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Stormarner Tageblatt

04. Dezember 2016 | 11:20 Uhr

Stormarner Wochenschau : Da bleibt einiges auf der Strecke

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die einen können nicht schwimmen, die anderen finden keine Auzubis mehr. Da läuft also was verkehrt.

Fragwürdig

Schwimmen muss man einfach können! Nicht nur, weil es Spaß macht, sondern weil es reichlich Situationen gibt, in denen das überlebenswichtig ist. In brenzligen Situation sollte man schon den Kopf über Wasser halten können.

Auf Antrag der CDU hatte der Kreis-Sportausschuss 5000 Euro bewilligt, um in den Sommerferien Schwimmkurse für Kinder anbieten zu können. Und weil die Nachfrage nach Plätze so groß war (logisch, 20 Euro für einen Schwimmkursus sind ein Schnäppchen), klopfen sich die Politiker auf die Schultern, was sie doch tolles auf den Weg gebracht haben. Begründet wird die Staatsknete für Privatangelegenheiten damit, dass ja angeblich immer weniger Kinder schwimmen können. Schaut man sich die Berichterstattung des Sommers an, waren aber nicht Kinder die Opfer bei Badeunfällen, sondern alte Menschen und Flüchtlinge.

Es ist ja nicht so, dass es in Stormarn keine Möglichkeiten gäbe, schwimmen zu lernen. Es gibt Bäder, traditionell bieten dort die Bademeister Kurse an, es gibt kommerzielle Angebote, es gibt Sportvereine, die sowas im Portfolio haben – an Möglichkeiten hapert es nun wirklich nicht. Wenn immer mehr Kinder Nichtschwimmer sind und sich nicht mal trauen, ihren Finger ins Becken zu halten, haben eindeutig die Eltern versagt (Ausnahmen bestätigen die Regel). Es ist eben nicht Hip, mit dem Nachwuchs schwimmen zu gehen, es kostet Geld, man wird nass, die Haut schrumpelig, man riecht anschließend nach Chlor ... Und in ein paar Jahren wundern wir uns über ein Volk von Nichtschwimmern.

Natürlich kann man auch den Schulen die Schuld (teilweise) in die Schuhe schieben, weil die angeblich immer weniger Schwimmunterricht geben. Wenn dem tatsächlich so sein sollte, müsste man mal die Ursachen untersuchen und dort ansetzen. Oldesloer Schulen bekommen die zu zahlende Bahnmiete von der Stadt über das Budget erstattet – die Kosten können also kein Argument sein. Und wenn es nicht genügend qualifizierte Lehrer gibt, läuft in der Ausbildung etwas verkehrt. Dann helfen die 5000 Euro vom Kreis auch nichts.

Merkwürdig

Es ist schon sonderbar. Einerseits gibt es für den Ausbildungsberuf Gesundheits- und Krankenpfleger/in an der Pflegeschule des St. Adolf-Stifts in Reinbek stolze 130 Bewerbungen auf gerade einmal 26 freie Stellen. Dabei ist die Betreuung von kranken oder pflegebedürftigen Menschen wahrlich kein Zuckerschlecken, kein Job für Zartbesaitete. Andererseits ist es allein im Kreis Stormarn nicht möglich, die Lücken auf dem Ausbildungsmarkt adäquat zu schließen. Auch nach dem Stichtag 1. September sind 269 Lehrstellen in unterschiedlichen Bereichen nicht besetzt. Unternehmer raufen sich die Haare, suchen weiterhin händeringend Nachwuchs. Was ist mit den gut 230 jungen Menschen, die noch keine Lehrstelle haben? Können die nicht – wegen „Qualitäts-Armut“ – oder wollen die schlichtweg nicht? Frei nach dem Motto: Locker bleiben, chill mal. Läuft doch! In diesem, aber auch auf anderen deutschen Feldern tut sich ein Eindruck auf: Es geht ihnen schlichtweg zu gut. Die Karikatur lässt grüßen.
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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 04.Sep.2016 | 13:44 Uhr

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