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Stormarner Tageblatt

05. Dezember 2016 | 13:36 Uhr

Der historische Fund von Sülfeld

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Eine Sternstunde für Sülfelds Gemeindearchivar Ulrich Bärwald. In Höhe des Pastorats hat Hochwasser Eichenbohlen an die Oberfläche „gespült“, die zum Bau einer Schleusentreppe des Alster-Trave-Kanals im ausgehenden Mittelalter verwendet wurden. Damit ist der Verlauf des Kanals bewiesen.

Die Frühjahrshochwasser haben historische Relikte der hanseatischen Schifffahrtsgeschichte in der Gemeinde Sülfeld freigelegt: Bauliche Reste des Alster-Trave-Kanals aus der Zeit um 1525. Dieser Kanal verband nach seiner Fertigstellung 1529 Nordsee und Ostsee – durch sein künstlich gegrabenes etwa acht Kilometer langes Bett die natürliche Alster beim Gut Stegen mit der natürlichen Norderbeste im Sülfelder Bestetal. Die Beste wiederum mündet in Bad Oldesloe an der Hude in die Trave und führt in Travemünde in der Ostsee.

„Dieser Kanal bildete im ausgehenden Mittelalter einen direkten wasssergebundenen Handelsweg zwischen den beiden Hansestädten Hamburg und Lübeck“, erklärt Gemeindearchivar Ulrich Bärald in seinem Beitrag zum Buch „Wasserstraßen zwischen Elbe, Nord- und Ostsee“. Damals eine große Erleichterung für die Landschuten, so Bärwald, denn sie erreichten ihr Ziel bestenfalls schon in drei Tagen, anstatt den abgelegenen Stecknitz-Kanal oder gar die gefährliche Route über Skagen im nördlichen Dänemark zu nehmen. Auch wenn die wirtschaftliche Bedeutung des Alster-Trave-Kanals nur von kurzer Dauer war, so war doch der Bau damals eine große, auch finanzielle Leistung. „Es gilt gerade heute, diese vorhandenen, deutlich sichtbaren Reste als kulturhistorisches Zeugnis und Denkmal der Nachwelt zu erhalten“, so Bärwald.

Der Alster-Trave-Kanal gilt heute als archäologisches Denkmal und ist auch als solches gekennzeichnet. 1200 Baumstämme wurden damals zum Bau angeliefert, 4000 Tagwerker bauten die künstliche Wasserstraße – so schreibt es der Gemeindearchivar. Das endgültige Aus für den Kanal kam 1550, als die Schleuse in Neritz nicht mehr betriebsbereit war. Ein Jahr zuvor war der Schleusenwärter erschlagen worden. Über Jahre hinweg gab es immer wieder Streitereien rund um die Finanzierung und die Beeinträchtigungen der Landwirte durch den Kanal. In den Niederungsflächen der Norderbeste – hier mündet das künstlich gegrabene Kanalbett in die aus Richtung Borsteler Mühlenteich kommende Norderbeste – wurden jetzt massive Eichenbohlen und -balken in einer Tiefe von etwa einem Meter unter dem natürlichen Geländeniveau freigelegt.

Aufgrund der erheblichen Höhendifferenz im Verlauf des Kanals wird hinter dem Sülfelder Pastorat im tiefen Geländeeinschnitt eine Schleusentreppenanlage für den damaligen Betrieb des Alster-Trave-Kanals vermutet.Die Hölzer werden, ist sich Ulrich Bärwald sicher, zu einer derartigen Anlage gehört haben. Die massive Bohle weist zudem verschiedene Holzzapfungen sowie einen schmiedeeisernen Bolzen auf. Dazu passt auch der vor vielen Jahren exakt hier getätigte Fund eines steinernen Beckens; so dass vermutet werden darf, dass es sich dabei um einen Pfostenschuh eines Schleusentors aus dem morastigen Grund handelt.

Arbeiten des Wasser- und Bodenverbandes haben offensichtlich im Zuge von Verrohrungsarbeiten vor über 40 Jahren die historische Bautenlage im Untergrund in Unruhe gebracht. Vor 15 Jahren ist in diesem Bereich aus ökologischen Gründen jedoch der offene Wasserlauf wieder hergestellt worden. Dabei traten diese heutigen Funde jedoch noch nicht zu Tage. Bärwald: „Nun gilt es, diese Funde vom Archäologischen Landesamt in Schleswig auszuwerten, weitere Grabungen wird es in dem Bereich aus Kostengründen derzeit jedoch nicht geben können.“ Dennoch ist mit dem bedeutsamen Fund der Bauteile auch der exakte örtliche Nachweis des Alster-Trave-Kanals aus der Zeit um 1525 in Sülfeld gelungen.

Bereits 1973 gab es schon einmal den Nachweis einer Balkenlage aus der Zeit des Kanals in der Norderbeste im Bereich der Sülfelder Cassburg.

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erstellt am 26.Apr.2016 | 13:49 Uhr

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