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ÖPNV im Kreis Stormarn : Bremsen Pläne für eine Kieler Stadtbahn die S 4 aus?

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Im Koalitionsvertrag werden beide Projekte wünschenswert genannt, das Geld reicht aber nur für eins

Bad Oldesloe/Kiel | Eine S 4 für Stormarn oder eine Stadtbahn für Kiel - beides geht nicht, und das sorgt jetzt für Diskussionen. Was ist der Kieler Koalition wichtiger? Für die Grünen scheint es eine Stadt- und Regionalbahn (SRB) zu sein, die die Landeshauptstadt mit dem Umland verbindet, wie deren Verkehrs-Experte Andreas Tietze verkündete.

Geschätzte 382 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Auf größtenteils vorhandenen Schienen sollen Hightech-Züge im Viertelstundentakt verkehren. Schon 2014 könnte die erste Verbindung nach Schönberg starten, bis 2019 könnten Eckernförde, Rendsburg, Neumünster und Preetz dazukommen. Nur in Kiel selbst müssten neue Schienen verlegt werden.

Eine S 4 von Hamburg bis Bad Oldesloe wäre mit geschätzten 342 Millionen Euro kaum billiger. Von Hasselbrook bis Ahrensburg müssten zwei neue Gleise gelegt werden, bis Bargteheide ist ein Gleis vorgesehen. Die Weiterfahrt nach Oldesloe würde auf den vorhandenen Gleisen erfolgen.

In Hamburg hatte die S 4 lange nicht oberste Priorität: Die Grünen favorisierten eine Stadtbahn. Nachdem die vom Tisch ist und Hamburg sich zur S4 bekennt, könnte mit der Kieler Stadtbahn jetzt ein anderes Grünen-Projekt zur Bremse werden.

"Ich bin entsetzt", sagt die Oldesloer FDP-Landtagsabgeordnete Anita Klahn, "die Dänen-Ampel orientiert sich völlig gen Norden und hat den Süden Schleswig-Holsteins nicht auf der Rechnung". Von einer "verkehrspolitischen Geisterfahrt" sprechen der Ahrensburger CDU-Abgeordnete Tobias Koch und verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion Hans-Jörn Arp. "Die S 4 ist eines der wichtigsten Projekte des öffentlichen Personennahverkehrs in der Metropolregion", betont Tobias Koch.

Für den Barsbütteler SPD-Landtagsabgeordneten Martin Habersaat ist die aktuelle Diskussion "konstruiert", an den Befürchtungen "nichts dran". Er verweist auf den von allen Fraktionen gemeinsam getragenen Beschluss für eine S4 aus dem vergangenen Jahr und den Koalitionsvertrag. Darin heißt es: ,,Im Vordergrund steht im Bereich der Metropolregion die Herstellung der S 4 zwischen Bad Oldesloe und Elmshorn sowie der Ausbau der AKN als S-Bahn einschließlich nördlicher Anbindung an den Flughafen Fuhlsbüttel." Habersaat: "Ein Zusammenhang mit der Stadtregionalbahn wurde in den Verhandlungen nicht hergestellt."

Allerdings heißt es im Koalitionsvertrag auch, dass die Kieler Stadt-Regional-Bahn "von landespolitischer Bedeutung" sei, und den Landesanteil an den Infrastrukturkosten will die neue Regierung auch von 15 Prozent auf bis zu 25 Prozent erhöhen.

"Ich vertraue Herrn Habersaat", sagt Landrat Klaus Plöger, "aber wenn Kiel wirklich eine Bimmelbahn anstelle der S 4 finanzieren will, gibt das Stress. Das wäre eine Kampfansage an Hamburg, Lübeck und Stormarn".

"An den Fakten hat sich nichts geändert", versucht Harald Haase, Sprecher des Verkehrsministeriums, die Wogen zu glätten. Im Koalitionsvertrag seien mit S 21 nach Kaltenkirchen, S 4 und SRB alle drei Wunschprojekte erwähnt. 2013 würden die Zahlen vorliegen, welches Projekt das wirtschaftlichste und schlaueste sei. Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD): "Es wird einen Wettbewerb zwischen den Projekten geben."

An der Fertigstellung der S 21 zweifelt niemand, für die SRB liegt bereits eine Förderzusage aus Berlin vor, für die S 4 läuft gerade mal die (von Schleswig-Holstein vorfinanzierte) Vorentwurfsplanung. Für den Bau der S-Bahn gibt es allerdings einen breiten Konsens in der Metropol-Region, an den erwarteten Millionendefiziten der SRB möchten sich die Kommunen im Kieler Umland dagegen nicht un bedingt beteiligten.

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erstellt am 10.Jul.2012 | 07:53 Uhr

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