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Stormarner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 12:48 Uhr

Ahrensburg : Die Beichte des Tanzlehrers

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Angeklagte gesteht seine Schuld ein und wird zu 27 Monate Haft ohne Bewährung verurteilt. die Jugendhilfe spricht von mangelhafter charakterlicher Haltung und stellte keine positive Sozialprognose.

Am vierten Verhandlungstag gestand der Tanzlehrer aus Ahrensburg seine Schuld ein. Ja, er habe mit mindestens drei Mädchen im Alter zwischen zwölf und 13 Jahren sexuellen Verkehr gehabt. Es sei einvernehmlich und geschützt geschehen (wir berichteten). Dafür verurteilte das Jugendschöffengericht ihn wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu zwei Jahren und drei Monaten Haft ohne Bewährung. Zuvor drehte sich vieles um das genaue Datum, wann das geschah. Dabei ging es um das Alter zur Tatzeit und ob der heute 23-Jährige noch unter Jugendstrafrecht fällt. Das wurde in einer Verständigung zwischen Verteidigung und der Staatsanwältin schließlich akzeptiert.

Dann packte zunächst der Anwalt des Angeklagten aus: „Mit einer Minderjährigen hatte er je drei Mal Oralverkehr in der Hamburger Tanzschule und in seiner Wohnung, dort ein Mal auch Geschlechtsverkehr.“ Bei zwei weiteren Minderjährigen kam es nur zum Zungenkuss, mit einer dritten auch zum Geschlechtsverkehr. Alle lernte er durch seinen Beruf als Tanzlehrer kennen.

Er war bei den Mädchen sehr beliebt, einige wechselten sogar aus einer Hamburger in eine Ahrensburger Tanzschule, nachdem er in Hamburg die Kündigung erhalten hatte. Als bereits gegen ihn ermittelt wurde, bat er die Mädchen flehentlich, darüber zu schweigen. Der 23-Jährige pflegte intensiven Kontakt zu seinen Schülerinnen mit E-Mails und SMS, obwohl seine Chefin das verboten hatte.

Hartnäckig machte er auch nach einem ersten Gerichtstermin weiter, wo er bereits ermahnt wurde. Auch eine Mutter hatte die Beziehung zu ihrer minderjährigen Tochter entdeckt und ihn verwarnt. Dennoch setzte er den Kontakt fort.

Was den Vorsitzenden Richter besonders erboste, waren die Zumutungen der Prozessaussagen für die Zeuginnen: „Für sie war diese Scham eine Katastrophe für ihr Weiterleben.“ Das habe der Angeklagte selbst in den Verhandlungen erlebt. Der Angeklagte habe bis heute nicht kapiert, welch schweres Leid er ihnen angetan habe. Sein Handeln sei eine schwere Belastung für deren künftiges Sexualleben. Ein frühzeitiges Geständnis hätte ihnen viel Leid erspart und zu einer milderen Strafe geführt. Auch deshalb sah der Richter eine besondere Schwere der Schuld und schädliche Neigungen beim Angeklagten.

Auch der Vertreter der Jugendgerichtshilfe malte kein positives Bild des Angeklagten, der unreif sei: „Es gibt keine positive Sozialprognose für ihn, seine charakterlich Haltung ist mangelhaft.“ Es sei mit weiteren Straftaten zu rechnen, es gebe keine Bewährungsgründe. Ein vernünftiger Lebensplan sei nicht zu sehen, so die Staatsanwältin: „Er hat keine Ausbildung und keine berufliche Perspektive.“ Für ihn seien die Mädchen nur Mittel zur sexuellen Befriedigung gewesen, tiefe Gefühle habe er ihnen nur vorgegaukelt.

Nach der Mittleren Reife absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr, das er abbrach, um eine Ausbildung als Tanzlehrer zu machen. Auch die brach er nach zwei Jahren ab, weil er das Geld dafür nicht mehr zahlen konnte. Seinen letzten Aushilfsjob verlor er vor kurzem, weil seine Taten durch Zeitungsberichte bekannt wurden. Er lebt heute von der Hilfe durch seine Familie.

„Männliche Wesen über 18 Jahre haben keinen sexuellen Kontakt zu Minderjährigen zu pflegen“, brachte der Richter es auf den Punkt. Das sei eine der schwersten Straftaten unseres Gesetzes.


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