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Stormarner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 17:49 Uhr

Ahrensburg : Der Lindenhof – oder das schlechte Gewissen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Mit knapper Mehrheit wurde das Bauprojekt jetzt endlich beschlossen. Die Stadtverordneten nahmen die Probleme zum Anlass, künftig besser zusammenarbeiten zu wollen.

Das „Lindenhof“-Projekt ist seit Montagabend beschlossene Sache, aber während der (erneuten) Diskussion zu diesem Thema gab es erstaunliche Begleittöne aus der Politik. „Wir müssen künftig besser zusammenarbeiten und mehr kommunizieren“, sagten Peter Egan (WAB) und Jörg Hansen (Grüne) und es klang beinahe wie ein schlechtes Gewissen. Die Fronten während der Planungsphase zu diesem vieldiskutierten Projekt in der südlichen Innenstadt gegenüber dem Bahnhofsgebäude seien in den Fraktionen verhärtet gewesen, betonten sie während der Sitzung der Stadtverordneten.

Erstaunliche Worte für ein Bauprojekt, dem nicht nur alte Linden zum Opfer fallen, sondern auch rund 90 Parkplätze. Mit 14 Ja-Stimmen (CDU und Grüne) gegen zwölf Nein-Stimmen (SPD, FDP und WAB) wurde das seit mehreren Jahren diskutierte Projekt eines Wohn- und Geschäftshauses auf dem Lindenhof-Areal beschlossen. Interessantes Detail: Dirk Langbehn von den Grünen enthielt sich bei der Abstimmung.

„Die Messe ist gelesen“, resümierte Rafael Haase (SPD) schon vor der Abstimmung, „von unserer Fraktion gab es Verhandlungsbereitschaft für andere Projekte, aber niemand ist darauf eingegangen, es gab Gespräche, aber die SPD wurde nicht eingeladen – eine jetzt geforderte Zusammenarbeit stelle ich mir anders vor.“

Auch Thomas Bellizzi (FDP), die Freien Demokraten hatten sich übrigens im Lauf der Zeit von Befürwortern zu Gegnern des Projektes gewandelt, übte Selbstkritik: „Die Stadt hat sich an einen Investor gekettet, ohne Freiräume zu haben. Wir lassen diese Fläche mit einem Gebäude bebauen, das keinen Bezug zur Umgebung hat“, sah Bellizzi sogar einen schädigenden Einfluss auf den Einzelhandel. „90 Parkplätze fallen weg. Glaubt die Politik wirklich, dass die Kunden die Suche nach einem Parkplatz auf sich nehmen? Die fahren dann gleich nach Bargteheide oder Volksdorf. Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung dieser Fläche, aber nicht in dieser Form.“

Auch Hartmut Möller (SPD) ging auf die fehlenden Ersatzparkplätze ein: „Das wurde nicht rechtzeitig geplant, auch die Radwegsituation am Bahnhof und die Abwicklung der Verkehre vor der künftigen S-Bahn-Station wurde nicht berücksichtigt“ (gemeint ist der Haltepunkt der geplanten S4).

Tobias Koch (CDU), der nach dem Rücktritt von Christian Conring neuer Vorsitzender des Finanzausschusses ist, verteidigte das Bauvorhaben: „Wir bekommen 70 Mietwohnungen in der City.“ Allerdings konnte auch er die Frage nach Ersatzparkplätzen nicht ausklammern, „Wir hätten uns gewünscht, dass die Planungen für eine Aufstockung des Parkhauses Alter Lokschuppen schon weiter gediehen wären. Zudem gibt es Pläne, unter dem Stormarnplatz eine Tiefgarage zu bauen.“

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