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Stormarner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 18:51 Uhr

Bargteheide : „DDR blieb der doofe Rest“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Beim Festakt zu 25 Jahren Deutsche Einheit in Bargteheide erinnerte Reinhard Bohse nicht nur an die Wendezeit.

„An der Thomaskirche hing ein Laken mit einem großen roten Kreuz“, erinnert sich Reinhard Bohse, „sie sollte zum Lazarett werden, wenn es zu Auseinandersetzungen kommt.“ Das war vor 26 Jahren bei den Montagsdemos in Leipzig, als das DDR-Regime zu kippen begann. Zum Glück wurden die alarmierten Hundertschaften von Polizei- und Kampfgruppen nicht eingesetzt. Eine friedliche Revolution fegte die alte Ordnung hinweg und führte zur Einheit. Darüber sprach Bohse beim Festakt im Stadthaus.

Und er ging auf die aktuelle Situation ein. Bei der Entwicklung einer Zivilgesellschaft im Osten gebe es Defizite: „Der in der DDR von oben verordnete Antifaschismus hatte einen latenten Faschismus von unten zur Folge.“ Die Idee des demokratischen Interessenausgleichs sei kaum verstanden worden. „Es fehlte die Aufklärung, die DDR blieb weiter der doofe Rest mit Kleinbürgern und Kleindenkern.“

Viele aus der Elterngeneration hätten problemlos den Wechsel vom Nationalsozialismus zum Kommunismus vollzogen. Auch der Marxismus habe nachgewirkt, viele hätten ihre Geschichte verklärt. Die geistige Lücke habe sich oft mit rechter Gesinnung, offenem Rechtsradikalismus und Rassismus gefüllt. „Doch die Anführer kamen oft aus dem Westen.“ Die Bevölkerung mit etwa 80 Prozent Atheisten sei anfällig für diese Ideologie gewesen.

Die Ausgangssituation in der DDR sei 1989 desolat gewesen: „Die Umwelt war verseucht, es gab 100 000 Spitzel, und das atomare Inferno stand damals täglich vor der Tür.“ Doch zugleich habe man in der Diktatur auch wunderbare Zeiten erlebt: „Wir haben gelebt und gefeiert.“ Sagt es und setzt sich ans Klavier. Mit der Jazzband „SUM II“ swingt Bohse zumAbschluss im Stadthaus.

„Es gab sicher viele Fehler bei der Wiedervereinigung, denn es gab keinen Masterplan“, sagt Bürgermeister Henning Görtz. Im Wesentlichen seien aber die richtigen Entscheidungen getroffen worden. Die heutigen Aufgaben seien mit den Herausforderungen damals vergleichbar. „Wir müssen die Flüchtlinge integrieren, viele Bürger packen das gemeinsam an.“

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