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Stormarner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 03:33 Uhr

50 Jahre Oldesloer Bühne : Die bewegten 70-er Jahre

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Mehr als ein halbes Jahrhundert Theaterspiel – davon zeugt auch das umfangreiche Archiv des Vereins, das zur Zeit bei Heike Gräpel zu Hause aufbewahrt und gut gepflegt wird.

Die Oldesloer Bühne feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Mehr als ein halbes Jahrhundert Theaterspiel – davon zeugt auch das umfangreiche Archiv des Vereins, das zur Zeit bei Heike Gräpel zu Hause aufbewahrt und gut gepflegt wird. Die Vereinsvorsitzende hat für das Stormarner Tageblatt Geschichten, Anekdoten und Fotos aus der Theatergeschichte heraus gesucht. Heute: Die 1970er Jahre.

1971 entfesselte die Komödie „Die blaue Henriette“ wahre Stürme der Heiterkeit auf der Thalia Filmbühne, so dass das Stück in der Stormarnhalle nochmals gespielt wurde. Auch ein Laienspiel aus Finnland wurde im evangelischen Gemeindehaus am Rümpeler Weg aufgeführt. Die Oldesloer Bühne hatte nämlich eine finnische Laienspielgruppe eingeladen, das Stück „Die Flammen“ zum Besten zu geben.

 Siegfried Sussalla wurde im April 1971 neuer Vorsitzender, zum neuen Spielleiter Student Claus Cummerow gewählt. Er war als eifriger Laienspieler des Theodor-Mommsen-Gymnasiums bekannt. Das Stück „Duell um Aimée“ wurde in der Thalia Filmbühne aufgeführt und im Schaufenster des Kaufhauses Gebrüder Petersen wurden die Kostüme für das Stück als Werbung ausgestellt. So arbeiteten früher schon die Bühne und die Geschäftsleute in Bad Oldesloe eng zusammen. In der Komödie spielten Jutta Schneider, Willi Nossol, Richard Lieske und Claus Cummerow, einer der ersten Mitglieder der Oldesloer Bühne. Am Ende konnten die Zuschauer mit den Darstellern über das Stück diskutieren.

Im Dezember 1971 gab es dann eine außergewöhnliche Premiere, denn die Oldesloer Bühne führte zum ersten Mal ein Weihnachtsmärchen auf, dass Grimmsche Märchen „Rumpelstilzchen“. Die damals elfjährige Doris Ackermann spielte die Hauptrolle. Bei der Generalprobe stolperte Doris unglücklich und verletzte sich am Bein. Die Aufführungen aber hielt sie tapfer durch.

Alle Theateraufführungen fanden bis 1971 in der Thalia Filmbühne statt, bis sie 1973 geschlossen wurde.










Deshalb musste die Oldesloer Bühne mit ihren Aufführungen umziehen und fortan in die Turnhalle der Stadtschule ausweichen. Damit schien aber das Publikum nicht einverstanden zu sein und so sank die Zuschauerzahl immens. Auch mit einem Eintrittspreis von lediglich drei oder vier DM konnte das Publikum nur schwer in eine Turnhalle gelockt werden.

Die 29 aktiven Mitglieder des Vereins wollten darum jährlich vier bis sechs Stücke auf die Bühne bringen. Ein praller Terminkalender und sogar finanzielle Opfer hielten die theaterbegeisterten Amateure nicht von ihrem Hobby ab. „Cowboys, Quiddjes und Matrosen“, ein Lustspiel mit Musik, wurde 1972 mit großem Erfolg nicht nur in Bad Oldesloe, sondern sogar in Bremen aufgeführt.

Im Dezember 1972 wurde viel über den Neubau der Festhalle an der Grabauer







Straße diskutiert. Der damalige Bürgermeister Gottfried Baethge wollte einen Verein gründen, der Veranstaltungen plant, koordiniert und durchführt. Laut Statistik hatte die Oldesloer Bühne bisher 31 abendfüllende Stücke insgesamt 116 Mal aufgeführt mit einer durchschnittlichen Zuschauerzahl von 194 zahlenden Gästen pro Vorstellung. Die Stadt versprach, die Oldesloer Bühne für diese beachtenswerte Leistung für das Kulturleben stärker zu fördern. Die Oldesloer Bühne feierte im März 1973 ein buntes Kappenfest in der Neritzer Gaststätte „Zur schönen Aussicht“ unter dem Motto „Lachen ist gesund“.
Die neue Oldesloer Stadthalle, die heute Festhalle heißt, startete im Jahr 1973 mit





großen Namen in die Theatersaison.
Der im Juni 1973 gegründete Theater- und Konzertverein hatte bereits über 160 Mitglieder, die bevorzugt Plätze in der Halle bekamen, bevor der Vorverkauf für Veranstaltungen begann. Gäste wie Horst Tappert, Karl-Heinz Schroth, Günter Lüders oder Götz George zogen die Oldesloer ins Theater. Das Gestühl war bequem und auch die technische Ausstattung war optimal.

Die Oldesloer Bühne musste hingegen weiterhin in der Veranstaltungshalle der Stadtschule spielen. Durch einen großzügigen Beschluss des Magistrats der Stadt durfte die Oldesloer Bühne am 1. Dezember 1973 das erste Mal und mit einem Weihnachtsmärchen in der Festhalle spielen. „Aschenputtel“ war bereits das dritte Weihnachtsmärchen der Oldesloer Bühne, die es trotz Energiekrise auch in Reinfeld, Mollhagen, Sülfeld, Todendorf und Kaltenkirchen aufführen wollte. Nicht nur die Kinder spielten begeistert mit. Auch zwei echte Tauben begleiteten Barbara Denert als Aschenputtel.

Im Frühjahr 1974 fragte die Oldesloer Bühne: „Wer möchte gerne in seiner Freizeit Theater spielen?“ Die zunehmenden Besucherzahlen und die Kartennachfrage bewiesen, wie gut und richtig selbst im Zeitalter „des Fernsehens“ die Arbeit der Amateurbühnen ist. Ein behagliches Wohnzimmer bietet keinen Ersatz für das „lebendige Spiel auf der Bühne“.

Theaterarbeit ist solide Handwerksarbeit, bei der es gilt, gut gearbeitete Einzelteile sinnvoll und geschickt zusammen zu führen um es dann erfolgsversprechend für den Zuschauer zu einem Erlebnis zu führen. Dennoch gab es auch viele offene Fragen und Probleme. Insbesondere die hohen Kosten der Festhallenbenutzung stellten den Verein auf eine harte Probe. Man überlegte sogar, die Aufführungen wieder in die Stadtschul-Turnhalle zu verlegen.

Außerdem musste auch ein neuer Kulissenraum gesucht werden. Bisher hatte die Oldesloer Firma August Ernst der Oldesloer Bühne eine kostenfreie Unterkunft in der Schützenstraße geboten. Diese sollte nun abgerissen werden. Gesucht wurde deshalb ein etwa 60 bis 70 qm großer Raum, der aber nicht mehr als 50 Mark im Monat kosten durfte.

Mit Blasmusik und Lustspiel begeisterten das Jugendorchester Concordia und die Oldesloer Bühne in der Stormarnhalle das Publikum, alles stand unter dem Motto: „Partnerschaft ist eine Herzenssache“.


     Fotos: Oldesloer Bühne





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