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Stormarner Tageblatt

05. Dezember 2016 | 17:34 Uhr

Trittau : Der Minister kommt und der Chef spricht Klartext

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer bekam beim Besuch des Fenster- und Türenbetriebs Lantz einiges zu hören. „Was Vorschrift ist, ist nicht immer sinnvoll“, klagte der Unternehmer.

Hoher Besuch in Trittau bei der J. Lantz Fenster und Türen GmbH: Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer kam zu einem Besuch in den 1972 gegründeten Familienbetrieb, der von Jörn Lantz in zweiter Generation geführt wird. Der Minister geht einmal im Jahr auf Tour, um sich ein Bild von der Bandbreite der Betriebe und deren Probleme zu machen.

„Ich möchte reinhören, wo der Schuh drückt“, sagte der Minister. Und da hatte Jörn Lantz einiges zu berichten. An erster Stelle: Schwierigkeiten mit der Bürokratie in mehreren Bereichen. Ob es um die Zertifizierungen seines Betriebs geht (Lantz ist pefc- und fsc-zertifiziert), die sehr kompliziert sind, um Sicherheitsbestimmungen, die neben einem Brandschutzbeauftragten auch einen Leiterbeauftragten fordern, oder die Vorschriften bei einem Unfall. Das seien zum Teil nicht nachvollziehbare Vorschriften, die das Alltagsgeschäft erschwerten und viel Zeit kosteten. Bei einem Bagatellunfall sei es beispielsweise Vorschrift, einen Krankenwagen zu rufen, auch wenn sich jemand nur in den Finger geschnitten hat.

Dann die vielen Protokolle über alle möglichen Schulungen. Langjährige Mitarbeiter müssen jedes Jahr erneut auf die Gefahren an ihrem Arbeitsplatz hingewiesen werden. „Überzogene Bestimmungen“, meint Lantz. Ein weiteres Problem ist die Gewinnung neuer Azubis. Im August beendeten acht Gesellen die Ausbildung, von denen sechs übernommen wurden. Fürs neue Lehrjahr gab’s nur eine Bewerbung. „Wir müssen mehr für die Attraktivität des Handwerksberufs werben, nicht jeder Abiturient muss studieren. Die dualen Ausbildungsgänge sind auch sehr interessant“, so der Präsident der Handwerkskammer Lübeck, Günther Stapelfeldt. Er ist sehr an den Nachfolgeregelungen in den Betrieben interessiert.

Die Firma Lantz versucht, gute Kräfte zu halten und bildet viel aus. Einer davon ist Lars Budbasch (19), der gerade mit der Note 2 seine Gesellenprüfung bestanden hat und dem Minister von seiner Arbeit erzählte. „Erstmal arbeite ich hier. Vielleicht mache ich später noch den Techniker“, kündigte er an. Zudem sind auch Jörn Lantz’ eigene drei Kinder bereits am Start: Sohn Johannes (25) ist Tischlermeister und studiert jetzt BWL. Seine Schwester Jara Lantz (21) studiert ebenfalls BWL, jobbt im Betrieb, ist aber noch unentschlossen, ob sie in Vaters Betrieb arbeiten wird. Die jüngste Julana (16) hat noch Zeit für die Entscheidung.

100 Mitarbeiter beschäftigt Lantz , davon zehn Auszubildende. Die Firma hat zudem Büros auf Rügen, auf Sylt und in Hamburg. Elf Millionen Euro Jahresumsatz macht der Betrieb. Die Produkte gehen nicht nur nach Deutschland, sondern werden auch in Skandinavien, auf Kreta und sogar in Sibirien verarbeitet. „Das kommt durch Empfehlungen der Kunden zustande“, so Jörn Lantz. Verarbeitet wird zertifiziertes Merantiholz, Mahagoni, sibirische Lärche und Eiche. Eine eigene Energiezentrale erzeugt aus Holzresten und Sägespänen in einer Holzvergaserheizung Energie für die 6600 Quadratmeter Produktionshallen. Dadurch verringern sich die Energiekosten. Die Funktionsstraßen können durch digitalen Kontakt mit dem Hersteller schnell repariert werden. Dadurch werden Ausfälle und Verzögerungen klein gehalten.

Nach sechs Jahren Bauplanungen, die auch durch eine Echse aufgehalten wurden, hofft Lantz, nächstes Jahr erweitern zu können. Dann soll eine neue Präsentationshalle und ein Lager entstehen. „Es ist schon interessant, mal direkt zu hören, wie Behörden mit den Vorschriften umgehen. Bürokratieabbau ist sonst ein abstraktes Thema. Was Vorschrift ist, ist nicht immer sinnvoll“, so Minister Meyer. Jörn Lantz war froh, mal Klartext reden zu können und hofft, dass das weitere Betriebsinhaber auch tun werden.



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