem toten Raubtier Gummihandschuhe an. Der Gehorsam wird auf eine harte Probe gestellt.

 Immer wieder fordert Bettina Merl ihre Dalmar auf: „Such den Fuchs.“ Auch Cora, Snorri und Lilly sträuben sich, ehe sie mit Fuchs den Sprung über den Graben antreten. Dalmar glaubt, es nun geschafft zu haben und lässt den Fuchs fallen. Auch das lässt Bettina Merl nicht durchgehen. Erst nach korrekter Übergabe der Beute gegen ein Leckerli ist die Aufgabe erfüllt. Noch wichtiger als die Wurst ist die Zuwendung der Hundeführer.

 Am Abend vor dem Übungstag hat Torsten Seehase die Schweißspur eines Rehs über eine etwa 400 Meter lange Distanz durch das Unterholz gelegt. Bettina Merl legt Dalmar ein Schweißgeschirr an, das die Zugkraft des Tieres mildern soll, und lässt sie an der langen Leine laufen. Geht der Schweißhund mit erhobenem Kopf, ist das ein Zeichen, dass er der Spur nicht folgt. Ein Hase in seiner Sasse kann ihn abgelenkt haben. Der Wald ist voll mit Düften von allerlei Getier. Dalmar hat die Nase vorn, die Führung hat aber immer der Mensch. Das Gespann ist mit einem ordentlichen Tempo unterwegs, dennoch ist kein Anflug von Hast zu spüren.

 Die letzte Aufgabe des Tages ist das Bergen einer Wildente aus einem Teich. Das klappt bei Snorri und Dalmar wie eine Eins, auch wenn Maren Schliekermann ihrer Flat-Coated-Retriever-Hündin auch den Weg um den Teich herum zugetraut hätte. Die nasse Ente kann wieder eingepackt werden, der nasse Hund bekommt seinen Platz im robusten Auto.  „Wir arbeiten hier im Team“, sagt Torsten Seehaase. Das heißt nicht nur, dass Hundeführer Fährten für die Tiere der anderen legen. Die Teilnehmer der Ausbildung motivieren sich gegenseitig.

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erstellt am 11.Jul.2016 | 15:31 Uhr

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