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Stormarner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 16:46 Uhr

An der Autobahn A1 : Der Pleite-Berg kommt weg

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Landwirte atmen auf: Sand- und Schutthalde findet bei Willinghusen auf der A1 neue Verwendung.

„Ich habe die Hoffnung, dass wir alles bis zum Jahresende hinbekommen, auch wenn es mit dem Geld schwierig wird“, sagt Sönke Behnk. Der Steensrader ist der am meisten von der Betam-Pleite betroffenen drei Landwirte, auf deren Äckern die insolvente Baufirma ihre Schuttberge hatte liegen lassen. Auf Behnks ehemaligem Acker waren Steine gebrochen und Beton gemischt für den Bau der Autobahn A1 worden.

Die Genehmigung für die Nutzung der Flächen für den Autobahnbau hatte seinerzeit der Kreis Stormarn erteilt, mit der Auflage, sie am Ende wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen. Rechtlich wären dazu die Landwirte verpflichtet gewesen. Ihnen sprang der damals amtierende Landrat Klaus Plöger zur Seite, der in Kiel und Lübeck mächtig Druck machte.

„Ohne die Hilfe des ehemaligen Landrats wäre das alles nicht so gekommen“, sagt Landwirt Albert Stapelfeldt, „aber dann haben alle an einem Strang gezogen.“ Dazu gehört die Idee, für den Bau der Lärmschutzwälle zwischen dem Autobahnkreuz Ost und Barsbüttel Boden von den Lagerflächen in Steensrade zu nehmen. Proben hatten im Frühjahr gezeigt, dass große Teile der Sandberge aus unbelastetem, so genanntem Z  0-Boden besteht, der auch in einem Wasserschutzgebiet benutzt werden darf.

Heute beginnen die Arbeiten in Willinghusen. Für den Abtransport von 15  000 bis 20  000 Kubikmetern Boden wird voraussichtlich ab 22. August die rechte Spur der Autobahn A1 in Höhe Meddewade/Rethwisch für fünf bis sechs Werktage gesperrt.

Im Frühjahr war man davon ausgegangen, dass sich auf den Lagerplätzen 180  000 Kubikmeter befinden würden, die abgefahren werden müssen. Dafür hätten die Bankbürgschaften nie ausgereicht, die sich der Kreis und die Landwirte in den Verträgen hatten eintragen lassen. Mitte März zahlte der Insolvenzverwalter das Geld aus, eine sechsstellige Summe für den Kreis Stormarn, eine fünfstellige bei den Landwirten.

Zum Glück für die Landwirte hatte man sich bei den Mengen x-fach verrechnet, und in Barsbüttel könnte sogar mehr Sand verarbeitet werden als in Steensrade verfügbar ist. „Wir sind guter Dinge, dass die Plätze zum Jahresende geräumt sind“, sagt Stapelfeldt.

Auch Sönke Behnk hofft darauf, hat aber mit mehr Unwägbarkeiten zu kämpfen. Auf seiner Fläche war der Boden mit Recycling-Kies verdichtet worden, um dort die Brechanlage zu betreiben. Er hat sich ein Unternehmen gesucht, das den Boden und das Material von seinem Grundstück abholt und es im Straßenbau einsetzt. „Es wird ständig abgefahren. Niemand kann kalkulieren, ob es am Ende finanziell aufgeht, aber im Moment sieht es positiv aus“, sagt Behnk.

Der Lärmschutzwall an der A  1 bei Willinghusen wird auf der Westseite 300, auf der Oststeite 700 Meter lang. Die Erdarbeiten sollen Anfang November beendet sein, danach werden die Lärmschutzwände auf den Wall gestellt, der eine Höhe von fünf bis sechs Metern hat.

Der Verkehr wird auf drei verengte Spuren an der Baustelle Baufeld vorbei geführt. Im Dezember sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Den Auftrag in Höhe von 1,3 Millionen Euro hat der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr in Lübeck an die Strabag AG aus Neustadt vergeben.

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erstellt am 08.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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