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Stormarner Tageblatt

08. Dezember 2016 | 05:15 Uhr

Bad Oldesloe : Der letzte Vorhang

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Abgesang auf ein etwas anderes Kinder- und Jugendtheater, das vor genau fünf Jahren verheißungsvoll begann: Chapeau Klack! Für die engagierte Truppe fiel der letzte Vorhang.

Am Ende rollten die Tränen über die weiß geschminkten Gesichter einiger „Chapeau Klack“-Mitglieder. Das letzte Mal hat sich am Mittwoch der Vorhang geschlossen. Zum letzten Mal sagten sie ihren Spruch: „Wenn es euch gefallen hat, sagt es gerne weiter. Wenn nicht, dann pssssst“ und schon dabei stockte einigen die Stimme. Im wahrsten Sinne des Wortes fiel anschließend der letzte Vorhang für ein besonderes Projekt, das vor exakt fünf Jahren, 28. September 2011, seinen hoffnungsvollen Start gefeiert hatte.

Britta Finger und ihr Team wollten ein neues, anderes Kinder- und Jugendtheater auf die Beine stellen. Nicht als Konkurrenz zur Oldesloer Bühne, bei der manche von ihnen vorher aktiv gewesen waren, sondern als Alternative, als Ergänzung. Das Konzept sah Straßentheater vor, Pantomimen-Auftritte und kleine projektgebundende Theaterstücke. Schnell stellten sich Erfolge ein. Es gab gute Kritiken und auch immer mehr Zulauf an Mitwirkenden. „Es war eine tolle Zeit und wir waren voller Euphorie. Wir haben alle viel investiert. Auch in privaten Räumlichkeiten wurde gebastelt und vorbereitet“, erklärt Finger.

Einen Mitstreiter fanden die Theatermacher schnell in Alfred Anders von den Oldesloer Alten- und Pflegeheimen „Forsthaus“. Er stellte Räumlichkeiten zur Verfügung, in denen geprobt und vor allem auch aufgetreten werden konnte. „Das war für mich selbstverständlich. Ich fand und finde, dass es ein tolles Projekt ist. Jugendliche sollten gefördert werden. Ich hätte mir gewünscht, dass es weitergeht“, so Anders. „Da steckte viel Herzblut drin. Alfred Anders hat uns super unterstützt. Daher ist dieser Tag wirklich nicht leicht für mich. Aber man muss Entscheidungen treffen“, so Finger. Denn die Erfolge und die guten Ideen riefen plötzlich die Amtsschimmel auf den Plan. „Menschen, die halt am Schreibtisch ihre Entscheidungen treffen“, so Finger. So richtig problematisch wurde es nach den ersten Erfolgen 2013 als die Schauspieler auf dem Adventsmarkt auftreten wollten.

„Wir planten, allen eine Bühne zu geben und dass es dann eine Hutgage gibt. Die Hutgage war dann wohl das Problem. Plötzlich meldete sich die Jugendschutzbehörde und sprach davon, dass das ja Kinder- und Jugendarbeit sei. Wir sollten Unterschriften von den Eltern und Schulen einholen und weitere Papiere vorweisen, damit die Kinder auftreten dürfen. Wenn wir das nicht haben, drohte man uns, die Kinder von der Polizei direkt von der Bühne holen zu lassen“, so Finger. „Da hat die Bürokratie mit Kanonen auf Spatzen geschossen und die ganz großen Geschütze rausgeholt. Bis heute wissen wir nicht genau, warum das passiert ist“, erklärt Finger. Fakt ist: Seit diesen Geschehnissen war es mit der Unbeschwertheit vorbei. Die Stadtjugendpflege griff Chapeau Klack nun zwar unter die Arme und ernannte die Gruppe zum „Jugendhilfeprojekt“, aber die Sorgen wurden nicht weniger.

„Wir sind und waren kein Verein. Das heißt, dass ich persönlich die Haftung übernehme, für alles was passieren kann. Und plötzlich stehst du da und fragst dich bei jeder Aktion, was man verantworten kann und was nicht. Auch wegen der Jugendarbeitsfrage halt. Ich wollte doch auf keinen Fall, dass Kinder von der Polizei von der Bühne geholt werden“, so Finger. Hinzu kam noch die Raumfrage und die Frage nach Förderung durch die Stadt. Denn neben der guten Auftrittsmöglichkeit bei Anders, hätte man Lagerflächen und einen zusätzlichen Proberaum benötigt.

„Die Gespräche mit der Stadt haben uns nicht weitergebracht. Man wollte uns helfen, sagte man, aber wenn wir Vorschläge hatten, wurden sie abgelehnt. Wir haben vor über einem Jahr gesagt, dass wir Lösungen brauchen. Das Zeitfenster hat sich geschlossen“, so eine enttäuschte und sichtbar traurige Britta Finger. „Ich kann und mag da jetzt nicht viel zu sagen“, sagt Katrin Stehr von der Stadtjugendpflege, die zur Abschlussvorstellung ins Forsthaus gekommen war. „Wir wären auch ins Kub eingezogen, aber nicht, wenn wir uns Räume mit der Oldesloer Bühne teilen, die man uns angeboten hatte. Denn das hätte in Sachen Terminfindung und gleichzeitiger Raumnutzung sicherlich Probleme gegeben. Für uns alleine war leider kein Platz zu finden“, sagt Finger. „Ich hätte mir gewünscht, dass es Lösungen gegeben hätte. Das Projekt mochte ich, das Angebot war wichtig für theaterbegeisterte Jugendliche und ich bedaure es für die Kulturszene in der Stadt, dass es jetzt beendet wurde. Leider konnten wir kurzfristig nicht helfen“, so Inken Kautter, die seit einem Jahr Kulturmanagerin bei der Stadt ist. Viele der Mitwirkenden sind tief getroffen. „Ich war von Anfang an mit dabei. Ich habe das echt geliebt. Ich bin schockiert und weiß noch gar nicht, was ich davon halten soll, dass es nun wirklich so zuende geht“, sagt Lea Marie Jantz.

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erstellt am 29.Sep.2016 | 15:10 Uhr

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