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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2016 | 05:21 Uhr

Bad Oldesloe : Cobra 4 bringt Feuerwehren an ihre Belastungsgrenzen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Seit Einführung einer neuen Leitstellen-Software werden die Wehren deutlich häufiger alarmiert

Die Anfangsschwierigkeiten sind überwunden, von Entspannung kann aber keine Rede sein. Seit Ende Mai arbeitet die Integrierte Regionalleitstelle Süd (IRLS) in Bad Oldesloe mit der neuen Software Cobra  4. Die ist Voraussetzung für die jetzt startende Digitalisierung und kam vor allem bei Berufsfeuerwehren zum Einsatz. Die Vorbereitungen waren lang und umfangreich, pannenfrei klappte es dennoch nicht.

Alle Feuerwehren brauchten eine neue Alarm– und Ausrückeordnung, mussten Fahrzeuge, Ausrüstung, Mannstärke bei Tag und Nacht sowie die Alarmierungs-Reihenfolge eintragen. Aus der Feuerwehr-Verwaltungssoftware Fox wurden die Daten dann in Cobra  4 übernommen. Seitdem schlägt die Software dem Leitstellen-Disponenten vor, wen er alarmieren soll.

Für diese „qualifikationsbezogene Alarmierung“ hatten Feuerwehrexperten eine Liste erarbeitet. Bis zu Feuer 2 (kommt nach Feuer klein und Feuer groß) alarmieren die Leitstellen von sich aus. Alles was darüber hinaus geht – die Liste reicht bis Feuer 7 – entscheidet der Einsatzleiter vor Ort.

„Feuer 2“ sind aber bereits zwei Züge mit acht Löschgruppen und jeweils neun Mann. Das kann am Tage kaum eine mittelgroße Feuerwehr bieten. Dem Rechner ist das egal, der schlägt dem Disponenten so viele Feuerwehren vor, bis die in der Liste vorgegebene Mann-Stärke erreicht ist.

Die Folge: Zu einem normalen Pkw-Brand rücken heute meistens zwei Feuerwehren aus, wo bislang eigentlich immer eine gereicht hat. Auch zu den nicht seltenen Fehlalarmen werden jetzt mehrere Wehren geschickt, je nachdem, was da in Flammen stehen könnte. „Das ist für die Feuerwehrleute natürlich frustrierend, wenn sie unverrichteter Dinge wieder kehrt machen können“, sagt Stormarns Kreisbrandmeister Gerd Riemann.

Seit Cobra  4 im Einsatz ist, hätten die Alarmierungen stark zugenommen, bei manchen Feuerwehren so sehr „dass sie an ihre Grenzen stoßen“, so Riemann. Er befürchtet einen Gewöhnungseffekt: Wenn man mehrfach falsch alarmiert werde, könnte es sein, dass man gar nicht zum Einsatz geht. Und wenn doch: „Irgendwann macht das der Arbeitgeber nicht mehr mit“, so Riemann.

Er sieht den schwarzen Peter bei der Leitstelle, Ordnungsamtleiterin Anja Kühl gibt den aber gleich zurück: „Das was die Software uns vorgibt, kommt von den Experten der Wehren. Wenn die Feuerwehren etwas ändern wollen, müssen sie das selbst eingeben. Die IRLS ist nur die Alarmierungsstelle.“

„Bis zur Einführung von Cobra  4 hat es doch auch geklappt. Die Disponenten in der Leitstelle hatten immer ein gutes Fingerspitzengefühl“, sagt Tom Reher, Sprecher der Feuerwehr Glinde. Es stimme zwar, dass die Feuerwehren selbst festgelegt hätte, was bei einem Einsatz benötigt werden. Das bedeute aber nicht, dass jedes Mal bis zur Höchststärke alarmiert werden müsse.

Für die nächste Woche ist auf Anregung des Großhansdorfer Bürgermeister Janhinnerk Voß ein Gespräch bei Landrat Dr. Henning Görtz anberaumt. Gemeindewehrführer Andreas Biemann hatte es angeregt. „Ich hoffe, wir finden vernünftige Lösungen“, sagt er, auch Riemann und Reher hoffen auf einen Kompromiss. „Es läuft noch nicht alles rund“, sagt Henning Görtz, „zum Start wurde im Zweifel lieber einmal zu viel als einmal zu wenig alarmiert.“

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erstellt am 08.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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