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Stormarner Tageblatt

05. Dezember 2016 | 03:33 Uhr

Großhansdorf : Der Cowboy von nebenan

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Schauspieler Till Demtröder über seine Rolle bei den Karl-May-Spielen Bad Segeberg und seine neue Heimat in Stormarn.

20 Jahre lang verkörperte der Schauspieler Till Demtröder die beliebte Rolle eines Zivilfahnders im Großstadtrevier. Als Old Shatterhand auf der Bühne des Freilichttheaters in Bad Segeberg erfüllt er sich nun einen großen Kindheitstraum. Privat ist Demtröder seit 2015 in Großhansdorf zu Hause.

Es geht durch die Kulisse des Freilichttheaters am Kalkberg. Till Demtröder weist rechts auf die Requisiten, links auf das echte Kalkgestein und natürlich das kleine Bistro, in dem die ganze Mannschaft schon Platz zum gemeinsamen Fußballgucken fand. Es gehe hier einfach familiär zu, erklärt der Schauspieler, der von allen nur Till genannt wird und für jeden einen freundlichen Gruß oder Scherz bereithält. Geradezu stolz berichtet er von „seinem“ Team – angefangen von Komparsen bis hin zu Hauptdarstellern, die professionell und engagiert ihre Arbeit verrichten und als Ensemble zusammenhalten. Kaum vorstellbar, dass Demtröder in diesem Jahr zum ersten Mal dabei ist – zumindest auf der Bühne.

Von Kleinauf begeistert

Bereits als kleiner Junge schaute er voller Begeisterung die Karl-May-Filme und war zu Gast in der Kalkberg-Arena, später dann als Vater mit seinen eigenen drei Töchtern. Zum Mitspielen fehlte jedoch schlicht die Zeit. Feste Serienrollen wie die des Zivilfahnders beim Großstadtrevier oder Familienvaters bei Verbotene Liebe ließen keinen Platz für die Proben und anschließenden Vorstellungen.

„In diesem Jahr hatte ich zum ersten Mal keine anderen Verpflichtungen und habe sofort ja gesagt“, berichtet der 49-Jährige. „Obwohl die Rolle des Bösewichtes für einen Schauspieler normalerweise eine dankbare Aufgabe ist, wird für mich mit der Figur des Old Shatterhand ein Traum wahr. Er ist der Held meiner Kindheit.“

Demtröder wolle die Zuschauer an die Hand nehmen und sie in ein abenteuerliches Märchen entführen. „Es reicht nicht, einfach ein Kostüm überzuziehen. In den erwartungsvollen Augen der Kinder sehe ich mich immer selbst. Erst an der Spannung und dem anschließenden Applaus merke ich, ob ich mein Ziel erreicht und meinen Part glaubhaft verkörpert habe.“

Für seine Rolle als Cowboy profitiert der Schauspieler vor allem von seiner Leidenschaft zum Sport. Trotzdem musste sich der passionierte Reiter an das Westernreiten erst gewöhnen und für die Kampfszenen hart trainieren. Zimperlich gehe es auf der Bühne nicht zu, beschreibt der Darsteller und gibt zu, so manche Verletzung davongetragen zu haben: „Wir haben keine Zweitbesetzung, da müssen wir durch. Immerhin kommen viele Zuschauer in das Theater, um uns zu sehen.“ Der Arztkoffer bleibe meist offen stehen, dies gehöre dazu.

Auch privat kommt bei dem gebürtigen Hamburger keine Langeweile auf. Aufgewachsen in Alt-Rahlstedt blieb der „nordische Jung“ mit dänischen Wurzeln seiner Heimat treu. Mit Leidenschaft kurvt er mit seiner Harley-Davidson über kleine Straßen in Schleswig-Holstein und nutzt die Ostsee zum Segeln und Surfen. „Ich liebe es, neue Ecken zu entdecken und mit meiner Familie auf der Trave zu paddeln“, schwärmt der sympathische Serienstar, „wir haben hier so viele tolle Ecken direkt vor der Haustür und müssen kein Kerosin verbrauchen, um in den Süden zu fliegen.“

Viel Liebe zum Detail

Ein besonderes Hobby ist die Restauration alter Häuser. Erst 2014 erwarb Till Demtröder ein altes Bauernhaus in Großhansdorf, welches er mit besonderer Hingabe restauriert: „Andere hätten das Haus vielleicht einfach abgerissen und etwas Neues gebaut. Ich hole mir gerne Anregungen von anderen alten Höfen in Stormarn und baue alles mit viel Liebe zum Detail wieder auf.“ Das Wissen habe er von seinem Vater, dem Architekten und Tischlermeister, der ihn schon als kleinen Jungen in sein Handwerk einweihte. „Ich schaffe mit meiner Arbeit bleibende Werte“, erzählt der Bauherr, „bei einem alten Pflaster im Hof und einer verputzten Wand sehe ich meinen Erfolg direkt und kann alles selber mit der Hand erarbeiten.“

In der verbleibenden freien Zeit laden viele schöne Flecken in Stormarn zum Entdecken ein. „Den Großensee kenne ich von früher. Wenn der Nebel am frühen Morgen tief über dem See hängt, kann man dort wunderbar schwimmen gehen oder mit den Pferden durch das Wasser reiten.“ Um auch anderen seine Wahl-Heimat vorzustellen, hat der Schauspieler einige Ideen. Mit seiner Eventagentur Experiarts Entertainment in Hamburg St. Pauli, die etwa eine unblutige Schlepp-Jagd auf Usedom und das erste prominent besetzte Kamelrennen organisiert, stellt er sich zum Beispiel eine Gourmet-Rallye durch Stormarn vor: „Phantasie ersetzt bei uns ein hohes Budget. Ich finde es wichtig, das ,Wir-Gefühl* einer Region zu stärken. Hierfür möchte ich mich gerne mit den Entscheidungsträgern zusammensetzen.“


>Die Erlöse der Events gehen zum Großteil an die Welthungerhilfe, wofür Demtröder 2014 mit dem Ehrenpreis Charity ausgezeichnet wurde.


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